Sonntag, 14. Oktober 2012

Band Of The Week: Born From Pain



Wir bleiben im Hardcore-Sektor. Nachdem letzte Woche BUSINESS AS UASAL behandelt wurden, widmen wir uns dieses Mal den etablierten Haudegen BORN FROM PAIN. Die Niederländer verstoßen mit einem passablen Bekanntheitsgrad gegen die Underground-Regel von Totgehört, aber im Vergleich zu anderen Gruppen, die hier schon behandelt wurden, haben sie immer noch eine gewaltige Verbindung zu den kleinen lokalen Szenen und treten auch 15 Jahre nach Gründung immer mal wieder in den ganz kleinen Schuppen auf, um vor einer kleinen intimen Crowd zu spielen.
Gerade die beiden Gründungsmitglieder Saitenhexer Servé Olieslagers und Sänger Rob Franssen sind sehr bodenständig und unheimlich sympathisch und das sowohl auf als auch abseits der Bühne. 
Mit "The New Future" haben sie dieses Jahr (endlich) ein neues Album veröffentlicht, das den Nachfolger zum 2008er Werk "Survival" darstellt. Mit knapp 23 Minuten ist der aktuelle Output nicht gerade die längste Platte aller Zeiten, besticht aber mit purer Energie und interessanten Industrial-Ansätzen. Ja, ich kann mir vorstellen, dass jetzt viele wieder sagen: "Sell Out!" Aber nicht so schnell, insbesondere der Track, der am elektronischsten ist ('Kampfbereit'), geht am besten ins Ohr und bleibt gerade durch seinen 8-Bit-Appeal heftig im Ohr hängen. Aber auch bei 'The Dominos Fall' machen sich die harschen Beats gut und schaffen eine beklemmende Atmosphäre. Einzig der Bonus Track, ein Remix von 'Heartbeat', geht dann doch allzu sehr in Richtung Dubstep. Dafür gehört er auch nicht zu den regulären Liedern der Platte.
Wer insgesamt aber eher auf den traditionellen Sound der Limburger (gemeint ist Limburg in den Niederlanden) steht, bekommst direkt zu Anfang mit 'Change Or Die' und 'Never Walk Alone' die Portion Hardcore, die er von BORN FROM PAIN erwartet.
Alles in allem ist "The New Future" ein mutiges und experimentierfreudiges Album, was man so im heutigen Hardcore selten findet. Wer neugierig auf ungewöhnliche Hartwurst-Musik ist sollte mal reinhören.
Wesentlich gradliniger ist da das erwähnte Vorgänger Album "Survival", das 2008 zum ersten Mal mit Rob Franssen als Vokalist überraschte. Nachdem sich der eher Metal-affine Sänger Ché ausgeklinkt hatte, wurde der Gesang mit Rob wieder Hardcore-lastiger. Dennoch hat besonders das Riffing eine Menge Thrash-Metal-Einschlag, was man bei 'State Of Mine' oder auch 'Sons Of A Dying World' schön hören kann. Dennoch bleibt der Geist des Old-School-Hardcore durchweg spürbar. Und Obwohl gerade diese beiden Songs wohl die stärksten Tracks der Platte sind, sollte man auch so Tracks wie 'Endgame' oder 'The Hydra' nicht vernachlässigen. 
Im Großen und Ganzen ist "Survival" mein Lieblingsalbum der Niederländer. Härtegrad, Geschwindigkeit und Ohrwurmfaktor haben hier ein perfektes Mischungsverhältnis. Mit 34 Minuten liegt es im Vergleich zu anderen Hardcore-Erscheinungen im Mittelfeld und überzeugt auf ganzer Linie.
Blickt man nun noch sehr viel weiter zurück und vergleicht dieses Release mit dem ersten Studioalbum "Reclaiming The Crown" fällt auf, dass vor zehn Jahren die Segel der Band noch sehr nach HATEBREED ausgerichtet waren. Die Instrumentalfraktion rattert in bester Groove-Metal-Tradition ein Brett nach dem anderen runter und Sänger Chè klingt wie Max Cavalera in der Frühphase bei SOULFLY. Aber auch PANTERA- beziehungsweise LAMB-OF-GOD-Anleihen findet man besonders beim Titeltrack oder auch 'Marked For Death'. 
Teilweise geht man sogar in Richtung Death Metal und zeigt sich so bei 'Dead Of Night' oder auch 'Deeper Shadows' von einer sehr düsteren Seite, die schwer wie eine VADER-Abrissbirne schwingt. Vom Groove-Faktor her können die Jungs aus dem Westen Europas mit BOLT THROWER auf jeden Fall mithalten. Kein Wunder, dass dieser Hassbatzen auf Metal Blade veröffentlicht wurde! Für den modernen Extreme-Metaller ist "Reclaiming The Crown" wohl einer der interessantsten Silberlinge von BORN FROM PAIN.

Allerdings muss man eines hier noch mal festhalten, das für alle Alben der Niederländer gilt. BORN FROM PAIN spielen eine Mischung aus Hardcore und Metal, die man aber unter keinen Umständen mit Metalcore verwechseln darf. Die Band hält sich fern von den gleichförmigen Trademarks dieser ausgeschlachteten Trendszene und erfindet sich stets neu, was man auch an den Einflüssen des neuen Albums sehen kann, das man übrigens auf der Facebook-Seite der Band herunterladen kann. Außerdem sind Rob und Co für ihr soziales und politisches Engagement zu respektieren, dass sich nicht nur in ihren Songtexten niederschlägt, sondern das sie auch im Web 2.0 verstärkt präsentieren. Wer also gute, innovative aber gleichzeitig auch brutale Musik hören will, die auch noch intelligent geschrieben ist, der sollte sich BORN FROM PAIN nicht entgehen lassen.


[Adrian]

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