Montag, 14. Mai 2018

Reingehört: Zornestrieb "Schattenwelt"

Black Metal, Black Metal und nochmals Black Metal! Ja, ich weiß unsere Auswahl wirkt im Moment etwas mono-thematisch. Allerdings passiert derzeit so viel in der schwarzmetallischen Underground-Szene, dass ich permanent auf interessante, aktuelle Releases stoße. ZORNESTRIEB und ihr neue EP "Schattenwelt" gehören auch dieser Riege von Erscheinungen an und präsentieren mit dieser Scheibe ihre erste Veröffentlichung seit der 2010er Demo "Kalter Zeiten Ewigkeit".
Ich gebe zu, dass ich beim Lesen des Promo- beziehungsweise Bandnamens
zuerst mit der Stirn gerunzelt habe. ZORNESTRIEB in Verbindung mit der Bezeichnung "Schattenwelt" klingt verdächtig nach Dark Metal, gerade dann wenn die betreffende Kapelle aus dem Heimat-Bundesland von EISREGEN stammt. Zum Glück hat Trio aus Gräfenroda nicht  besonders viel mit dem "Tod aus Thüringen" gemeinsam. Im Gegenteil, nach gefälligen Melodien oder gotischen Geklimper sucht man hier (zum Glück) vergebens. Die Mitteldeutschen spielen einen sehr klassischen Black Metal, wie man ihn auch schon Ende der Neunziger in Deutschland hören konnte. Das drückt sich in den rotzigen Screams und vor allem der satten Klangwand aus, die von Sekunde eins an dem Hörer ins Gesicht knallt und trotz aller Härte eine erhabene Melodik besitzt, die unheimlich hypnotisch wirkt. Passenderweise ist der Song 'Vollkommenheit' ein sehr gutes Beispiel für diese stilistische Mechanik. Wo hingegen der abschließende Titeltrack vor allem kaskadische Atmo-Metaller zufriedenstellen dürfte. Hier hagelt es nämlich intensive Riffs und dichte Rhythmen, die mit über neuneinhalb Minuten mehr Platz auf der EP einnehmen als die anderen beiden Songs zusammen.

Insgesamt ist "Schattenwelt" ein mehr als erfreuliches Lebenszeichen von einer Band, die sich nicht noch einmal solange mit einem neuen Release Zeit lassen sollte. ZORNESTRIEB spielen eine herrlich traditionelle Kante, die nichts wirklich neu macht, aber den Geist der späten Neunziger und frühen 2000er sehr gut einfängt. Sowohl Freunde moderner Atmosphäriker und als auch orthodoxe Puristen sollten in dieses (Mini-)Album reinhören. Mit diesem Release kann kein Schwarzmetaller per se etwas falsch machen.
Jeder, der das Teil nun besitzen will kann es seit 28. März 2018 digital für drei Euro bei Bandcamp laden oder als phyische CD bei Winterwolf Records bestellen. 

[Adrian]

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