Donnerstag, 19. November 2015

Song Of The Day: Blakylle 'Windmal'

Heidentum, Wikinger und nordische Mythen gemischt mit extremen Metal ist ein Konzept, das während der letzten Dekade erschöpfend ausgeschlachtet wurde. Auf einmal waren überall archaische Krieger mit Fellen und Rüstungen, die über alte Riten und Heldensagen sangen. Wie jeder Trend endete auch dieser Hype in einer Kakophonie aus billigen Plagiaten und weich-gespülten Trittbrettfahrern, die auf diesen Zug aufspringen wollten. Heute gibt es nur noch wenige Bands aus dieser Ära, die noch immer für Aufsehen sorgen können und viele alte Truppen haben ihre stilistischen Grenzen inzwischen aufgeweicht beziehungsweise verfolgen das Pagan-Thema nur noch rudimentär. Da ist es heute eigentlich schon wieder aufregend nach den Wurzeln der Bewegung zu suchen und die Tugenden der Anfangszeit wiederzubeleben, die im Laufe der Jahre verloren gegangen sind. Eine neue Band aus Ostfiesland versucht sich daran. BLAKYLLE aus Leer hat derzeit zwei Demo-Aufnahmen veröffentlicht, die in mir tatsächlich wieder Interesse an Pagan (Black ) Metal wecken. 
Aktuell kann man sich auf der Soundcloud-Seite der Truppe zwei Lieder
anhören, die beide durchaus verheißungsvoll klingen. 'Windmal' und 'Wo uralte Wasser fließen' sind zwei stimmungsvolle Lieder, die mit einem deutlichen Schwarzmetall- und Todesblei-Anteil weniger die Methorn-Party-Fraktion und stärker die ernsthaften Asenjünger ansprechen. Allerdings sind die Texte anders als im brutalen Metal üblich trotz amtlicher Grunts und Growls recht gut zu verstehen und offenbaren so ihren heidnischen Bezug, der ähnlich Ernst genommen wird wie es bei MINAS MORGUL und VARG es in grauer Vorzeit auch mal der Fall war.
Das hervorstechende Herzstück dieser beiden Songs ist in meinen Augen das Gitarrenspiel, das immer genau die richtige Atmosphäre zu erzeugen weiß und von der black-metallischen Erfahrung des Klampfers Nimrod (von der hessischen Band KREW) profitiert. Die meiste Zeit bewegen die Titel im Mid-Tempo und vor allem das Drumming verzichtet hyper-schnelle Blasts. Das stellt allerdings kein Problem dar, sondern macht die beiden Titel angenehm verdaulich. 
Der Einstand ist den Nordlichtern gut gelungen. Auch wenn Pagan Metal ein inzwischen nur noch belächeltes Genre ist, schaffen sie es der Schublade neue Frische zu verleihen, indem sie sich ironischerweise völlig anachronistisch an den Ursprüngen der Szene orientieren. Mir gefällt ihr Stil und ich bin gespannt, was die Herren in Zukunft noch so fabrizieren werden. Sollte ich einen von beiden Titeln den Vorzug geben müssen, so wäre 'Windmal' mein Favorit, das mit jedem Durchlauf wächst und seine Vielschichtigkeit nicht sofort offenbart, was den Reiz des Tracks ausmacht. 
Fazit: Reinhören bei BLAKYLLE lohnt sich in jedem Fall. Denn es ist es mal wieder Zeit für guten, ernsten Pagan Metal.

[Adrian]

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