Samstag, 3. Februar 2018

CD-Review: Kadaverficker "KFFM 931.8"

Endlich ist es da! Nach dem 2015er Album "Nekrokore Is Love" ist nun die dritte Scheibe von KADAVERFICKER erschienen.  "KFFM 931.8" liegt seit Januar der Szene vor und wurde bereits mit einer zünftigen Release-Party im Dortmunder Blackend bedacht, wie man eindrucksvoll auf dem YouTube-Channel vom Bandchef Goreminister sehen kann.
Aber was taugt denn nun der neuste Release der Ficker? Ist es ein ernst zunehmender Extreme-Metal-Dreher oder ein albernes Ekel-Grind-Gewichse? Persönlich würde ich beide Annahmen verneinen. Denn
KADAVERFICKER ist 2018 weder eine bitterernste Prügeltruppe noch ein pubertärer Karnevalsverein. Die meisten Kompositionen leben zwar vom schrägen Humor der Band, aber dennoch wird die Musik an sich sehr Ernst genommen. Ein Unterschied, der die Dortmunder von weiten Teilen der Szene abgrenzt. Ein ebenso wichtiges Alleinstellungsmerkmal ist die Wandelbarkeit der Kapelle. Während man nämlich im ersten Augenblick an lupenreinen Grindcore denkt, entdeckt man besonders auf dem aktuellen Machwerk viele unterschiedliche Facetten. 'Yolocaust' ist  erstklassiger Death Metal, während 'Stuhlgewitter' eine herrliche Crust-Offensive sowie eine antifaschistische RAC-Parodie darstellt. Das Interlude 'The Fantastic Deceased And Where To Find Them' wiederum offenbart dezente Black-Metal-Referenzen - demgegenüber stehen Mitmach-Beatdown-Hymen wie 'You Dislike... We Destroy', das quasi Pop-Cover 'Hier kommen die Ficker' oder das  heftig punkige 'Rocking Metal Motherfucker'. In Gänze gibt es noch viel mehr Einwürfe - Alle Einflüsse und stilistischen Details aufzuzählen würde allerdings den Rahmen sprengen. Es gibt nicht viele Bands, die auf einem Album eine so große musikalische Bandbreite bieten können ohne zusammenhangslos zu wirken. Trashige bis bekloppte Samples sowie das nekrophile Untotenkonzept bilden den Mörtel dieser kauzigen Kaffeefahrt durch die
Zombie-Apokalypse. Natürlich zündet am Ende des Tages nicht jeder Song - aber bei der angesprochenen Variabilität ist es auch unmöglich alle Fraktionen zu 100% zufrieden zu stellen, dennoch überwiegt für mich persönlich die Genialität gegenüber der Banalität. 
In der Summe ist "KFFM 931.8" ein großartiges Album geworden. KADAVERFICKER ist 2018 in seinem bisher stärksten Jahr angekommen und mischt mit diesem Album den Untergrund mal so richtig auf. Die NRW-Extremisten legen die Messlatte sehr hoch was Abwechselung und Kreativität angeht, woran andere Bands erst einmal vorbei müssen. Hier gibt es keine Kompromisse und genauso wie den Goreminister selbst liebt man diese Scheibe entweder mit ganzem Herzen oder verachtet sie auf Schärfste. In jedem Fall wird sie bei jedem Hörer Emotionen auslösen und das ist es doch worum es im Kern bei Musik gehen sollte.
Seit 8. Januar kann man das Teil unter anderem bei Rotten Roll Rex abgreifen.

8,5 von 10 Punkten

[Adrian]

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