Dienstag, 10. Januar 2017

Reingehört: Kreator "Live Antichrist"

Man braucht nicht darüber zu diskutieren: KREATOR sind seit mehr als 30 Jahren eine der wichtigsten Konstanten in der deutschen Metal-Szene. Aktuell bereitet das Quartett den Release seines 14. Albums "Gods Of Violence" vor, dass Ende des Monats erneut bei Nuclear Blast erscheinen wird. Vorab haben die Thrasher ein exklusives Live-Album in der aktuellen Ausgabe des Metal Hammers geparkt, das auf den kreativen Namen "Live Antichrist" getauft wurde und zehn Songs enthält, die zwischen 2012 und 2016 einprügelt wurden. Das stellt sich natürlich unweigerlich die Frage: Cooles Gimmick für Sammler oder überflüssige Werbeaktion?
Zuerst ein Wort zur Haptik. Der eingeschweißte Pappschuber macht nicht wirklich viel her (und ist kaum aus dem Heft herauszutrennen ohne die erste Seite des Hammers völlig zu zerstören). Das Artwork ist zwar herrlich blutig und
passt perfekt zum martialischen Image von KREATOR. Allerdings wirkt die Verpackung billig und kann mit den KREATOR-Live-Alben des Rock Hards von vor einigen Jahren (die in einem Digipak daher kamen) nicht mithalten. Bei einem Blick auf die Track-Liste fällt auf, dass das (noch) aktuelle Album "Phantom Antichrist" die Auswahl eindeutig dominiert. 'Mars Mantra' (lediglich ein Intro!), 'Phantom Antichrist', 'From Flood Into Fire' und 'Civilization Collapse' sind gleich vier (von zehn Titeln) des genannten Albums hier vertreten. Die restlichen sechs Lieder wirken etwas willkürlich ausgewählt. Mit 'Enemy Of God', 'Phobia' und 'Pleasure To Kill' sind zwar unsterbliche Standards der Band-Diskographie direkt an den Anfang gesetzt worden, aber 'Suicide Terrorist', 'Black Sunrise' und 'Renewal' wiederum wären nicht die ersten Songs, die mir in den Sinn kämen, um einen kurzen Live-Sampler der Ruhrpottler zu bestücken. Versteht mich nicht falsch, die Songs sind nicht schlecht und Hits wie 'Violent Revolution' oder 'Flag Of Hate' sind für viele Fans einfach nur (Achtung, Kalauer!) totgehört. Deswegen setzen wir diesen Aspekt auf die Haben-Seite dieses Live-Drehers. Etwas schade ist, dass es keine Vorab-Live-Versionen des neuen Materials zu hören gibt. Allerdings kann man nichts drauf packen, was nicht da ist (zumindest finde ich bei einer stichprobenartigen Recherche keine Setlist eines Gigs in der ein noch unveröffentlichter Song von "Gods Of Violence" auftaucht).

Wie also muss die eingangs-gestellte Frage beantwortet werden? Soll man sich als nicht regelmäßiger Leser des Metal Hammers nur wegen diesem Silberling zum Kiosk begeben? Kurze Antwort: Kann man machen, es ist immerhin eine KREATOR-Scheibe und die lohnen sich immer. Lange Antwort: Sammler werden enttäuscht sein, dass die Aufmachung hinter anderen exklusiven Magazin-Veröffentlichungen zurückbleibt und auch die wilde Anordnung verschiedener Live-Titel aus verschiedenen Jahren macht die Illusion zur Nichte einem zusammenhängenden Konzert beizuwohnen. Abgesehen davon allerdings macht "Live Antichrist" immer noch genug Spaß, denn wie gesagt, es ist und bleibt eine KREATOR-Scheibe und in Sachen Performance und Song-Writing sind sie so stark, dass auch ihre Tracks aus Reihe zwei und drei richtig reinhauen können. Eine pauschale Kaufempfehlung allein wegen dieser Scheibe stelle ich aber nicht für den Hammer aus und empfehle euch lieber eines der bekannten Live-Alben ab zugreifen.
Wer dennoch seine KREATOR-Sammlung komplett halten möchte, bekommt diesen Dreher über die Februar 2017 Ausgabe des Metal Hammers.

[Adrian] 

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