Montag, 3. Oktober 2016

CD-Review: Incarceration "Catharsis"

Endlich! Es ist da! Das Debütalbum der brasilianisch-deutschen Kooperation INCARCERATION! Gestartet wurde dieses Abrissunternehmen von Sänger und Gitarrist Daniel Silva bereits 2010 in seiner Heimat Brasilien. Nach seinem Umzug nach Deutschland wurde das Projekt international und legte mit "Decrepit Aberration" und "Sacrifice" gleich zwei fette Demos vor, die die Vorfreude auf einen Full-Length-Release bei mir ins unermessliche gesteigert haben. Nun erscheint diesen Monat das erste Album "Catharsis" und ist schon vorab ein heißer Anwärter auf den Titel Album des Jahres.
Schon der musikalische Einstieg des Longplayers lässt keine Zweifel aufkommen, dass das Trio keine Probleme haben wird diesen Vorschusslorbeeren gerecht zu werden. Denn wie auch schon auf der letzten EP walzen bereits die ersten drei Tracks alles platt, was sich nicht schnell genug in Sicherheit bringen kann. Die Riffs klingen wie das Sperrfeuer von einer Millionen Kalaschnikows, während die Drums unheilvoll und angepisst die Felle glühen
lassen. Die Stimme von Daniel wiederum ist Geschmackssache - ich persönlich feier seine geisteskranken Schreie am Rande des Wahnsinns jede Sekunde lang, weiß aber auch, dass nicht jeder Extreme-Metaller direkt mit seinen  Screams warm wird. Kritikern würde ich deswegen raten, sich die Zeit zu nehmen, um sich einzuhören, denn dieser Release ist nichts weniger als ein verfluchtes Meisterwerk - die Energie und die Urgewalt suchen in der Szene aktuell ihresgleichen. Die Bremse haut man dabei nur selten rein und so kann man das erste Mal wirklich bei 'Purification' (einem 93-sekündigen Interlude) verschnaufen - bevor die ruhigen instrumentalen Klänge wiederum von einem massiven Bombenhagel namens 'Obsessed by Death' pulverisiert werden. Nachdem auch 'Nevering Agony' keine Gefangenen macht und im Blitzkrieg-Tempo durch seine knapp vier Minuten Spielzeit jagt, bedarf es einem weiteren instrumentalen Zwischenspiel, um einer möglichen Herzattacke beim Hörer vorzubeugen. 'Resignation' ist die ein-minütige Ruhe vor dem dunklen Sturm, der auf den Namen 'Into The Blackest Void' hört. In diesem Song nehmen sich die Hamburger knapp zweieinhalb Minuten Zeit, um eine schwere und morbide Stimmung zu erzeugen, bevor die tödliche Walze so richtig ans Laufen gebracht wird. Wenn man unbedingt einen Vergleich ziehen möchte, dann ist dieser finale Rausschmeißer das 'The Rack' von INCARCERATION. 

Überhaupt ist ASPHYX noch die geeignetste Referenz, die man zur Beschreibung dieser Truppe heranziehen kann. Abgedrehte Schreie und Kettensägen-artiges Riffing sind Disziplinen, in denen nämlich beide Kapellen überzeugen können. Allerdings gehen der Brasilianer und seine deutschen Kollegen noch ein paar Schritte weiter und brutalisieren dieses Konzept bis auf die Spitze. INCARCERATION ist der frische Wind (oder besser gesagt Orkan), den der Old-School Death Metal gerade bitter braucht. Sie klingen eigenständig und schaffen auf "Catharsis" den Spagat zwischen hemmungsloser Aggressivität und friedhöflicher Weltuntergangsstimmung. Die Vocals polarisieren - aber das ist gut so! Denn es ist genau dieses mutige Abweichen von der Norm, das dem traditionellen Todesstahl in letzter Zeit gefehlt hat. Auch deswegen ist für mich persönlich "Catharsis" die bisher beste Scheibe, die 2016 erschienen ist. Alles außer der Höchstpunktzahl wäre daher als Wertung  auch nicht zu vertreten und jeder, der auch nur entfernt etwas mit Death Metal anfangen kann, sollte sich 30 Minuten Zeit nehmen um diesen Dreher wenigstens einmal durchlaufen zu lassen. Diese Platte hat das Zeug dazu eure Einstellung zum gesamten Extreme-Metal-Genre zu verändern!

10 von 10 Punkten 

[Adrian]

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