Dienstag, 2. April 2019

CD-Review: Elvenpath "The Path Of The Dark King"

Power Heavy Metal gibt es bei Totgehört nicht wirklich oft. Wir haben einen Schwerpunkt auf Extreme Metal, aber wenn es um die Hessen von ELVENPATH geht, verlasse ich auch gerne meine Komfortzone. Besonders wenn die Kapelle aus dem Großraum Frankfurt mit "The Path Of The Dark King" das erste Album seit vier Jahren veröffentlicht. 
Live konnte ich das Album ja bereits in Gänze bestaunen als es die Band im Moshpit Flörsheim auf ihrer Release Party durchgespielt hat. Und ja: Sänger Dragutin hat nicht nur auf Platte ein beeindruckendes Organ auch auf der Bühne überzeugt seine Stimme mit einer unheimlichen breiten Varianz, die von Halford bis Kiske reicht. Nach dem einleitenden 'Combat Zone Europe', das unheimlich hoch geht (vor allem stimmlich), und dem 'One Strong Voice', das durch seine Mitmach-Shouts als Live-Anheizer in Erscheinung tritt, kommt mit 'Targaryen Fire' mein erstes Highlight der Platte. Zugegeben, einen Game-Of-Thrones-Fan mit einem Song über sein Lieblingshaus zu ködern, ist leichter als Fische in einer Badewanne zu angeln. Allerdings ist auch abseits der valyrischen Thematik eine Menge Feuerwerk in diesem Track, das durch einen treibenden Beat fast ans Thrash-Rhythmik erinnert und mit seiner ausgereiften Gitarrenarbeit auch Freunde der Saitenakrobatik erfreuen wird. Wem das nicht episch genug ist, bekommt mit 'The Sword Of Gideon' die Vollbedienung in 713 Sekunden (!) - ein Fantasyfilm in all seiner dramatischen Bandbreite, komprimiert als Metal-Hymne. "Wo bleibt eigentlich die obligatorische Power Ballade?", werden sich nun erfahrene Genre-Kenner fragen und werden bei 'On The Verge Of Insanity'
fündig. Das ist allerdings kein billiger Tear Jerker, sondern ein virtuos gespielter Riff-Kreuzer mit grazil singenden Gitarren. In einem ähnlichen Stil macht 'Devil's Game And God's Masquerade' weiter - auch wenn dieser mit über neun Minuten, die Epik-Emission wieder voll aufdreht (auch wenn ich mir persönlich diesen Song ein wenig mehr auf den Punkt und verdichteter gewünscht hätte). Mit 'Black Wings' und 'About Nightmares And Kings' wird es wieder dynamischer und gleichzeitig kraftvoll pathetisch - ein typische Power-Metal-Combo, die aber gut funktioniert - vor allem Letztgenannter verbaut dezente 80s-Hardrock-Anleihen, die stimulierend auf die Muskulatur im Nacken wirken. Das Finale kommt direkt im Anschluss und da macht man keine Kompromisse. 'The Mountain Curse' dauert über eine Viertel Stunde (!) und wirkt damit fast wie ein Release im Release. Er hat sogar sein eigenes Chor-Intro, das allein knapp zwei Minuten dauert und auf das einn Auftakt im Stile des 'Bard Song' folgt, um allerdings in weiten Teilen nur wenig mit BLIND GUARDIAN zu tun zu haben und Soli-Kaskaden wie eine Kalaschnikow abzufeuern. Über mangelnde Abwechselung kann sich hier also keiner beklagen.

Worüber ich mich allerdings beklagen möchte (ja, ich leite das Fazit so billig ein) ist die Länge von "The Path Of The Dark King". 73 Minuten ist eine Ansage. Ein Major Label würde uns daraus ein teures Doppelalbum machen. Allerdings ist es auch eine Herausforderung für Bands, denn es ist nicht leicht so viel Bandbreite spannend zu halten.  ELVENPATH gelingt das an den allermeisten Stellen mühelos. Egal ob mit vielschichtigen Gesangseinlagen oder ausufernde Gitarrenwüterei - es mangelt nicht an Energie und Spielfreude. Allerdings sind es gerade die langen Tracks mit neun Minuten und mehr Spielzeit, die die sich etwas ziehen. Das ist der einzige Kritikpunkt, den ich habe, denn ansonsten kann man nicht meckern. Wer Power Metal und klassischen Heavy Metal in Spielfilmlänge mag, sollte zugreifen oder das Album zumindest einmal gehört haben. 
Seit 09.03.2019 könnt ihr es direkt über die Band selbst beziehen.

8 von 10 Punkten

[Adrian]

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