Samstag, 20. Juni 2015

Live-Review: Heavy Days in Doomtown (Part III)

Nach Teil 1 und 2 kommt heute der dritte Teil von unserer ausführlichen Nachlese zum Thema Heavy Days in Doomtown. Sunny und Nezyrael haben sich am dritten Festivaltag auch mit dem cineastischen Rahmenprogramm des dänischen Underground-Festivals befasst.

Samstag:
Exkurs Virus Cinema: THE DEVIL RIDES OUT (1968) Für alle Freunde furchtbarer Filme oder all diejenigen die sich einfach noch nicht wach genug für die nächste Dosis musikalischen Bleis fühlen, bietet das Heavy Days einen kleinen Exkurs an: Jeden Tag gibt es mehrere Filme im Hauseigenen Kino zu sehen. Vielleicht ist Kino nicht das richtige Wort. Eigentlich mehr Saal. Naja, Raum. Vielleicht auch Abstellkammer. Im anliegenden Gebäude findet sich für die Besucher ein kleiner Seminarraum mit etwa 15 Stühlen, einem Beamer und ziemlich kratzigen Boxen zum Betrachten einiger Klassiker, manche trashig, manche einfach nur schräg.

Um ehrlich zu sein enttäuscht das Kino gewaltig. Hat man sich doch zuvor ein gemeinsames Bier trinken und rumgrölen vor furchtbaren Kinosünden vorgestellt, erwartet einen hier ein totenstiller Raum voller gelangweilter Leute. Wenn auch nur einer vor sich hinmurmelt kann der Rest nichts verstehen, also herrscht eisiges Schweigen, alle 20 Minuten mal von leichtem Gelächter aufgelockert, welches aber nie lang anhält. Der erste gezeigte Film mag damit auch zusammenhängen. THE DEVIL RIDES OUT aus dem Jahre 1968 weiß mit Filmikone Christopher Lee (mittlerweile leider verstorben) im Kampf gegen einen satanischen Kult zu prahlen, was leider sehr viel besser klingt als es wirklich ist. Abgesehen von drei bis vier unterhaltsamen Szenen und interessanter okkulter Kulisse ist der Film vor allem eines: langsam. Die Atmosphäre im Raum trägt zum Erhalten des Interesses leider nicht allzu stark bei und so bleibt es bei einem einzigen Besuch des Kinos unsererseits. Schade eigentlich, denn die Idee ist eigentlich keine schlechte, aber an der Durchführung sollte eindeutig gefeilt werden. Ein Raum in den mehr als 20 Leute passen wäre zum Beispiel schon mal ein guter Anfang.

[Sunny] 

Den Anfang heute bildeten die Dänen von REEFER, eine mir vor dem Festival völlig unbekannte Band. Umso gespannter war ich dann, was die Herren so zu bieten hatten. Leider war das Dödsmaskinen aufgrund der etwas verspäteten Ankunft durch die Filmsichtung schon wieder sehr gefüllt, so dass ich hinten wenig sehen konnte, aber zumindest der Sound hat mir sehr gut gefallen. Der rohe, dreckige Sludge der Dänen war genau das richtige, um noch leicht verkatert in den Tag zu starten und entspannt die ersten Konterbiere zu genießen. Nach 35 Minuten war der Spaß dann auch schon wieder vorbei, angenehm anzuhören, aber wirklich viel hängen geblieben ist auch nicht. 

[Nezyrael] 

GUEVNNA ist  schräg. Und definitive Außenseiter auf dem HDIDT. Als Band mit
wohl der größten Anreisestrecke wird von den Jungs aus Japan einiges erwartet, aber zuvor weiß keiner so wirklich was jetzt eigentlich. Mit einer Beschreibung in der Broschüre die diese als "Stoner Disco" oder "Groove Sludge" vorstellt kann niemand ernsthaft etwas anfangen. Im Nachhinein ist es auch etwas unverständlich warum genau sie sich so vorstellen ließen, denn GUEVNNA bietet sehr groovigen, aber doch relativ klassisch schwerwiegenden Doom. Zugegeben, einige eher unkonventionelle Ausbrüche mag man ihnen zugestehen: aber Disco? Genug über die Vorstellung, wichtig ist schließlich das Resultat und das weiß zu überzeugen. Etwas nervös, aber mit deutlichem Spielspaß bewegen sich die Japaner über die Tonleiter und auch das Publikum wird recht schnell mit diesen warm. Als einer der ersten Bands dieses Tages fühlen sich die Jungs vielleicht etwas verheizt, allerdings muss man sich als relativ unbekannte Größe in der Gesellschaft schließlich auch noch etwas etablieren. Den Leuten gefällt es jedenfalls; Gitarre und Bass sind heavy, das Schlagzeug langsam, der Gesang kratzt; eigentlich alles super. Nur irgendwie fehlt etwas der Kick. Vielleicht lag es auch einfach an der hoch angesetzten Vorstellung die man sich zuvor gemacht hatte. 

[Sunny]

Die Damen von SATURNINE bilden dann fast schon ein kleines Kuriosum, denn All-Female-Doom-Bands gibt es nun wirklich nicht wie Sand am Meer. Macht aber natürlich gar nichts, denn die Stimme der Dame am Mikrophon klingt wie ein offenes Tor zur Hölle, zu Anfang wollte ich kaum glauben dass da wirklich eine Frau singt. Insgesamt ist der Sound der Damen ein wenig melodischer und rockiger als das, was die meisten anderen Bands so auf die Bühne bringen, wenn auch natürlich deutlich doomiger als beispielsweise CASTLE. Leider war das Dodsmaskinen mal wieder mehr als voll, so dass ich nicht wirklich viel erkennen konnte was auf und vor der Bühne los war, aber glücklicherweise ist der Sound direkt vor der Bar gut genug gewesen, um draußen entspannt was zu trinken und trotzdem den guten Songs zuhören zu können. 

[Nezyrael] 

Mit MIRROR OF DECEPTION möchten die Veranstalter mal wieder wenigstens etwas Bewegung in die Gemeinschaft bringen. So viel Doom schon am Mittag
schlägt schließlich auf den Bierkonsum. Die dargebotenen Songs vereinen etwas schwerfälligen Doom Rock mit einer netten Komponente Psychedelic und machen damit auch eine ganz gute Figur auf der Bühne. Definitiv noch groovig, allerdings weniger heavy. Leider auch etwas uninteressant. Gerade die Stimme von Sänger Michael weiß zumindest dort nicht wirklich zu begeistern. Sobald der zweistimmige Gesang hinzukommt wird die Sache zwar wieder interessanter, allerdings sollte der Fokus eindeutig mehr auf der Musik liegen. Zum Glück ist das hier ja auch der Fall. Gerade einige der Gitarrenparts sind sehr entspannt melodiös und die Band profitiert definitiv davon sich mit zwei Gitarristen bewaffnet zu haben, im Gegensatz zu manch anderem Vertreter. Aber insgesamt kann MIRROR OF DECEPTION nicht so wirklich begeistern. Zwar ist die Musik zumindest überdurchschnittlich und zu jeder anderen Gelegenheit vielleicht auch extra erwähnenswert gewesen, aber hier verblasst sie etwas im Vergleich zur Konkurrenz. Guter Lückenfüller, aber mehr auch erstmals nicht. 

[Sunny] 

Als ich beim Schreiben dieses Berichts bei den Italienern von EPITAPH angelangt war fiel mir als allererstes ein, dass Sänger Emilano Band das vielleicht schrägste Posing ablieferte, das ich jemals gesehen habe. Nicht nur schien sein Blick durch alle hindurch zu schauen, sondern vor allem sein ständiges ewig gleiches Streichen durch seinen Bart hat mich schon während des Auftritts mächtig beschäftigt und irritiert. Wenn das sein Ziel war, herzlichen Glückwunsch.

Aber ich will den Herren aus Verona nicht unrecht tun und nur von diesem relativ unwichtigen Detail schwadronieren, denn ansonsten lieferte Herr Cioffi eine tolle Schau voller Theatralik ab und auch war auch stimmlich sehr gut drauf. Auch musikalisch war der Auftritt wirklich große Klasse. Der stets etwas schräge und knarzige Sound der Südeuropäer kam wirklich prächtig zur Geltung, und dass die vier Männer tolle Songs schreiben können, ist spätestens seit der "Crawling Out Of The Crypt" jedem ein Begriff. Mit dieser Platte kam nach 27 Jahren nämlich endlich mal ein komplettes Album der Herren aus Veneto auf den Markt kam. Wirklich ein sehr gelungener Auftritt. 

[Nezyrael] 

Die nächste Band walzt mit mächtigem Repertoire auf. Erst einmal sind sich die nicht eingeweihten uneinig; was soll man davon halten? SERPENT THRONE schummelt sich mit einem wilden Mix durch alle möglichen Stilrichtungen ohne wirklich an einer hängen zu bleiben. Klar, doomig sind diese allemal, sofern sie denn wollen, aber auch treibende Schwermetallriffs oder sanfte Passagen samt zweistimmigen Gitarren lassen sich auftreiben. Kein Wunder, dass die Band nicht auf der kleinen Bühne versteckt wird.

Wundern muss man sich bei dem wilden Stilmix trotzdem. Jedenfalls klingt das Gemisch gut, sogar mehr noch, darüber sind sich wohl alle einig. Gerade die Abwesenheit von Gesang lässt hier die ohnehin starken Kompositionen noch einmal zum Vorschein treten. Auch der Sound ist hier recht ordentlich, dafür macht das Licht ab und an Probleme; zwischendurch muss sich immer mal wieder jemand bei der Beleuchtung beschweren man könne nicht im dunklen spielen. Sei's drum, der Auftritt war jedenfalls stark, groovig und setzt den Trend eines abwechslungsreichen Line-Ups fort. Da darf nicht gemeckert werden. 

[Sunny] 

Gleich zu Beginn sticht HEAD OF THE DEMON etwas raus. Klar, sie sind auch prädestiniert zum Kopfwackeln, aber wo die meisten anderen Bands auf schwere, lange Riffs setzen stehen bei diesem schwedischen Geschwader vor allem rockige Rhythmen auf der Speisekarte. Auch der recht aggressive Gesang lässt mehr auf eine schwarzmetallische Vergangenheit schließen. Das Riffing schließt sich diesem an; Zwar rockig, aber doch immer wieder von melodiösen Disharmonien geprägt. Kerzen auf der Bühne und die vom Ort gestellte Schädelkette über der Menge runden das Feeling irgendwie ab.

Die ganze Band geht eindeutig mehr in die brutale Richtung anstelle sich auf die Schwere zu fokussieren und das ist zu diesem Zeitpunkt definitiv einen Applaus wert. Ewig gleichwährender Groove drückt auf Stimmung sowie Nackenmuskulatur und kurzzeitige Aggression kann dabei einfach mal nicht schaden. Überhaupt erinnert die ganze Chose etwas an langsame DARKTHRONE-Songs a la 'Quintessence', zumindest wenn nicht zu viel an den Gitarren gefummelt wird. Glücklicherweise wurde auch hier auf den Hall verzichtet den die Band so gern auf ihre Gesangsspuren legt. Passend und doch anders; immer wieder gern. 

[Sunny] 

In der Blüte des Abends standen dann die Briten von CONAN auf der Bühne und lieferten den ziemlicher Sicherheit wuchtigsten Auftritt des Festivals ab. Eine derartige Wall Of Sound vermochte zumindest keine andere Band zu kreieren. Nicht nur war es ziemlich laut in der Halle, der Sound schien mir auch einfach kompakter und drückender als bei anderen Bands zu sein. Ich habe zwar keine bisherige Live-Erfahrung mit der Band, aber von dem was ich von anderen gehört hatte schien es geradezu eine Uptempo-Show der Band gewesen zu sein, was natürlich seinen Teil zu der massiven Intensität beitrug. CONAN ist nicht unbedingt eine Band die häufig bei mir daheim läuft, da man sich sehr bewusst auf die Musik einlassen kann, aber das Live-Erlebnis ist doch etwas sehr besonderes. 

[Nezyrael] 

PROFETUS spielt langsaaaaaaam und schweeer. Die Augen werden so schweeer.
Bis zum nächsten Fingerschnippen wäre ich wahrscheinlich für jede Suggestion bereit gewesen. Aber das kommt zum Glück nicht. Wahrscheinlich war das auch der intendierte Effekt, denn hier herrscht drückende Atmosphäre, rigoros durchgesetzt durch eine mächtige mehrstimmige Gitarren-Soundwand. Zusammen mit der umfassenden Dunkelheit, bei der man sich ernsthaft fragen muss wie überhaupt noch jemand auf der Bühne irgendwas sehen kann (stellt euch mal nicht so an und lernt was von dieser Band hier SERPENT THRONE) gerät jeder ins leichte taumeln. Abgesehen davon ist die ganze Geschichte allerdings recht unspektakulär. Wenn man mal wieder die Augen aufmacht hat sich nicht viel geändert. Die Musik ist allerdings gut, wenn auch recht unspektakulär. Melodisch, langsam, nett, guter alter Funeral Doom eben. Ein Verpassen wäre kein Grund sich zu ärgern, aber kann man gern mal mitnehmen. 

[Sunny] 

Die letzte Band des Samstags war dann BONGZILLA, die auch noch etwas verspätet auf die Bühne kamen. Da der Großteil des Publikums mittlerweile aber sowieso ziemlich betrunken und/oder stoned war, tat das der Stimmung keinen großen Abbruch und als es dann losging wurde man auch durch eine tolle Show entschädigt. Neben DOPETHRONE war BONGZILLA, die einzige Band, die auf der Bühne geraucht hat soweit ich weiß, Frontmann Mike sogar ganz stilvoll mit Pfeife. Die Songs waren durchwegs extrem heavy und vor allem der Schlagzeuger nahm eine dominante Rolle im Soundgefüge ein und bestimmte wo es langging, während die Gitarren ihre Stoner-Riffs in die Menge feuerten. Sehr starker Abschluss des Samstags. Den Abschluss des Samstags bildete dann das berühmt-berüchtigte Metal Karaoke, bei dem einer der beiden an diesem Bericht beteiligten es sich dann auch nicht nehmen lassen konnte, 'Don't Fear The Reaper' von BLUE ÖYSTER CULT zu performen. Allgemein war die Stimmung sehr gut, 

bis drei Südamerikaner mit ihrer Interpretation von 'Turbo Lover' den AMP zum abrauchen brachten, was der Party ein leider vorschnelles Ende bescherte, da wir nach zehn Minuten Warterei uns doch nach dem langen Tag auf den Heimweg machten. 

[Nezyrael]

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