Samstag, 2. Juni 2018

Unerhört: Wo ist der Metal im Metal Hammer geblieben?

Es ist metrologischer Sommeranfang, die Festspielsaison hat begonnen und wie immer wird viel über die großen Open Airs berichtet. Auch der Metal Hammer ist in diesem Zusammenhang nicht untätig und haut mit dem Beilagenheftchen "Festivalkalender 2018" einen Ratgeber heraus, der Metaller helfen soll sich im Wust der Open Airs und Festivals zu orientieren. Allerdings hat die Sache einen entscheidenden Haken.

Bereits im Vorwort wird nämlich klar, dass hier eine Menge Köche am Werk waren. Musikexpress, Rolling Stone und eben auch die Redaktion vom Metal Hammer (allesamt Teil des Axel Springer Verlags) basteln ein Heftchen zusammen, das die wichtigsten Festivitäten Europas zusammen soll. "Macht das Sinn? Immerhin sind die Magazine sehr unterschiedlich", fragt sich der geneigte Hammer-Leser da zurecht und wird sich bereits auf den ersten Seiten die Schläfe kratzen. Gleich vier der ersten fünf Veranstaltungen umfassen vorrangig
Sieht zumindest nach Metal aus
Genres wie Elektronik, Indie, Jazz und Hip Hop (und das andere Event ist das Wave Gotik Treffen). Natürlich wird es auch Metaller geben, die diese Musikrichtungen hören, aber dafür hat man nicht bezahlt, wenn man sich einen METAL Hammer kauft.  Natürlich sind auch metallische Events vorhanden (sonst würde die Veröffentlichung im Hammer ja gar keinen Sinn machen), aber insgesamt ist die Anzahl überschaubarer als sie sein sollte. Pro Metal-Veranstaltung gibt es mindestens drei bis vier buntgemischte oder gänzlich unmetallische Termine. Ich will nicht die beleidigte Puristenleberwurst spielen, aber die Frage muss erlaubt sein, wieso sich ein Magazin, das sich selbst als wichtigster Print-Kanal für harte Musik positioniert so eine Mogelpackung auf seine Juni-Ausgabe klebt. Natürlich kann man argumentieren dass sie überhaupt keine Festival-Beilage machen müssten und man froh sein kann überhaupt so ein Incentive kostenlos zur regulären Ausgabe zu bekommen, aber was will man mit einem Büchlein, dass zu 90%  Events aus dem Metal präsentiert, die keine weitere PR benötigen? With Full

Kleine Festivals stellt man lieber nur online da?
Force, Summerbreeze und Wacken kennt man ja, aber wo sind die Geheimtipps? Wo sind Events wie das Nord Open Air, das MISE Open Air, das Masters Of The Unicorn oder das NRW Deathfest? Solche Perlen werdet ihr hier nicht finden, aber dafür jede Menge Eigenwerbung für Metal-Hammer- und Rolling-Stone-Events und natürlich ganz viel Werbung an sich. Wegen letztgenanntem Punkt erklärt sich auch der titel-übergreifende Charakter der Beilage. Ein Kalender für drei Magazine zusammen hat eine höhere Auflage als drei Kalender für drei verschiedene Magazine - das steigert wiederum die Attraktivität für Werbetreibende. 
Jeder Print-Titel muss heute schauen, wo er bleibt und ich habe viel Verständnis für wirtschaftliches Denken bei den Verlagen, aber ein so liebloser Cash-Grab wie diese Mini-Postille ist eher kontraproduktiv. Gerade eine so leidenschaftliche Szene wie jene, die man im Heavy Metal findet, merkt wenn sie an der Nase herum führen will. Es gibt bestimmt Leser, die sich über diesen bunten Blumenstrauß an Event-Empfehlungen freuen, ich denke allerdings, dass die Mehrheit der Metalheads auch ohne Informationen über das Black-Music-Mekka Summerjam oder die elektronische Isle Of Summer leben kann. 
In diesem Sinne: Stellt euch gegen billige Kommerzialisierung und unterstützt jene, die mit Herzblut bei der Sache sind.


[Adrian]

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