Dienstag, 13. Mai 2014

Trash-Review: Zanthropya Ex "Hure Meiner Sinne"


Der Preis für die grausamsten Lyrics aller Zeiten geht an ZANTHROPYA EX. Das Album "Hure Meiner Sinne" schlägt einem seine gottes- bis gesellschaftsfeindliche Botschaft mit Zaunpfahl in die Fresse und stellt sich im ersten Track direkt mit so saftigen lyrischen Ergüssen wie "Heilige Mutter Gottes, Ich ficke dich von vorne und von hinten" vor.


Zugegeben auch mir wurde schon vorgeworfen, dass ich beschissene Songtexte schreiben würde. Allerdings ist es mit Extrem-Metal-Texten genauso wie mit Pornos: was auf Englisch schon grenzwertig ist, schießt auf Deutsch erst Recht den Vogel ab. "Schlecht geträumt und niemals aufgewacht" (Eine Zeile aus dem zweiten Track)  trifft hier sicher auch auf den Produzenten dieser Platte zu, denn der Gesang steht deutlich zu sehr im Zentrum (seltsam, auch das ist wieder etwas, was man meinen Songs vorgeworfen hat). 


 
Jedoch ist das nicht das Schlimmste. Denn hier wird alles von furchtbaren Texten überstrahlt. 'Porno Club Olympia' beispielsweise (Allein dafür verdient irgendwer eine Ohrfeige) ist ja an und für sich schon ein schlimmer Titel, aber eine Textzeile wie "In meinem Kopf herrscht Krieg" tut dann noch einmal drei Facepalm-Stufen mehr weh. Ich frage mich woher man so unkreative Zeilen nimmt? Von reduzierten EMP-Shirts? Aus den Forumssignaturen zwölfjähriger Metal-Flirt-Moderatoren? Oder sind sie womöglich Metaphern für unsere entmenschlichte Industriegesellschaft? Was auch immer dahintersteckt, es ist keine gute Grundlage für ein Death-Metal-Album (Das soll doch Death Metal sein, oder?).  Die ausgelutschten Brutal- und Groove-Death-Riffs lassen es zumindest vermuten (hier und da höre ich auch etwas Metalcore… igitt!). Referenzen möchte ich eigentlich nur ungern nennen, da ich niemanden mit dieser Band ungewollt in Verbindung bringen will. Dennoch kann ich mir vorstellen, dass die es Fans von VARG und dem zweiten Album von AKREA sein werden, die diese Band feiern werden.


Überraschend gut ist allerdings ab und an das Gitarrenspiel, wie aus dem nix offeriert uns zum Beispiel 'Blut Für Blut' ein richtig feines Solo und schafft es sogar ein recht treibenden Beat vorzulegen. Natürlich nerven auch hier wieder das Textgerüst und das dumpfe Geplärre, das sich hier stellenweise daran versucht in den Spuren von Deutschrock-Wikinger Freki zu wandeln. Indiskutabel ist 'MMSFG'! Ein plumper Versuch zu schockieren und davon abzulenken, dass hier relativ simple Strukturen des New School Death Metal über fast sechs Minuten lang aufgekocht! Bei MILKING THE GOATMACHINE dauern solche primitiven Ausbrüche wenigstens nur ein bis zwei Minuten, hier allerdings suhlt man sich geradezu in seiner Anspruchslosigkeit. 'Gottes Hand' bildet da keine Ausnahme. Und was soll das überhaupt am Anfang sein? Sprechgesang? In jedem Fall klingt es einfach nur schlecht.
Zwischenfazit: gerade läuft Track neun und ich möchte kotzen. Im Ernst ich habe mir selten so sehr gewünscht die Anlage einfach aus zu machen. Das liegt aber weniger an der instrumentalen Darbietung, sondern an den Vocals. Ohne dieses bekloppte bis pubertäre Gebelle, das sich nicht mit Rest verbinden will, könnte man sich das Ganze hier eigentlich noch gut anhören. Dann würde ich dieser Platte zumindest gute Ansätze, wenn auch ein wenig spektakuläres Song-Writing, bescheinigen können. Aber so fällt es einfach komplett durch. Wie man mit diesem Rezept bereits seit 2007 drei Alben unters Volk bringen konnte, ist mir schleierhaft. Frontmann Meff sollte weder ein Mikrofon halten noch (sofern er auch die Lyrics verbrochen hat) einen Stift in die Hand nehmen dürfen.
Des Weiteren sollte man den Süddeutschen mal sagen, dass man nicht alle im Studio aufgenommenen Songs auf ein Album packen muss. 62 Minuten (!) ist für eine solche anstrengende Band definitiv zu viel Spielzeit. Obwohl es schwer ist hier zwischen Füllmaterial und Hits zu unterscheiden. Im Grunde sind fast alle Tracks gleich unangenehm und lediglich ihre Geballtheit führt dazu, dass man gegen Ende spätestens nach einer Minute auf die Skip-Taste haut.


Alles in allem bleibt festzuhalten, dass ZANTHROPYA EX eine richtig schlechte Band sind. Sorry, dass ich das so krass sagen muss, aber auch wenn die Instrumentalfraktion technisch bestimmt was zu bieten hat und mit einem Schubs in die richtige Richtung tolle Alben produzieren könnte, muss ich sagen, dass es echt die Hölle ist diese Platte zu hören, was einfach an den Lyrics und dem Gesang liegt. Diese pseudo-intellektuellen Texte mit geschmacklosen Ausbrüchen hält man nicht aus. Insbesondere wenn sie wie von einem tollwütigen Metalcore-Zombie ohne Rhythmus aufs Band gekotzt werden. Ich will niemanden  beleidigen, aber so eine schlechte Extreme-Metal-Platte habe ich schon lange nicht mehr hören müssen.
Erschienen ist "Hure Meine Sinne" übrigens bei SAOL am zweiten Mai und wer ganz mutig ist kann sich den Krempel auch bei Spotifiy reinziehen, aber ich rate davon ab, weil ich ungern auf Schmerzensgeld von euch verklagt werden will, wenn eure Ohren am Ende zu bluten beginnen.

[Adrian]

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