Montag, 11. Juni 2018

CD-Review: Atra Vetosus "Apricity"

Während sich Melodic Death Metal breiter Beliebtheit erfreut, hat es der Melodic Black Metal immer deutlich schwerer gehabt. Der Trveness-Fraktion ist dieses Sub-Genre oftmals zu lasch und verwässert, während Außenstehende trotz gefälliger Melodien weiterhin keinen Zugang zu Keifgesang und Schrammelriffing finden. Den Australiern von ATRA VETOSUS allerdings könnte es zumindest gelingen gestandene Black Metaller auf ihre Seite zu ziehen. Mit "Apricity" ist dieser Tage ihr zweites Album erschienen und schafft es epische Klangwelten mit authentischer Härte zu verbinden. Aber schafft man es auch diese Monumentalbauten zu bändigen?

Beginnen wir positiv. Wenn ich es nicht vorab gewusst hätte, hätte ich die fünf Jungs für Schweden oder mindestens Finnen gehalten. Das Gespür für Melodien ist sehr ausgeprägt und regt immer wieder zum mitwippen an. Trotzdem
unternimmt man auch Ausflüge, die bewusst Tempo rausnehmen und mehr Aufmerksamkeit erfordern, wie in dem sehr verträumten Instrumental 'Violet'. Positiv hervorheben darf man an dieser Stelle auch die Vocals von Sänger Thorodan, der sich mit höllischen Keifern nicht zurückhält. Ob allerdings fast jedes der acht Stücke so verdammt lang sein muss, steht auf einem anderem Blatt. Wenn nämlich (abseits der Interludes) jeder Track mehr als achteinhalb Minuten dauert, dann muss man schon eine Menge Inspiration und Ideen mitbringen, um eine sich daraus ergebende Albumlänge von fast 63 Minuten mit ausreichend Leben zu füllen und genau daran scheitert man hier mehrfach. Besonders die zweite Hälfte der Scheibe zieht sich ganz schön in die Länge. Hier hätte ein paar Schnitte dem Spannungsbogen gut getan. Erst im letzten Viertel wird es mit 'Of Ancient Prophecies' wieder etwas aufregender und ausgelassener, was auch auf den sehr dichten finalen Titel 'Pravitatem Cordis Hominis' zutrifft, der ordentlich die Atmosphärenkeule rausholt.
Insgesamt muss sich "Apricity" aber einige Fragen gefallen lassen. Wieso muss jeder Song so enorm lang sein? Wieso verwendet man so viel Füllmaterial? Und warum kommt man immer erst so spät auf den Punkt? Auch wenn ATRA VETOSUS aus extrem talentierten Musikern besteht, macht das nicht automatisch jeden Track mit Überlänge zu einem unsterblichen Epos. 62 Minuten Spielzeit sind ambitioniert - zu ambitioniert für dieses Projekt. Fünf bis sechs Minuten wären pro Song ideal gewesen und hätten mit einer Spielzeit von 40 bis 45 Minuten weniger Nerven gekostet. So bleibt bei aller Liebe und allem Respekt für die Musikalität der Tasmanier doch ein fader Beigeschmack zurück. Denn Melodic Black Metal hat eigentlich den Vorteil zugänglicher sein zu dürfen als andere Schwarzmetallarten, aber mit unglaublicher Sperrigkeit verspielt man diese Stärke. Länger ist eben nicht immer gleich besser.
Seit 26. Februar 2018 steht das Album bei Immortal Frost Productions zur Abholung bereit.

6 von 10 Punkten 

[Adrian]

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