Freitag, 29. August 2014

Reingehört: Morlas Memoria "Follow The Wind"


Man darf durchaus in Frage stellen ob es sich bei "Female-Fronted Metal" um ein eigenes Sub-Genre handelt. Immerhin ist es ja eigentlich etwas sexistisch, dass eine metallische Schublade über das Geschlecht des Vokalisten definiert. Allerdings macht es dieser Begriff wiederum einfach Bands wie AFTER FOREVER oder NIGHTWISH unter einem gemeinsamen Hut zusammen zu fassen. Denn der "Gothic Metal" an sich (der sich ja ursprünglich mal über growlende Bands wie CREMATORY definiert hat) hat sich soweit ausdifferenziert, dass man kaum noch von einem einheitlichen Genre sprechen kann. Lange Rede kurzer Sinn, heute geht es hier um das Debütalbum "Follow The Wind" der sächsischen Metallgoten von MORLAS MEMORIA, das man nach diesem ausführlichen Vorspann "einfach" als "Female-Fronted Gothic Metal" bezeichnen kann.

Die Band macht es einem doch sehr einfach den eigenen Stil zu umreißen.
Denn die Referenzen sind ziemlich eindeutig: Tarja Turunen, NIGHTWISH und ein wenig ELUVEITIE. Allein diese Eckpfeiler definieren den Sound der Dresdner recht umfassend. Es gibt eine Menge Operngesang, bombastische Power-Riffs und vereinzelt auch mal ein wenig Folk-Gedudel (siehe 'Silence'). Sängerin Leandra hat ein schönes Stimmchen (wenn es auch an die Größen des Genres nicht ganz heranreicht) und das Song-Writing geht genauso wie auch die Produktion in Ordnung. Völlig vom Hocker reißen mich die sechs Musikanten aber nicht. Das Material von "Follow The Wind" bewegt sich im Erwartungshorizont und nutzt sich doch recht schnell ab. Wer Alben wie "Wishmaster" oder "After Forever" daheim stehen hat, wird hier nicht unheimlich viel Neues entdecken. Dafür sind die Gitarrenspuren zu eindimensional und das Keyboard zu unkreativ.
Insgesamt ist das Debüt von MORLAS MEMORIA eine ganz nette Angelegenheit und wird vor allem Fans von alten NIGHTWISH-Scheiben die eine oder andere schöne Stunde bescheren, aber wer sich sowie schon schwer tut mit "Female-Fronted Gothic Metal" wird auch hier keinen Spaß haben. Ich persönlich kann auch ohne diese Scheibe leben, aber ich gehöre ja auch weniger zur Zielgruppe und bleibe lieber bei Gothic Metal á la (alter) CREMATORY.


Seitdem 3. Mai kann man dem Wind folgen und die Platte bei der Band direkt abstauben. Für einen Independent-Release kommt das Album formschön in einer DVD-Hülle mit ansprechendem Design.


[Adrian]

Keine Kommentare:

Kommentar posten