Sonntag, 5. November 2017

Reingehört: Jucifer "District Of Dystopia"

Vor einigen Wochen habe ich das Abrisskommando JUCIFER live bestaunen  dürfen. Ich kannte das amerikanische Musiker-Ehepaar zuvor nicht, aber wurde direkt von ihrem kompromisslosen Trümmer-Sound eingefangen. Die Punk-Location Klapperfeld in Frankfurt, wo der Gig stattfand, hat perfekt zur rotzigen Atmosphäre gepasst, die Amber Valentine und Edgar Livengood versprühen. Leider war die Technik beziehungsweise derjenige, der sie bedienen sollte nicht ganz auf der Höhe, weswegen zum Beispiel keinerlei Vocals zu hören waren.  Schade, aber zum Glück gab es vor Ort auch Platten der Band zu erwerben und ich habe mir direkt eine Kopie von "District Of Dystopia" geschnappt, die ich heute vorstellen möchte.
Die Aufmachung der CD-Version ist rustikal - ein naturbelassener Pappschuber, auf den man mit Edding den Titel des Release geschrieben hat. Auf der Rückseite findet sich noch eine Nummerierung (die eine Limitierung auf 100
Stück verrät) sowie ein Aufkleber des Bandlogos. Weitere Infos zu Tracklist, Bandfotos oder ähnliches sucht man vergebens. Hierfür muss man schon ins Internet gehen - dort erfährt man die Namen der neun Titel, die es auf rund 25 Minuten Spielzeit bringen, und dass die beide Musikanten bereits seit 24 Jahren gemeinsam unterwegs sind - optisch sieht man dies dem Duo übrigens nicht an. Musikalisch bewegt man sich irgendwo zwischen Sludge, Crustcore, Death und Black Metal. Amber schreit die meiste Zeit über wütend und völlig irre ins Mikrofon, so dass selbst der Leibhaftige die Kontrolle über seine Blase verlieren dürfte. Die Gitarre wiederum wird durch eine Distortion-Hölle gejagt und erscheint geradezu omnipräsent drückend. Das Schlagzeug scheppert in natürlichster Art und Weise - hält sich aber die meiste Zeit über dezent im Hintergrund. Oder anders gesagt: die Stimmung dieser Platte entspricht einem Brandbombenhagel über einem Minenfeld, auf dem Fässer mit Napalm gestapelt sind. Es gibt nur wenige Möglichkeiten zu verschnaufen, aber wenn man einen Gang raus nimmt, dann kommt die doomige Seite des Kommandos herrlich zur Geltung und wirkt geradezu hypnotisch auf die eigene Wahrnehmung.

Insgesamt ist es schwer dieser Art von Musik gerecht zu werden. Denn das Konzept ist darauf ausgelegt unbequem und schrullig zu sein. In sich ist die Band JUCIFER stimmig und ein Gesamtkunstwerk. Das siebte Album "District Of Dystopia" ist ein würdiger Teil dieses Lebenswerks und reflektiert wunderbar die Noise-erfüllte Seele des US-Duos. Selbst gibt das Paar übrigens an durchgehend auf Tour zu sein und quasi auf der Straße zu leben. Wenn ihr also die Chance habt JUCIFER live zu erleben, lasst die Gelegenheit nicht verstreichen. Egal ob ihr auf BEHERIT, ROTTEN SOUND oder WEEDEATER steht, dieser Act sollte euch auch gefallen. Aber Vorsicht, das ist kein Easy-Listening und wer es glatt-gebügelt mag, sollte lieber daheim bleiben.
Bereits seit 05.12.2014 gibt es diesen Brecher beim Band-eigenen Label Normadic Fortress abzugreifen.

[Adrian]

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