Dienstag, 19. September 2017

Unerhört: Graffio "self-titled"

Heute geht es um die Rosenheimer Kapelle GRAFFIO und wir haben es hier mit experimentellen Metal zu tun. Tut mir Leid, dass mir keine elloquentere Einleitung eingefallen ist, aber ich versuche immer noch die erste offizielle Demo der Süddeutschen zu verstehen. Man legt uns mit diesem Dreher kein einfaches Werk vor, aber versuchen wir es doch gemeinsam zu analysieren.
Der Aufmacher 'Choreo' startet mit simplen Tonleitern, aber entpuppt sich rasch
als Cocktail aus TON STEINE SCHERBEN, 80s Gothrock und einem Schuss Extreme Metal. Das ist mal etwas anderes und ist bei aller Absonderlichkeit noch hörbar. Was allerdings ab 'My Cells' passiert ist - entzieht sich meiner Kenntnis. Ein monotoner Drum-Computer kollidiert mit einer dünnen Dark-Metal-Melodie, während der Gesang in einem Fegefeuer aus mittelmäßigen Dani-Filth-Imitatoren und Jugendzentrum-Punks gefangen ist. Ich möchte wirklich nicht unfair sein, aber die Vocals wirken weder aggressiv noch böse oder verrottet, sondern einfach nur schlecht und talentfrei. 'Brief Moments' in der Folge macht dann das Unmögliche möglich und unterbietet die vorangegangene Leitung noch einmal und versucht es mit klaren Vocals beziehungsweise so etwas ähnlichem wie Shouts. Beides stellt sich als schlechte Idee heraus.

Auch die weiblichen Gast-Vocals können diesen Track nicht retten. Wenn man hier versucht eine härtere Version von SISTERS OF MERCY zu spielen, versagt man grandios. Hier hapert es an den handwerklichen Grundlagen, was den Gesang betrifft.  Kurzum, es klingt einfach furchtbar. 'Open Window' ist leider ebenfalls keine Ausnahme und jagt mir mit einem grauenhaften Duett einen weiteren Schauer über den Rücken. Auch die eingebauten Growls sind unprofessionell und wirken im Kontext des Songs deplatziert. Die schlechte Aufnahmequalität tut da schon fast nichts mehr zur Sache (okay, es ist eine Demo, aber auch beim Home Recording sollte heutzutage mehr Volumen drinnen sein). Mit 'Wading in Deeper' endet das Trauerspiel und auch hier entsteht natürlich keine intensive Atmosphäre. Das ruhige langsame Stück transportiert in etwa so viel Emotionen wie Brot beim schimmeln. 

Insgesamt hat mich die erste Demo von GRAFFIO ziemlich erschreckt - denn ich weiß beim besten Willen nicht, wieso man eine so minderwertig aufgenommene, langweilig komponierte und verheerend schlecht eingesungene Demo überhaupt veröffentlicht. Vielleicht ist das ja der experimentelle Aspekt dieser Scheibe - aber sollte dem so sein, dann darf man diesen Versuch getrost als gescheitert betrachten und das Projekt GRAFFIO zu Grabe tragen.
Wer sich selbst von diesem akustischen Totalschaden überzeugen will, kann sich vertrauensvoll an die Kapelle selbst wenden.

[Adrian]

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