Montag, 26. September 2016

CD-Review: Eraserhead "Remnants Of Decadence"

Lange hat es gedauert - aber endlich ist es da! Das Debütalbum der Limburger Death-Metaller von ERASERHEAD. Seit 2008 existiert nun das Kollektiv und hat seitdem einige Besetzungswechsel durchgemacht - vom Original-Line-Up sind so nur noch Phil und Nico übrig geblieben. Wir haben in den letzten Monaten und Jahren schon sehr viel über die Jungs geschrieben, weswegen wir uns bei dieser Einleitung kurz halten und direkt in medias res gehen wollen. Vorhang auf für "Remnants Of Decadence".

Den Anfang macht 'Collection Of Scalps', das neben einem ausgiebigen Spoken-Word-Intro auch sehr unverhohlen aufzeigt, was die Marschrichtung ist. Die Produktion ist massiv, die Gitarren messerscharf und die Drums schlagen ein wie Industriehämmer.  Ein ausgesprochen starker Track ist auch 'On Death Row', in dem die Seele von BOLT THROWER schlummert - besonders was Rhythmik und Groove angeht. 'Carnivores' wiederum ist thrashig und angeschwärzt. Die Melodieführung ist herrlich treibend und straight-forward. 'Teach Us Wisdom' kennen treue Leser und Fans der Band bereits - dennoch hat es nichts von seinem Old-School-Vibe verloren und fügt sich perfekt in das übrige Liedgut ein. 'The Manifesting Of The One And Manifold' erinnert mich im Anschluss an den Klang der befreundeten Westerwälder von OBSCURE INFINITY. Denn wir haben es hier mit einer Düster-Kaskade aus wabernden Riffs und Double-Bass zu tun, die unheilvoll aus den Boxen drängt. '...And Then He Turned The Gun On Himself' ist ebenfalls ein gemeines Wechselbalg, das mal pfeilschnell wie eine MG-Salve, mal gemächlich wie eine Hymne daherkommt. Auch in 'Rise And Fall Of Bellerophon' findet sich ein klanglicher Dualismus - die Vocals schwanken hier zwischen grollenden Grunts und aggressiven Schreien. Das Solo in diesem Titel ist übrigens ein Gastbeitrag von BLIZZEN-Klampfer Marvin - wodurch hier sogar ein wenig Heavy-Metal-Stimmung aufkommt. Als gebürtiger Limburger freue ich mich dann besonders über den vorletzten Titel 'Limburgian Decadence', der hart mit dem Ex-Bischof der Domstadt ins Gericht geht - stilecht mit choralem Zwischenspiel. Der finale Rauswerfer heißt 'Unintentional', zudem es ja sogar ein Musikvideo gibt und den man auch schon kennen kann, wenn man sich nicht erst seit gestern mit der Kapelle beschäftigt. Ein kraftvoller Abschluss mit einem interessanten geschichtlichen Ansatz über das politische System der DDR.

Insgesamt ist das Debüt von ERASERHEAD ein gelungener Prügel, der das jahrelange Warten mehr als Wert war. "Remnants Of Decadence" ist ein Stück Old-School Death Metal, das in einer Zeit rauskommt, in der das Haifischbecken des Sub-Genres so voll ist, wie nie zuvor. Allerdings besteht das Quartett den direkten Vergleich mehr als gut. Denn diese Scheibe ist keine neue "Scream Bloody Gore" und auch kein "Left Hand Path", sondern etwas ganz eigenes. Natürlich lassen sich Vergleiche zu BOLT THROWER oder MORGOTH ziehen, aber im Gegensatz zu anderen Truppen bewahrt man sich seine Freiheiten und mischt den eigenen Todesstahl gerne mit Thrash, Heavy und Black Metal - je nach Song-Dienlichkeit. Ich bin begeistert und empfehle jedem Extreme-Metal-Fan diesen Release auszuchecken. "Remnants Of Decadence" ist eines der Top-Ten-Alben 2016  im deutschen Underground und der bisherige Karriere-Höhepunkt für die vier Hessen.
Seit dem 23. September gibt es die neue Scheibe von ERASERHEAD bei Bret Hard Records.

9 von 10 Punkten

[Adrian]

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