Mittwoch, 24. Januar 2018

CD-Review: Orcus Patera "Schattenmarsch"

Auch wenn ich aus dem Rhein-Main-Gebiet stamme und mich für Black Metal interessiere, habe ich von den 2010 in Mainz gegründeten ORCUS PATERA zuvor noch nie etwas gehört gehabt. Allerdings wurde abgesehen von einer Demo vor fünf Jahren auch nicht viel veröffentlicht. Im letzten Monat erschien dafür mit "Schattenmarsch" nun endlich das Debütalbum, das vor kurzem auch in unserem Briefkasten gelandet ist.
Bevor wir in medias res gehen - hier eine kleine Anmerkung: diese Scheibe ist für mich kein reiner Black Metal. In den acht Songs steckt nämlich noch eine
ganze Menge mehr. Vor allem Prog und Avantgarde sowie andere Extreme-Metal-Spielarten wurden diesem Potpourri beigemischt. Mit dieser angepassten Erwartungshaltung wundert man sich dann auch deutlich weniger über das, was hier aus den Boxen schallt. Besonders die einleitenden Songs 'Die grauen Herren' und der Titeltrack selbst, sind nämlich nicht gerade zugänglich für Ohren von Genre-Puristen und Freunden der zweiten Schwarzmetallwelle. Stilwechsel geschehen abrupt und ohne Vorwarnung. Der Gesang wechselt ebenfalls sehr häufig die Klangfarbe und überschüttet den Hörer mit einem ganzen Katalog an deutschsprachigen Lyrics der Marke BETHLEHEM. Nachdem ich persönlich zuerst völlig überrumpelt von dieser Herangehensweise gewesen bin und mich erst nach einem Durchlauf darauf einlassen konnte, fallen mir inzwischen gewisse Parallelen zu Bands wie AGRYPNIE, NOCTE OBDUCTA oder auch LUNAR AURORA auf - auch wenn die Qualität dieser Referenzen noch nicht erreicht wird. Dennoch ist das musikalische Fundament an vielen Stellen wirklich solide geworden ('Schreitender Zerfall' , 'Agateophobie' oder 'Ma Reine' können sich sehen lassen) - hier kommt eine düstere und drückende Stimmung auf. Gerade der Rauswerfer ist wirklich ansprechend und hat viel Potenzial. Zu Anfang wird man jedoch mit deutlich zu viel Brüchen und Ausreißern beworfen, wodurch man definitiv mehr als einen Durchgang benötigt, um mit diesen Klängen warm zu werden. Etwas weniger Theatralik und Pathos in den Vocals könnte zum Beispiel dabei helfen, um den Zugang zu erleichtern - weniger ist halt manchmal mehr. 

Alles in allem ist ORCUS PATERA eine Truppe, die man nur lieben oder hassen kann. "Schattenmarsch" ist ein interessanter Release für Avantgardisten und der Alptraum der orthodoxen Black-Metal-Front. Für mich dürfte es ruhig ein wenig reduzierter sein und das Feuerwerk der Einflüsse und Brüche kann auch ruhig etwas abgespeckt werden, aber das ist am Ende des Tages auch nur Geschmackssache. Wer FJOERGYN und alte DORNENREICH abfeiert, wird auch hier glücklich werden.
Seit 08.12.2017 liefert euch die Band das Album als Digipak gegen einen Obulus gern nach Hause.

7 von 10 Punkten

[Adrian]

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