Mittwoch, 22. August 2018

Unerhört: Henry Metal "The Essential Henry Metal (Vol. 1)"

Jeder kennt diese "Künstler", die alleine Musik machen, dementsprechend nie mit anderen Musikern proben und umso mehr Zeit haben sich grässliche Songs auszudenken, welche sie alleine im Keller aufnehmen, um diese dann im Wochentakt als Full-Length-Alben online rauszuhauen. Kann so etwas auch mal funktionieren? Besteht die Möglichkeit, dass unter den ganzen Dilettanten vielleicht auch einmal ein Genie dabei ist? Nein, vergesst es, dass wird niemals passieren und der Kalifornier HENRY METAL und sein Möchtegern-Best-Of "The Essential Henry Metal (Vol. 1)" ist der eindeutige Beweis dafür.

Innerhalb von nicht einmal anderthalb Jahren hat der Amerikaner HENRY METAL einen Haufen Singles, eine EP und stolze sechs (!!) Alben veröffentlicht. Das
vorliegende "The Essential Henry Metal (Vol. 1)" ist dabei (wie der Name schon sagt) nur eine Sammlung der besten Titel aus dieser langen Karriere beziehungsweise "A 24-bit, remastered collection of Henry Metal's most essential tracks from the first 5 albums", wie man auf Metal Archives nachlesen kann. Wer bitte muss denn seine Songs bereits nach einigen Monaten und Wochen neu mastern? Hat die Soundtechnik 2017 eine so dramatische Entwicklung hingelegt, dass man im Dezember bereits Songs aus dem Frühjahr überarbeiten muss? Nein, das ist natürlich nicht der Fall. Bei allem was HENRY METAL macht geht Quantität über Qualität. Jedes noch so ausgelutschte Metal-Riff der Rockgeschichte wird auf Biegen und Brechen auf Radio-Länge ausgedehnt (als ob auch nur einer dieser Tracks einen Radio-Edit bräuchte). Dabei merkt man trotzdem, dass Henry wahrscheinlich nicht einmal der schlechteste Musiker ist - gerade die Gitarrensoli können was. Überhaupt hat die Riff-Arbeit eine Menge Potential und benötigt lediglich eine Gruppe von Mitmusikern, die die ausufernde Umtriebigkeit dieses Herren ein wenig in geordnete Bahnen lenkt. Gesanglich variiert die Leistung zwischen ganz ordentlich und "Ach, halt doch deine Fresse!" - das liegt vor allem daran, dass es dem Projekt an Struktur und Konzept fehlt (oder anders gesagt: "Entscheide Dich für eine Art zu singen!"). Was versucht Sir Henry hier abzuliefern? Sleaze? Klassischen Hardrock? Pop Punk? Power(wolf) Metal? Ich kann ja verstehen, dass das hier eine Compilation (wobei Kompilation besser passen würde) sein soll - also eine Zusammenstellung verschiedenster Songs aus seinem Gesamtwerk, aber da dieses Projekt weniger als zwei Jahre auf dem Buckel hat, sollte man doch etwas mehr Stringenz aufweisen. 

Insgesamt kann man HENRY METAL ein paar Dinge lobend zu Gute halten, zum Beispiel dass er durchaus eine Gitarre bedienen kann und sein Gesang die meiste Zeit über handwerklich auch in Ordnung geht. Andererseits muss ich auch gestehen, dass mir dieser Dreher unheimlich auf die Nerven geht. Das Drumming ist zu eindimensional, die Produktion ist farblos wie ein druckfrisches Malbuch und das Song-Writing hinterlässt keinen bleibenden Eindruck. Der Grund ist offensichtlich, wer in der Woche gefühlt zehn Tracks schreibt, lässt der einzelnen Komposition zu wenig Zeit, um sich zu entwickeln und ihren eigenen Charakter zu entdecken. Wer dennoch wissen will wie es sich anhören würde, wenn GUNS'N'ROSES und TENACIOUS D zusammen mit der Regenbogengruppe des ökumenischen  Kindergartens Wattenscheid 15 Songs in drei Stunden schreiben müssten, der ist gerne dazu eingeladen in "The Essential Henry Metal (Vol. 1)" reinzuhören.
Seit 14.12.2017 verscherbelt Henry dieses Machwerk online für unverschämte zehn Dollar als Download und 15 Dollar als CD!

[Adrian]

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