Samstag, 3. Mai 2014

Live-Review: Spring Attack in Limburg

So schnell und spontan kann manchmal ein zünftiges Thrash-Metal-Fest zu Stande kommen. Nachdem zwei Bands abgesprungen sind, haben die Kölner von PRIPJAT kurzerhand ihre lokalen Kollegen SHREDHAMMER und DAMAGE SOURCE angehauen und zu ihrem Auftritt ins Limburger Kakadu mitgebracht, um dort mit den Post-Metalcore-Haudegen von THEIR DECAY einen denkwürdigen Abend zu zelebrieren, der unter dem Banner Spring Attack veranstaltet wird.
Den Anfang machen die Rheinländer von SHREDHAMMER und die zeigen direkt wie viel Groove und Rhythmus in ihnen steckt. Ihr Sound erinnert in vielen Momenten an MACHINE HEAD oder PANTERA, aber hat auch eine Menge Old-School-Feeling wie man es etwa von ANTHRAX her gewohnt ist. Auch stimmlich erinnert hier vieles an den alten Frontmann John Bush der Bay-Area-Legende. Auffällig ist außerdem wie agil vor allem der Mann am Mikro sich bewegt. Ständig sieht man den sympathischen Sänger herumwirbeln oder die Matte schütteln. Diese Art überträgt sich auch die Zuschauer und schnell sieht man vor der Bühne einige Birnen kreisen. Angefacht wird die Stimmung auch durch so coole Aktionen wie das Anspielen des 'We're Not Gonna Take It'-Intros.  SHREDHAMMER hat heute Limburg vollkommen überzeugt und hat einen guten Nährboden für eine anhaltend gute Stimmung gesät. Zumindest sollte man das meinen.
Denn leider kann DAMAGE SOURCE nur bedingt von diesem furiosen Start profitieren. Denn viele Besucher scheinen erst einmal wieder genug zu haben und lungern vor dem Venue herum. Schade, denn so verpassen sie die erste Black-Thrash-Band, die hier im Kakadu seit Urzeiten mal wieder zu Gast ist. Allerdings hält, dass die Männer aus NRW nicht davon ab trotzdem 100% zu geben und sie machen mit den zehn Nasen vor der Bühne beinhart Party. Diese Einstellung zahlt sich aus! Denn in der zweiten Hälfte des Gigs kommen tatsächlich immer mehr neugierige Besucher in die Halle und bekommen zumindest noch einen guten Eindruck davon, was sie bisher verpasst haben. Der Auftritt stellt definitiv eine klasse Werbung für die aktuelle Demo "Raise Hell" dar. Viele raue Riffs, ein amtliches Organ und eine Menge Dreck im Sound machen nämlich schon eine Menge Lust ein (hoffentlich bald) kommendes Album.
Mit PRIPJAT kommt im Anschluss die erste Band auf die Bühne tatsächlich, die auch auf dem ursprünglichen Flyern zu finden war. Die Söhne Tschernobyls  haben zuletzt ein richtig starkes Old-School-Album auf den Markt geworfen, das Vorbildern wie DEATH ANGEL oder EXODUS alle Ehre macht. Kultverdächtige Songs wie 'Acid Rain' oder 'Nuclear Chainsaw' sorgen, mächtig für Bewegung im Kakadu und inzwischen ist es auch ordentlich voll geworden.
Zwar merkt man, dass es hier eine gewisse Grenze gibt, die das Publikum in moshende und bangende Metalheads und gelangweilte Normalos trennt, die nur in der Halle sind, weil draußen zwischenzeitlich ein sinnflutartiges Unwetter eingesetzt hat, das auch uns noch die ganze Nacht anhalten sollte.  Der Band vom Rhein kann das aber egal sein, denn um abzugehen sind genug Leute versammelt. Fette  80s-Riffs werden schnell nacheinander abgefeuert und lassen keine Kutte unberührt. Immer mehr kommen die Thrasher vom Rhein ins Schwitzen und entledigen sich ihrer Shirts. Oben ohne gibt dann zum Finale ein sehr feines  Cover von 'Thrash Til Death' (Anmerkung der Redaktion: war kein Cover sondern eine Eigenkomposition, die 'Toxic' heißt), das besonders Traditionalisten in Verzückung versetzen dürfte. Am Ende wirken die Jungs von PRIPJAT sichtlich zufrieden mit sich und der Stimmung. Das können sie auch sein, denn ihre Leistung war mehr als amtlich.
Nach der dreifachen Ladung Kölsch-Thrash kommt nun der obligatorische Lokalmatador. THEIR DECAY erfreuen sich im Limburger Raum erstaunlich großer Beliebtheit und das obwohl es hier einige Metalcore-Bands gibt, die um die Gunst der Jugend buhlen. Abheben können sich die Domstädter allerdings durch ihre Post-Hardcore-Schlagseite, die sie etwas atmosphärischer klingen lässt als andere Zeitgenossen. Mein Fall ist es trotzdem nicht. Ich kann mit diesen Shouts und Breakdowns einfach nichts anfangen. Das kann der Band jedoch getrost sonst wo vorbei gehen, denn die Halle ist ziemlich vollgepackt und das vornehmlich mit einem ganz anderen Publikum als bei den anderen Kapellen. Die Thrash-Fans haben sich verzogen und nun sind die HC-Kids am Drücker. Die übrigen Metalheads findet man jetzt nur an der Theke ein Bierchen trinken oder zu ihren Autos rennen, weil der Regen mit einer Intensität eines Wasserwerfers vom Himmel prasselt. Nichtsdestotrotz hat sich der Abend voll und ganz gelohnt und eine Wiederholung wird dringend erbeten.
Vielen Dank an dieser Stelle auch noch mal an BLOODSPOT ohne deren organisatorische Tätigkeit die Abend nicht möglich gewesen wäre und durch die der Metal in Limburg immer eine Bühne hat.


[Adrian]

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