Donnerstag, 21. Februar 2019

Reingehört: Black Goat "Magia Posthuma: The Inmost Darkness – Second Phenomenon"

BLACK GOAT hat eine sehr bewegte Geschichte hinter sich. In 20 Jahren gab es einige Besetzungs- und Labelwechsel.  Die einzige Konstante bei der Band aus dem russischen Sepruchow ist Mastermind IX, der bis auf die Drums  fast alles selbst macht (diese steuert laut Metal Archives ein gewisser Holocausto bei). Mit "Magia Posthuma: The Inmost Darkness – Second Phenomenon" ist diesen Januar der zweite Teil ihrer "Inmost Darkness"-Trilogie erschienen. Das klingt nicht nur interessant, sondern ist es auch.

Ihr mögt orthodox klassischen Second Wave Black Metal mit rustikalem Sound von einer absoluten Untergrundkapelle? Dann seid ihr hier zu 1000% richtig!
BLACK GOAT macht auf diesem Dreher keine halben Sachen. Nach einem zwei-minütigen Standard-Atmo-Intro hackt man sich durch fast elf Minuten langes Flakgeschütz mit Namen 'Black Goat Omen Perditionis'  - aber aufgepasst, hier ist sein überlanges, ambientes Interlude fest verbaut worden. Im Titeltrack trumpft man dann mit einem Demo-Sound auf, der wie der feuchte Fiebertraum aller War-Metaller Südamerikas in den Achtzigern klingt - wobei manche Puristen das übermäßige Atmo-Gedudel zwischendurch möglicherweise nerven könnte. 'Reap The Harvest' klingt im Anschluss wie das uneheliche Kind von DESASTER und ARCHGOAT, das beide Bands bereits 1991 gezeugt haben.  'Show Me The Wrath' hingegen wirft die Frage auf, ob man während der Aufnahme gerade kein Drumset zur Verfügung hatte und stattdessen auf das Kochgeschirr der eigenen Babushka zurückgreifen musste. Das Klang jetzt vielleicht negativ - aber dieser unverschämt schäbige Wust passt zur gewollten Stimmung der naturtrüben Sound-Suppe, die man hier vorgesetzt bekommt. Ähnlich rabiat geht es auch in 'Serpentmessiah' zur Sache, bevor man mit 'Salvation & Forgiveness 18-11-1978' ein instrumentales Päuschen einlegt, das gediegen mit einzelnen Anschlägen beginnt, bevor eine Sirene einsetzt und mit Spoken Words und Effekten eine bedrückende Atmosphäre erzeugt. Das Ganze fällt mit knapp 335 Sekunden für meinen Geschmack etwas zu lang aus, aber mit dem Massenselbstmord der Volkstempel-Sekte in Jonestown, dem seinerzeit 909 Menschen zu Opfer fielen, hat man zumindest ein interessantes Thema gefunden (auf nichts anderes spielt der Liedname nämlich an).  Danach geht es dann auch schon in die letzte Runde mit 'Ghoul Grave', was man (etwas cheesy) mit 'O Fortuna' von Carl Orff einleitet. Tatsächlich scheint man sich das Beste aber bis zum Schluss aufbewahrt zu haben. Das Schlagzeug scheppert ordentlich, die Riffs rasieren und die Vocals staubsaugen eure Trommelfelle. Kurzum, ein Hammer aus der Hölle mit nostalgischen Midi-Keyboards .

Insgesamt ist das neue Album von BLACK GOAT das erwartete Anti-Poser-Geballer, wie es bereits der Waschzettel hat vermuten lassen. Wenn ihr diese Art von Menschen seid, die ihre Klamotten im Garten vergraben, damit sie ordentlich nach Fäulnis riechen, und bevorzugt mehrfach überspielte Demokassetten über Opas Kofferradio in der Familiengruft hören, dann ist "Magia Posthuma: The Inmost Darkness – Second Phenomenon" genau euer Ding. Alle anderen sollten lieber vorab reinhören, anstatt das Teil blind zu kaufen - denn abseits des rotzigen Kultfaktors gibt es immer wieder einige Längen zu überstehen (etwas weniger ambiente Zwischenspielerei hätte dem Spielfluss der Platte gut getan).
Seit 18.01.2019 gibt es das Teil bei Iron, Blood and Death Corporation zu kaufen.

[Adrian]

Keine Kommentare:

Kommentar posten