Montag, 10. Juni 2019

CD-Review: Evohé "Deus Sive Natura"

Guter Pagan Black Metal ist aktuell ein rares Gut. Nachdem vor zehn Jahren noch überall von heidnischen Göttern und alten Sagen gesungen wurde. Hat besonders die Methorn- und Humpaa-Fraktion für eine tüchtige Übersättigung gesorgt. Diese Konsolidierung hat aber für Steigerung der Qualität gesorgt auch wenn die Releases weniger geworden sind. Übrig geblieben sind oftmals nur die, die bereits zu diesem Genre standen als es noch nicht "trendy" gewesen ist. So auch die Franzosen von EVOHÉ, die seit 2001 aktiv sind. Aktuell ist mit "Deus Sive Natura" ihr drittes Album erschienen, das bereits beim ersten Anspielen großes Potenzial vermuten lässt.
Die neun Songs bringen es auf eine Spielzeit von knapp 60 Minuten, wovon aber allein der letzte Song mehr als ein Viertel
der Gesamtlaufzeit ausmacht. Begrüßt wird der geneigte Hörer auf diesem Album von klassischen und sehr atmosphärischen Gitarren. Das Klanggerüst ist klassisch schwarz, was sich sowohl Riffing als auch den keifenden Vocals niederschlägt. Dazwischen gibt es aber auch immer wieder diesen epischen Pressgesang, der auch immer wieder in bester BATHORY-Manier ins hymnische abdriftet. Mit 'Fylgja' kommt in der Mitte der Platte ein sehr melidöser Bruch, der bis dahin am stärksten den paganen Charakter des Albums mittels akustischer Gitarren und cleanen Vocals nach außen kehrt. Interessanterweise weicht auch die ausgekoppelte Single 'Eola Monumenta' stark vom tiefschwarzen ersten Akt ab und bewegt sich eher in dem Rhythmus-orientierten Fahrwasser von OBSCURITY und GERNOTSHAGEN. 'Sleeping With Wolves' wiederum zeigt, dass man dem Fokus auf Atmosphäre nicht den Rücken gekehrt hat. Gerade der angesprochene, überlange Rauswerfer 'The Thousand Eyes Of A Lonely Soul' nimmt sich mit über 17 Minuten unglaublich viel Zeit um seine Geschichte auszuerzählen. Hier wabert es ordentlich und nimmt hier gewaltig das Tempo raus. Zeitweise wird nur geflüstert und die Akustik bemüht. Dieser Titel allein bildet ein ganz einen eigenen Opus innerhalb des Gesamtwerks.

Alles in allem liefern EVOHÉ hier einen bärenstarken Batzen ab, der vor allem Freunde des heidnischen Black Metals zufriedenstellen wird. Alles ist hier sehr oranisch. Keine Synthetik und vor allem kein munteres Gedudel findet sich auf dirser Full-Length. Alles ist sehr bodenständige und trotzdem abwechselungsreich  gehalten. Persönlich gefällt mir "Deus Siva Natura" richtig gut, auch weil es nicht nur traditionell ist sondern auch in seinen entschleunigten Momenten dem Cascadian Black Metal seinen Respekt erweist. Wer düsteren Pagan Metal und französische Atmosphäriker mag, der sollte hier unbedingt ein Ohr riskieren.
Seit 31.05.2019 gibt es das Teil beispielsweise über Folter Records oder auf Bandcamp zu erwerben.

8 von 10 Punkten

[Adrian]

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