Samstag, 24. Oktober 2020

CD-Review: Tot aus dem Wald "Kulte Primitivster Verehrung"

"Kulte Primitivster Verehrung" - Als mich diese Promo erreicht hat, habe ich erst einmal meine Augenbraue angehoben. Der Name deutet entweder die tiefste Verbeugung vor dem orthodoxen Black-Metal-Underground an, die je gesehen habe, oder macht sich auf einer Meta-Ebene über eben diese Sub-Szene lustig. Das Solo-Projekt TOT AUS DEM WALD meint es mit diesem Motto jedoch durchaus Ernst. 
Allerdings ist der Musiker dahinter (er selbst nennt sich  "Das Kakophonieä") frei von jeder Überheblichkeit und glänzt im beiliegenden Waschzettel vor allem mit Understatement. Es sei ja "kein Vivaldi" und generell wird keine übertriebene Erwartungshaltung aufgebaut. Dafür ist man dann umso mehr
überrascht, wenn man die CD einlegt. Die neun Titel brechen wie ein Gewitter über mich herein und versohlen mir in unter 25 Minuten gut den Hintern. Ich habe schon lange keine Schwarzmetall-Band mehr erlebt, die zum Teil Songs schreibt, die kürzer als zwei Minuten sind. Solch kurze Gewaltexzesse kenne ich normalerweise nur aus dem War Metal, aus dessen Fundus sich TOT AUS DEM WALD zwar gelegentlich gerne bedient, aber nie völlig darin abtaucht. Jedoch kann man auch atmosphärisch sein, wie man bei 'Berge der Hölle' beweist. Dieser Track ist verglichen mit dem mehrheitlichen Trommelfeuer der Scheibe ein echter Ausreißer. Zusammengehalten werden aber auch solche Kontraste von der grundsätzlich traditionellen Herangehensweise. Das Kakophonieä hat 1997 unter Banner TOT AUS DEM WALD 
angefangen Musik zu machen und konserviert seitdem die damals vorherrschende Black-Metal-Stilistik in seinem Schaffen. Die Screams sind unheimlich keifend und verzerrt, während die Riffs frisch aus Bergen Anno 1994 importiert worden zu sein. Das ist nun wirklich nichts, was die Welt noch nie gehört hat. Allerdings ist es auch einmal angenehm einfach ein "klassisches Black-Metal-Album" vor der Nase zu haben.  
Hier bekommt man keine anti-kosmischen, gnostischen Song-Titel, für die man studiert haben muss, um sie richtig auszusprechen zu können und auch keinen  Genre-Mix aus 300 verschiedenen Spielarten. Versteht mich nicht falsch, ich mag auch Avantgarde, Post-Black-Metal und okkult, orthodoxe Scheiben, aber in einer Zeit, wo sich jeder viel zu Ernst und wichtig nimmt, ist sowas eine schöne Abwechslung. Track-Namen wie 'Weg ins Dunkel' oder 'Bringer der Zerstörung' kann man als etwas cheesy bezeichnen, aber gleichzeitig stehen sie auch für eine Zeit im Schwarzmetall als noch nicht jeder zweiter Musiker wahlweise die Kabbala auswendig gelernt haben musste oder darauf hingearbeitet hat, dass die eignen Texte bei 3sat besprochen werden. 
Alles in allem ist "Kulte Primitivster Verehrung" ein sehr ordentlicher Albumeinstand (nachdem das Projekt in den letzten 23 Jahren nur Demos herausgebracht hat). Natürlich hebt TOT AUS DEM WALD die Welt nicht aus den Angeln, aber wie eingangs beschrieben ist das auch gar nicht Ziel des Solomusikers. Es ist eine Verbeugung vor den frühen Helden der 90er Jahre und in diesem Zusammenhang leistet man sehr gute Arbeit. Mit etwas mehr als 24 Minuten Spielzeit, kann sich auch jeder interessierte Schwarzheimer das Album vorab schnell anhören und für sich selbst entscheiden, ob er es in seine Sammlung aufnehmen möchte. Ich für meinen Teil, sehe meine Aufmerksamkeit sehr gut in dieses Album investiert.
Seit dem 31.05.2020 gibt es das Werk bei Wolfmond Production zu ergattern.

8 von 10 Punkten

[Adrian]



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