Montag, 22. August 2016

Reingehört: Skognatt "Landscape Of Ice"

Anno 2016 ist Black Metal facettenreicher denn je - es gibt Blackened Thrash, Blackened Death, Post Black Metal, Pagan Black Metal, Dark Metal, Avantgarde Black Metal, Folk Black Metal, Shoegaze Black Metal und noch viele andere Sub-Genres, die unter das schwarze Banner fallen. Bei so vielen Schubladen überrascht es fast, wenn jemand sich einfach am Urkonzept orientiert. Der Augsburger Danijel Zambo ist so ein Traditionalist. Bereits optisch orientiert sich seine erste Demo "Landscape Of Ice" an althergebrachten Schablonen: das Artwork zeigt einen Wald plus Winterlandschaft, der schwedische Bandname SKOGNATT (zu deutsch "Wald Nacht") ist in altertümlicher Schrift im oberen Viertel des Bildes zentriert und der Albumtitel findet sich analog dazu am unteren Rand des Layouts. Auf weiteren Schnickschnack wird verzichtet. Ein Leben im Klischee? Auf den ersten Blick ganz sicher - aber was liefert die Musik tatsächlich?
Auf dem Debüt des Bayern finden sich zwei Titel, die jeweils etwa fünf Minuten
Liedmaterial umfassen. Nach Adam Riese ergibt das zehn Minuten Spielzeit, die vor allem mit sehr viel Atmosphäre gefüllt werden. Beide Tracks werden in ein Gewand aus dezent symphonischen Melodien gehüllt und die Gitarren wabern meist bedrohlich singend aus den Boxen aber nutzen immer wieder kurze Verschnaufpausen, um unverzerrt für ein Gefühl zwischen Einsamkeit und Verzweifelung zu sorgen. Gerade das eröffnende 'Winter Nights' wechselt gerne zwischen morbiden Todesmarsch-Momenten und einem Schwarm aus sich auftürmenden Klangarrangements. Einzig die fauchenden Vocals wirken teilweise etwas dünn und müssen sowohl gesangstechnisch als auch von der Abmischung her besser im Zentrum positioniert werden - sonst besteht nämlich die Gefahr, dass sie im instrumentalen Rahmen untergehen. Das ist aber eher ein kleiner Verbesserungsvorschlag, denn insgesamt bin ich wirklich von der Qualität überrascht. Bei Erstwerken aus dem Homebrew-Black-Metal-Bereich ist ja generell Vorsicht geboten. Entweder klingt die Aufnahmequalität nach Fisher-Price-Recorder oder Dilettantismus wird mit Trveness verwechselt.

 SKOGNATT hingegen macht Laune. "Landscape of Ice" ist eine atmosphärische Platte, die in vielen Momenten an andere Vertreter der schwarzen Ambient Zunft wie COLDWORLD oder KHORS erinnert. Natürlich bewegt man sich mit den ganz großen Vorbildern noch nicht auf Augenhöhe, ist aber auf einem sehr guten Weg der fragmentierten Szene zu zeigen, dass erstens der (Old-School) Atmospheric Black Metal noch lange nicht alles gesagt hat und zweitens man auch mit traditionellen Tugenden wirklich gute Musik schreiben kann. Ich bin gespannt was SKOGNATT in Zukunft erreichen wird und empfehle den Schwarzmetallern unter euch nicht nur in "Landscape Of Ice" reinzuhören, sondern das Projekt am Besten direkt im Auge zu behalten, denn hier ist eine Menge Potenzial vorhanden.
Bereits seit 27.05.2016 kann man dieses Debüt sowohl digital als auch als CD beim Augsburger selbst abgreifen.

[Adrian]

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