Montag, 4. November 2019

Reingehört: Poroniec "Demo"

Ehrlicherweise erwarte ich eigentlich nicht mehr viel von diesen unbekannten Black-Metal-Projekten, die nur aus ein bis zwei Personen bestehen. Meistens bekommt man schnell zusammengeschusterte Musik mit Standard Riffs, kraftlosem Gesang und viel Keyboard-Gedudel, um das eigene, begrenzte Talent zu übertünchen - ich weiß wovon ich rede, ich habe selbst vor vielen Jahren an solchen Projekten mitgewirkt. Die Krakauer von PORONIEC sind aber anders!

Laut Metal Archives gibt es das polnische Duo bereits seit drei Jahren und Anfang diesen Jahres kam mit dem simpel "Demo" betitelten Debüt-Release, ein erster Dreher auf den Markt, der seinem Namen eigentlich gar nicht gerecht
wird. Denn Fronter WrzaaASqn und Multi-Instrumentalist Ferment feuern hier ein sehr ausgewogenes und vor allem ordentlich produziertes Gewitter aus Black und Death Metal ab, das so gar nicht wie eine Demo klingt. Zum inhaltlichen Konzept kann ich dafür nicht so viel sagen, denn ich verstehe kein Wort - nicht weil zu sehr gegrunzt oder gekeift wird, sondern weil sämtliche Lyrics in Polnisch gehalten sind. Mit Google Translate kann man den Inhalt zwar halbwegs erahnen, aber das meiste klingt dadurch wie ein Auszug aus der Bedienungsanleitung für eine chinesischen Mikrowelle (Hier ein Exempel aus 'Zaległości': "Wir haben konsequent die Stille der Dauer gewählt, um das Gift und die Galle aus den Nebennieren gut abzusaugen"). Ich bin mir sicher, dass man als Beherrscher der polnischen Sprache den Sinn erfasst und dass sich das existenzielle Konzept clever erschließt. Mir derweil bleibt "nur" die Möglichkeit die drei vorliegenden Titel anhand ihrer musikalischen Leistung zu bewerten. Diese Leistung ist dafür umso mächtiger und prügelt sich mit Blast Beats, erhabenen fast sakralen Momenten und vielen eingängigen, schwarzen Melodien in jeden Gehörgang rein. Das versetzt jetzt keine Welten, was Neuartigkeit angeht, und beim Intro des Openers könnte man auch meinen, dass sich eine streunende Katze ins Studio verirrt hat, aber ich bin trotzdem ziemlich begeistert von PORONIEC. 
Sowohl das sehr einfache Artwork als auch das ultra-nostalgische Logo (man hätte sowas Anfang der 80er auch auf der Rückseite von Kam Lees Matheheft finden können) hätten mich gar nicht vermuten lassen, dass man es hier mit einem so professionellen Act zu tun hat, der ziemlich genau weiß, was er tut. Die knappe Viertelstunde Spielzeit wird effektiv genutzt und das Song-Triumvirat hat ein hohes Replay-Value.  Hört euch die das Liedgut der beiden Herren auf jeden Fall an, denn ihr habt definitiv nichts dabei zu verlieren.
Auf Bandcamp kann man nämlich seit dem 08.01.2019 die "Demo" ab 0 Euro herunterladen (beziehungsweise man kann seinen eigenen Preis bestimmen) oder für 15 Złoty (umgerechnet 3,50 Euro)  das Debüt auch als CD bestellen im schicken Digipack bestellen.

[Adrian]

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