Dienstag, 28. Oktober 2014

CD-Review: Deserted Fear "Kingdom Of Worms"


Wenn ich eines so gar nicht leiden kann, dann ist es die Verbreitung von Hypes. Gerade die Printzeitschriften sind gut darin Bands ins Rampenlicht zu zerren und über Monate hinweg ihre Berichterstattung nur um diese Gruppe kreisen zu lassen. THE DEVIL'S BLOOD, ALCHEMYST und (aktuell) BÖLZER gehören zu diesem Zirkel, der sich vor allem durch viel Image und wenig musikalische Substanz auszeichnet. Im Vorfeld des Releases von "Kingdom Of Worms", ist eine ähnlich große Hysterie um die Ostdeutschen von DESERTED FEAR ausgebrochen. Von manchem Unterstützer werden sie bereits überschwänglich als die beste Todesbleitruppe der Welt gehandelt, aber erfüllt die Langrille auch das, was allerorts vollmundig proklamiert wird?
Der Longplayer startet mit einem epischen Intro, das dieses Werk erhaben
einleitet. Soweit so gut. 'Forging Delusions' beginnt schnell und treibend, während der Beat satt und eingängig aus den Boxen dröhnt. Mit diesem Rezept geht es dann auch erst einmal weiter und mit 'Call Me Your God' wird ein erstes Ausrufezeichen gesetzt, das mit einem Mitgröhl-Chorus und Presslufthammer-Beat im Gedächtnis bleibt. Stilistisch ist das Album gar nicht mal so leicht einzuordnen. Es finden sich englische Elemente wieder, die an die brachiale Soundwand von BENEDICTION erinnern, während das pfeilschnelle Groove-Geratter Parallelen zu niederländischen Referenzen zieht. Eingestreut ist aber stets eine Menge Melodie, die das Ganze zugänglicher macht. So werden bei einem Titel wie 'The Agony' Erinnerungen an AT THE GATES wach und klare Querverweise zur ganz frühen Göteborg-Szene werden ebenfalls offensichtlich. Keine Angst, Melo-Death ist es deswegen natürlich nicht, aber in die Schublade des reinrassigen Old-School Death Metals passen die vier Thüringer so langsam auch nicht mehr.
Insgesamt läuft das Songmaterial recht gut den Gehörgang entlang, aber ganz ohne Längen kommt auch dieser Dreher nicht aus. Gerade im letzten Drittel schleichen sich leichte Abnutzungen ein und die ratternde Gitarrengrundierung verliert etwas an Spannung. Die melodischen Riff-Ausflüge holen zwar immer wieder eine Menge raus, aber letztendlich kann man nicht leugnen, dass gegen Ende der Scheibe gewisse Ermüdungserscheinungen festzustellen sind.
Das ist natürlich Gejammer auf verdammt hohem Niveau, aber wer überall mit Superlativen überschüttet wird, wird mit anderen Ohren begutachtet als die namenlose Garagenband, die ihr erstes Demo veröffentlicht. Alles in allem ist "Kingdom Of Worms" natürlich ein starkes Album, das eine hungrige und spielfreudige Band abbildet.



Mit 'Call Me Your God', 'Wrath On Your Wound' oder 'The Agony' gibt es Titel, die vor allem live wie eine Bombe einschlagen werden, und den Eisenbergern viel Alarm vor der Bühne bescheren werden. Allerdings muss man auch festhalten, dass sie mit einer catchy Rhythmik und haufenweise singenden Gitarren den Zugang für den durchschnittlichen Metaller sehr leicht machen. Ob es teilweise schon zu gefällig ist, muss jeder Old-School-Purist für sich selbst entscheiden. Ich, für meinen Teil, höre mir den zweiten Streich von DESERTED FEAR gerne an, aber würde in meiner Begeisterung nicht so weit gehen wie andere Reviewer und darauf verweisen, dass die FDA-Rekotz-Schützlinge Teil einer insgesamt hochwertigen deutschen Todesstahl-Szene sind, aber nicht darüber stehen oder alleine die Speerspitze bilden. Dafür ist die Qualität in Deutschland einfach zu hoch und "Kingdom Of Worms" ist umgekehrt trotz aller Überhöhung kein musikalisches Jahrhundertwerk, sondern schlichtweg ein sehr gutes Album, das es Wert ist gekauft zu werden. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Seit 24. Oktober kann man das Königreich der Würmer bei FDA Rekotz erwerben.

8 von 10 Punkten

[Adrian]

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