Sonntag, 29. November 2020

CD-Review: Slaughterday "Ancient Death Triumph"


"Ancient Death Triumph" - dieser Album-Titel klingt auf den ersten Blick sehr stereotyp. Allerdings kann ich mir denken was SLAUGHTERDAY damit sagen will. Die Leerer spielen damit möglicherweise auf den Siegeszug den Old-School Death Metal (oder kurz OSDM) an, den wir in der vergangenen Dekade erlebt haben. Auch wenn der Otto-Normal-Metaller nur am Rande davon mitbekommen haben dürfte, sind traditionelle Todesstahl-Klänge nach wie vor das Maß aller Dinge in dieser extremen Sub-Szene. Mit ihrem dritten Album wollen die Friesen diesen Platzhirsch-Status des OSDM weiter zementieren.
Auch wieder (wie schon im Review zu DEHUMAN REIGN) muss ich vorneweg betonen wie großartig und stimmig ich das Artwork finde, das in diesem Fall Adam Burke geschaffen hat (den Amerikaner kennt man von seinen Arbeiten für unter anderem SÓLSTAFIR, IDLE HANDS oder auch KETZER). Stilistisch ist das Artwork von "Ancient Death Triumph" mehr Gemälde als Cover und passt mit seinem klassischen, expressionistischem Stil herrlich zum ausdrucksstarken und
gleichzeitig sehr düsteren Extreme Metal der Norddeutschen. Diesen Stil braucht man nicht von Album zu Album neu zu erfinden. Die Band versteht es vielmehr ihre Stärken weiter zu kultivieren und das eigene Profil zu schärfen. Im Gegensatz zu anderen Truppen im Death Metal wagt man keine exotischen Ausflüge, sondern liefert das, was Fans der ersten beiden Scheiben an diesem Duo so zu schätzen wissen: knackigen Schwedentod mit doomiger Schlagseite. Das klingt jetzt so, als würde ich bereits mit dem Fazit beginnen, aber was soll ich euch auch unnötig hinhalten? Bei den Ostfriesen muss ich nicht mit rhetorischen Fragen zum Halten des Qualitäts-Level anfangen. Egal ob auf Albumlänge, als EP oder auf einer Split - bisher hat man immer ins Schwarze getroffen und das ist natürlich auch hier wieder der Fall. Bereits der Titeltrack, der direkt auf das Intro folgt, macht diesen Umstand unmissverständlich klar. Ein schneller Einstieg, tiefe Gitarren und grollende Vocals, die mächtig im Gehörgang nachhallen, das ist es, was mir an den beiden Herren so gut gefällt. Dazu wechselt  die Riff-Arbeit zwischen wabernden Nackenbrecher-Salven und singenden Heavy-Metal-Momenten hin und her, was per se eine gute Kombination ist. Damit einhergehen auch vermehrte Tempowechsel, die immer wieder einen schönen Spannungsbogen aufbauen (wie zum Beispiel bei 'Impenitent Agony'). Überhaupt passt auch die Dramaturgie auf der Platte insgesamt. Denn die Waage zwischen stampfenden Anteilen, rasanten Parts und Momenten in denen die Handbremse gezogen wird (wie beim atmosphärischen Outro von 'Apocalyptic Dreams'), gefällt mir wirklich gut und man hat es geschafft entsprechende Elemente auch wohl dosiert über die ganze Spielzeit zu verteilen, so dass man nicht dem Eindruck hat, dass wahlweise die erste Hälfte nicht in die Gänge kommt oder dem Dreher gegen Ende die Puste ausgeht. Nein, "Ancient Death Triumph" zieht euch hoch, reißt euch mit, lässt euch dann wieder fallen, um euch am Ende doch wieder die Kreissäge ins Gesicht zu drücken.


Insgesamt kann ich wirklich nichts Negatives über SLAUGHTERDAY sagen. Sie liefern wie immer ab und das auf konstant hohem Niveau. Wieso die Ostfriesen nicht schon längst viel größer sind, verstehe wer will. Die wahren Gourmets des Todesstahls wissen aber schon seit Jahren, dass man hier eigentlich blind zugreifen kann. "Ancient Death Triumph" dauert knapp 41 Minuten, was es kompakt und leicht konsumierbar macht und gleichzeitig bieten die sieben vollwertigen Eigenkompositionen genug Details, die man entdecken kann, so dass man sich das Album auch gut mehrfach hintereinander anhören kann. Mit dem ANVIL-Cover 'Thumb Hang' hat man übrigens eine tolle Interpretation angehängt, die mich aus irgendwelchen Gründen an TYPE-O-NEGATIVE denken lässt. Abschließend bleibt nur noch zu sagen, dass ich überzeugt bin, dass es die Friesen nicht nur in meine Top Ten der Alben 2020 schaffen werden, was Ende November auch keine wirklich gewagte These mehr sein dürfte.
Seit 27.11.2020 könnt ihr den Dreher bei F.D.A. Records bestellen.

9 von 10 Punkten

[Adrian]

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