Freitag, 27. Mai 2016

CD-Review: Electric Shock "Burn Out"

Yes! Der klassische Heavy Metal ist zurück und präsentiert sich so stark wie seit Jahren nicht mehr. Vielversprechende Bands erscheinen auf der Bildfläche und begeistern einerseits Alt-Rocker, die sich wieder an die frühen 80er erinnert fühlen und erreichen andererseits eine neue und junge Generation, die vielleicht gerade erst Bekanntschaft mit Truppen wie DEF LEPPARD oder SAXON macht. ELECTRIC SHOCK sind so eine Formation. Sie durchstreifen seit knapp fünf Jahren ihre französische Heimat, bespielen die lokalen Bühnen und haben sich selbige auch schon mit größeren Namen wie METAL INQUISATOR und HÜRLEMENT geteilt. Seit kurzem ist auch ihre neue EP "Burn Out" auf dem Markt und bietet knapp 22 Minuten Spielzeit, die auf sechs knackige Tracks verteilt wurde.
Die Bilder auf der Facebook-Seite des Fünfers versprechen dem ersten Eindruck
nach nicht zu viel. Die Musiker lieben Kutten, Bier und klassischen Metal. Mit Song-Titeln wie 'Too Loud Ain't Loud Enough', 'Play It Rock'N'Roll' oder 'Beer Ritual' beweisen sie Authentizität und haben auch die passenden Kampfnamen zur Hand. So hört zum Beispiel der Frontmann auf den klangvollen Titel Alkoholik Desekrator, während  Dav' Thunderfukk am "infernalischen Bass" hängt und gleichzeitig die Rolle des "Sex Perverser" übernimmt. Das ist leicht kauzig und führt bei so manchen Metalheads zu akutem Augenrollen, aber musikalisch liefert man ebenfalls eine originalgetreue Hommage ab. Die frühen Achtziger sind hier mehr als nur lebendig, sie sind omnipräsent. So finden sich immer wieder kleine Querverweise zu AC/DC (die Klampfer Little Angus versteckt haben dürfte), kraftvolle und erhaben-singende Riffs im Stile der NWoBHM (vor allem Maiden lassen grüßen) und einer Stimme, die Höhen erreicht, die wiederum Eric Adams von MANOWAR seit Jahren nicht mehr geschafft hat. Dafür hapert es aber leider an der Aussprache mancher englischer Worte. So wird aus dem Refrain des gleichnamigen Songs 'Beer Ritual' etwas, was nach 'Bie ritó' klingt und aus 'Heavy Metal Resistance' wird 'Heavy Metal Resistenz'. Würden diese Fehler in den Refrains nicht so prominent wiederholt werden, wäre das nicht so schlimm, allerdings wirkt das in der vorliegenden Fassung (unfreiwillig) komisch. Dass eine große Karriere aber auch ohne Oxford Englisch gelingen kann, haben ja in der Vergangenheit zum Beispiel die SCORPIONS bewiesen. Deswegen würde ich den Finger hier nicht zu tief in die Wunde legen.

Alles in allem ist nämlich eine ganz klare Empfehlung für "Burn Out" auszusprechen. ELECTRIC SHOCK schreibt klare und unterhaltsame Lieder, die vor allem für Bühne gemacht sind. Schnell bleibt die Melodie im Ohr kleben und noch während des ersten Durchlaufs kann man den Text bereits mit-grölen. Die Gitarren sind technisch auf einem sehr guten Niveau und stimmlich läuft die Maschine ebenfalls wie geölt. Wenn ihr also noch einen Soundtrack für eure Fahrt zum Bang Your Head Festival sucht, dann schnappt euch "Burn Out" und ihr werdet auf eure Kosten kommen.

7,5 von 10 Punkten

[Adrian]

Keine Kommentare:

Kommentar posten