Samstag, 11. November 2017

CD-Review: Seer "Vol. III & IV: Cult Of The Void"

Das ist alles sehr verwirrend! Das monochrome Artwork und der Frakturschriftzug des Bandlogos lassen vermuten, dass es sich bei der Band SEER um eine Black-Metal-Kapelle handelt. Allerdings täuscht der optische Eindruck. Die Kanadier sind Jünger des Sludge und Doom Metals. Des Weiteren ist auch der Name des aktuellen Albums irgendwie irritierend, denn bei "Vol. III & IV: Cult Of The Void" handelt es sich eigentlich erst um das zweite Studioalbum des Quintetts. Wenn jetzt alle Klarheiten beseitigt sind, dann starten wir direkt durch.
So gesehen ist "Cult Of The Void" eigentlich sogar nur das erste richtige Album
der Nordamerikaner. Denn wenn man es genau nimmt, war der Vorgänger "Vol. 1 & 2" nur eine Complilation der ersten beiden EPs - und somit kein besonders originelles Debütalbum. Warum man sich nun entschieden hat auch hier doppelt zu nummerieren erschließt sich nicht direkt - dazu muss man das Album mindestens ein bis zwei Mal durchgehört haben. Wie dem auch sei - nach der ersten Überraschung, dass man es hier nicht mit hyper-okkulten Schwarzmetall zu tun hat, macht der Mix aus DANZIG, MELVINS und CROWBAR eine Menge Spaß. Besonders da man mit vielen düsteren Klangteppichen und atmosphärischen Kaskaden arbeitet, die dem Stoner und Sludge Mix mehr Komplexität und Tiefe verleihen. Auch dass man neben den Glenn-Danzig-Gedächtnis-Vocals mit Screams und Growls arbeitet, sorgt für eine gewisse Vielschichtigkeit, die andere Bands des Genres oft vermissen lassen. Ab der Hälfte des Albums schwenkt der Sound stark um und wechselt vom Dicke-Eier-Sludge hinüber zum reduzierten, ambienten Post Metal. Die letzten vier Tracks sind sehr meditativ und unterscheiden sich radikal vom Rest des Drehers. Trotz dieses krassen Bruchs funktioniert das Album und wirkt dennoch rund. 

SEER lösen mit "Vol. III & IV: Cult Of The Void" tatsächlich das Versprechen des Titels ein, hier gleich zwei Scheiben in einer zu veröffentlichen. In der ersten Hälfte geht es mit Pick-Up-Truck von Vancouver über Seattle Richtung Portland, während man die restliche Distanz des Album mit Wanderschuhen und Rucksack ohne bestimmtes Ziel quer durch die Nadelwälder Oregons zurücklegt. Das wird nicht jedem Ohr stringent genug sein, aber wer verschiedene Ausprägungen der Downtempo-Szene zu schätzen weiß und sowohl DOWN, CANDLEMASS als auch EARTH im Plattenschrank stehen hat, sollte sich diesen Release zu Gemüte führen.
"Cult Of The Void"  liegt seit 07.07.2017 bei Art Of Propaganda zur Abholung bereit.

8 von 10 Punkten

[Adrian]

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