Samstag, 2. Februar 2019

Unerhört: Bekmørk "Incantations Of The Frigid North"

 
Nein, so geht das nicht! Nur weil Varg Vikernes immer wieder verbreitet, dass er früher absichtlich schlechtes Equipment genutzt hat, um einen möglichst schrottigen Sound zu erzeugen, heißt das nicht, dass sich jeder Clown bei diesem (umstrittenen) Leitfaden bedienen darf. Wieso das so ist, zeigt euch BEKMØRK auf ihrer ersten EP "Incantations Of The Frigid North".

Zum Glück dauert dieses Machwerk nur knappe 18 Minuten, denn die Abmischung ist ein Alptraum! Die Gitarren kratzen unangenehm an den Membranen der Lautsprecher, das man Angst um seine Anlage haben muss und die Vocals klingen wie ein störender Fremdkörper (besonders im ersten Song 'Six Daggers, One Axe'). Ein wenig vielversprechender Auftakt! In 'The Bells of Klippe Hule (Summon Forth The Mighty Wakon)' schafft man es zumindest ein stringentes wenn auch bereits oft gehörtes TNBM-Riff zu verwenden, nervt aber vor allem mit lächerlich überspitzten Grunts und einem ausgiebigen Glockenspiel, das lieblos ans Ende geklatscht wurde und mehr nach Dorfkapelle als nach norwegischer Mystik klingt. In 'Of Hoof And Horn And Blood' passiert dann etwas interessantes. Der Track ist erträglich. Ja, er ist sogar ein wenig catchy. Entweder habe ich mich zu diesem Zeitpunkt mit der elendigen Produktion abgefunden oder der Klang hat sich tatsächlich verbessert. Auch der nächste Titel 'The Creed Of The Nihilist (Alt Er Ingenting)' klingt nicht mehr so unangenehm - okay, er ist etwas lahmarschiger als sein Vorgänger, aber dennoch kein Totalausfall. Für das Ende 'When Loki Calls' kehrt Sänger Dread Count Naberius (ja, der nennt sich tatsächlich so) zu seinem schrägen Kreischen zurück und bringt es sogar fertig diese mit noch schieferem Hymnen-Gesang zu toppen (sorry, aber Quorthon macht ihr damit keine Ehre). 
Insgesamt haben wir es hier also mit einem Scheiße-Sandwich zu tun. Zwei passable Songs werden von Kacke eingerahmt. "Incantations Of The Frigid North" ist damit keine Vollkatastrophe und ich habe auch schon schlimmeren Black Metal gehört, aber gerade die ersten beiden und der letzte Song sind so verheerend, das sich BEKMØRK ihren Platz in unserer Kategorie "Unerhört" auf jeden Fall verdienen. Orthodoxe Schwarzheimer, die sich gerne DARKTHRONEs "Frostland Tapes" auf 64Kbit und mit Kopfhörern aus dem Ein-Euro-Shop anhören, werden auch mit dieser Veröffentlichung Spaß haben. Alle anderen sollten diesen Dreher vielleicht lieber auslassen.
Seit 25.01.2019 kann man die Platte bei Horns High Records abgreifen - ein Label dessen Existenz nur durch eine Trademark-Eintragung belegt ist. Aber keine Sorge, laut Band gibt es das Album überall wo es auch Musik gibt, wie das Bandcamp Widget da oben, wo ihr die Scheibe für ultra-trve $6,66 laden könnt.

[Adrian]

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