Freitag, 19. Februar 2021

Reingehört: Ortus "Forgotten Memories"

 
Nach den experimentellen Promos der letzten Wochen, bin ich wirklich froh mit "Forgotten Memories" von ORTUS wieder eine konventionelle Schwarzmetallscheibe in meinem CD-Player begrüßen zu dürfen. Atmosphärischer Black Metal aus dem Rhein-Main-Gebiet? Ja Bitte!
Es ist schon eine Weile her, dass ich zuletzt ORTUS auf dem Tisch gehabt habe - fast drei Jahre um genau zu sein - aber so viel hat sich nicht verändert auf den ersten Blick. Die Herren vom Rhein halten ihre Artworks immer noch schlicht bis dunkel und ihre Releases kurz. Während der Vorgänger "Where Shadows Gather" schon nur knapp 29 Minuten Spielzeit benötigt hat, geht diese EP bereits zehn Minuten eher über die Ziellinie und reduziert die Track-Anzahl auf zwei Hymnen und ein einleitendes Intro. Tut das dem Release gut? Definitiv! Alles wirkt noch kondensierter und dichter und dennoch hat man genug Raum für Spannungs- und Stimmungsaufbau gelassen. ich hatte schon beim Review der Debütscheibe davon gesprochen, dass  mir das Song-Writing sehr gut gefällt und daran hat sich ebenfalls nicht viel geändert. Das Fahrwasser hat man auch nicht verlassen. Jedoch war das auch nicht notwendig.
  Die beiden Bandgründer Namtáar und Nihil wissen was sie machen wollen und setzen ihre Version von klassischem Atmospheric Black Metal auch ohne Schnörkel um. Inzwischen haben sie mit Nachtalb übrigens auch einen festen (?) Drummer am Start, allerdings konnte ich noch keinen Beweis (außer dem Namen im Booklet) dafür finden, dass es sich hierbei wirklich um einen Homo sapiens handelt, immerhin halten sich die Rheinland-Pfälzer gerne zurück mit Informationen über die Mitglieder und kommunizieren auch generell nur sehr sporadisch mit der Außenwelt. Das Drumming  klingt auf jeden Fall sehr tight, aber man hätte es ruhig präsenter hervorheben können. Aktuell klingt das Schlagzeug deswegen produktionstechnisch noch ein klein wenig schwach auf der Brust, aber das ist kein Dealbreaker. Die beiden vollwertigen Tracks der EP 'Auf Dunklen Schwingen' und  'Winds of Winter' (George R. R. Martin lässt grüßen) wissen zu überzeugen. Hier regiert eine treibende Melodieführung und ganz viel 90s-Nostalgie, die man irgendwo zwischen finnischen Helden und der Frühphase der deutschen Szene verordnen kann. 


Im direkten Vergleich kann man "Forgotten Memories" als konsequente Weiterentwicklung von "Where Shadows Gather" einordnen. Grundlegend ist man seinem Stil treu geblieben und überzeugt weiterhin mit düsteren und gleichzeitig eingängigen Melodien. Allerdings hat man noch mehr an den Songs geschliffen, unnötige Ballast entfernt, um so ein stringentes Werk zu erschaffen, das keine Längen aufweist. Die knapp 19 Minuten laden dazu ein gleich mehrmals die Replay-Taste zu betätigen und der online anhörbare Track 'Winds Of Winter' sollte euch dazu animieren sich eine von 500 CDs zu holen, die die Auflage von "Forgotten Memories" umfasst.
Bereits seit 19.08.2019 gibt es das Mini-Album bei Narbentage Produktionen.

[Adrian]

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