Sonntag, 23. Juni 2019

CD-Review: Jesus Chrüsler Supercar "Lücifer"

Es gibt so Bands, von denen hat man irgendwo schon einmal gehört, aber man hat keinen Schimmer wie sie klingen. So ging es zumindest mir mit JESUS CHRÜSLER SUPERCAR (JCSC). Auch wenn der aktuelle Release "Lücifer" bereits der dritte Ableger der Schweden ist, dachte ich immer, dass es sich hier um eine Rotzrock-Band á la V8WANKERS handelt. Das ist allerdings nicht einmal die halbe Wahrheit.

Denn die Stockholmer huldigen mit ihrem Sound besonders den Landsmännern von ENTOMBED (in ihrer rockigen Phase). Der Gesang ist zwar irgendwo zwischen KYUSS und CLUTCH, aber das Riffing ist ganz klar dem Schwedentod entlehnt. Die logische Folge ist ein knackiger Death'n'Roll-Mix, der
den Anhängern dieser aussterbenden Zunft besondere Freude machen dürfte. Denn außer BIG BALL/DEBAUCHERY, GOREFEST und SIX FEET UNDER fallen mir gar nicht mal so viele bekannte Vertreter dieser Kunst ein und selbst die genannten Bands spielen (beziehungsweise spielten) diesen Stil nicht durchweg in reinster Form. Da kommen die Jungs von JCSC wie gerufen und verändern die Formel sogar noch ein wenig. Was ich damit meine? Hier ein kleiner Exkurs: Genre-üblich wird das Growling eigentlich nicht angefasst. Es verändert sich im Death'n'Roll vor allem das klangliche Gerüst beziehungsweise man weicht die harten Gitarren so weit auf, das meist nur noch eine dunkle Klangfarbe erhalten bleibt. Im unkreativsten Falle erhält man bei diesem Vorgehen tiefe AC/DC-Riffing mit Staubsauger-Gesang. Dass sich Todesblei aber nicht allein über Grunts und Growls definiert, hat spätestens ENTOMBED bereits in den Neunzigern bewiesen (wie auch schon Legionen an Old-School-Death-Bands vor ihnen) und der vorliegende Vertreter ruft diesen Umstand noch einmal in Erinnerung. Im Vergleich zum Vorbild sind die Eier hier jedoch dicker und die Klampfen etwas stoniger. Dadurch entsteht ganz subtil eine dezente Sludge'ske Stimmung. Konzeptionell zieht man das auch straight durch und so sind sich alle Songs darin auch sehr ähnlich. Es gibt fast keinen Titel, den man besonders herausheben müsste - weder positiv noch negativ. Einzig 'Black Blood' als letzter Track ist mit seinen sieben Minuten noch einmal ein herausstechender Ausreißer und beendet die Platte mit einer Mischung aus Desert Rock und Death Doom.

Das Album läuft insgesamt gut durch und wird vor allem lange Autofahrten im Sommer kurzweiliger machen. "Lücifer" ist die perfekte Weiterentwicklung des ikonischen Meisterwerks "Morning Star" von ENTOMBED (ich sage nur 'Chief Rebel Angel') und ist dabei alles außer einer Imitation. Ich habe nämlich noch nie eine Band gesehen, die Schwedenrock und Elchtod so stimmig und rund miteinander verbindet wie  JESUS CHRÜSLER SUPERCAR. Wenn ihr also Musik haben wollt, die zur kommenden Hitzewelle passt, und ihr gleichzeitig nicht auf eure HM2-Effekte verzichten wollt, dann holt euch diese Scheibe.
Seit 24.05.2019 gibt es die Platte über Dr. Music Records zu beziehen.

8,5 von 10 Punkten

[Adrian]

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