Sonntag, 5. Januar 2020

Reingehört: Skarntyde "Spurvehauk"

Bandname? Norwegisch! Name der Demo? Norwegisch! Sound? Norwegisch! Song-Texte? Norwegisch! Bei so vielen Indizien muss es sich doch um eine Kapelle aus Norwegen handeln, oder? Falsch gedacht! SKARNTYDE (was norwegisch für den "gefleckten Schierling" ist)  kommt nämlich aus Oberbayern. Die beiden süddeutschen Bandmitglieder haben letzten Dezember mit "Spurvehauk" (was so viel wie "Sperber" bedeutet) ihr erstes Lebenszeichen veröffentlicht, das bei mir anfangs vor allem viele Fragen aufgeworfen hat.

"Warum benennt man seine Band nach einer Pflanze und seine erste Demo nach einem Greifvogel?", geht es mir spontan durch den Kopf. "Hatte die Norwegisch-Klasse der regionalen Volkshochschule im aktuellen Semester das Thema 'Fauna
und Flora'?" Tatsächlich wirkt das Konzept der Kapelle auf den ersten Blick ein wenig ausgefallen. Allerdings macht die Namenswahl im Bezug auf die Lyrics tatsächlich Sinn und ist kein Zufall. So schreibt das Duo selbst im Waschzettel: "Auf dieser Demo begleitet SKARNTYDE das Jagdverhalten des Sperbers in fünf Kapiteln: 'Sult' steht für den ungestillten Hunger, 'Fokus' für die Suche nach Beute, 'Jakten' für die Jagd, 'Ferskt Blod' für die Beute, die erlegt [wurde] und gefressen wird, und 'Fred' für den Frieden, nachdem der Hunger gestillt werden konnte." - der Vollständigkeithalber sei noch erwähnt, dass SKARNTYDE beziehungsweise der gefleckte Schierling, jene Pflanze war, mit deren Gift sich zum Beispiel Sokrates auf ein Todesurteil hin umgebracht haben soll. Wieso aber nun konkret zwei Typen aus Bayern auch auf Norwegisch singen müssen, kann ich euch nicht mit Sicherheit sagen. Sound-technisch geht man definitiv sehr traditionell skandinavisch zur Sache, was ein Hinweis sein dürfte. Wer klassischen Black Metal der späten Neunziger gut leiden kann, wird direkt wissen wie diese Herren musikalisch zu bieten haben. Es ist alles dabei. In bester Manier ganz alter IMMORTAL jagen die Blast Beats wütend voran, die Riffs drängen verwaschen aus den Boxen und die Vocals sind fauchend gemein. Auch an epischen BATHORY-Momenten mit dezentem Keyboard-Einsatz mangelt es nicht. Alle Zutaten für authentischen Nordmann-Schwarzmetall sind also vorhanden. Das dabei natürlich keine Überraschungen zu erwarten sind, liegt in der Natur der Sache. 
Allerdings fragt ihr euch nun zu Recht, warum ihr diesen digitalen Release (bisher gibt es noch keine physischen Formate) erwerben sollt. Immerhin stellen wir bei Totgehört gefühlt jede zweiten Woche ein Projekt vor, dass mit dem gleichen Anspruch wie SKARNTYDE zur Sache geht. Die Antwort darauf ist gar nicht so leicht zu formulieren, denn die etwas mehr als 23 Minuten Spielzeit von "Spurvehauk" bieten wenig, wo man sagen kann, diese Facette bekommt ihr nur bei Gerileme und Fjelleiner (den beiden Musikern hinter der Kapelle) geboten. Dennoch würde ich euch empfehlen dieses Debüt auszutesten, denn die Ausführung ist wirklich vortrefflich. Wenn das Duo das Ziel hatte möglichst nah an die zweite Welle des Black Metal in Norwegen heranzukommen, dann ihnen das auf jeden Fall geglückt. Sollten sie ihre Demo jetzt noch auf ein Tape bannen, dann sind ich und alle anderen nostalgischen Black-Metal-Puristen wunschlos glücklich.  
Erschienen ist "Spurvehauk" am 13.12.2019 auf der Bandcamp-Seite der Band.

[Adrian]

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