Montag, 20. Juni 2016

Reingehört: GGU:LL "Dwaling"

Kaum haben wir den Bericht über das "Doom And Gloom" hochgeladen, geht es heute auch schon weiter mit zähen, schweren Melodien. Die Niederländer von GGU:LL sind eine verstörende Mischung aus Drone, Doom und ziemlich krankem Black Metal. Natürlich eignet sich für so eine Chimäre kein Label besser als das deutsche Okkultisten-Kabinet  von Ván Records. Als geradezu logische Folge erscheint das Full-Length-Debüt "Dwaling" über diese Plattenschimede nahe Aachen.
Den knapp 50-minütigen Reigen eröffnet 'Hoon' - und man lässt  von Anfang an keine Zweifel offen, dass man es hier mit Doom Metal, der sehr langsamen und
schweren Sorte zu tun hat. Die Growls sind inbrünstig und bedrohlich, aber noch zieht dieser erste Song verhältnismäßig harmlos über die Hörerschaft hinweg. Der Titeltrack, der den Beinamen 'Gehirn und Abgrund' trägt, ist schon wesentlich deutlicher dem Wahnsinn verfallen und verschreibt sich selbst wirren Geräuscheinlagen und Schreien aus der Nervenheilanstalt. 'Het smerige kleed van de ziel' (zu Deutsch 'Die schmutzigen Kleider der Seele') wiederum klingt anders und erinnert leicht an THE DEVIL'S BLOOD, was den Gast-Vocals von Farida Lemouchi zu verdanken ist, die sich ebenfalls sehr gut mit den Growls von Stammsänger WvdV verbinden. Zweifellos ist diese Kollaboration das Highlight auf dieser magmaartigen Abrissbirne, die ansonsten eher auf massive Monolithen und Verzerrung statt auf gefällige Arrangements setzt. An vielen Stellen funktioniert diese Strategie auch wunderbar. Gerade wenn es besonders dunkel wird und gemeine Schreie aus den Boxen tönen, aber in so mancher instrumentaler, geradezu endlos wirkenden Passage merkt man nach doch wie sich die eigene Aufmerksamkeit verabschiedet. Vor allem bei 'Het masker vande wereldt afgetrocken'  (zu Deutsch 'Die Maske der Welt wurde abgenommen') lässt die Spannung spätestens gegen Ende nach. Klar, man kann das auch hypnotisch oder einnehmend finden, aber im Fall von GGU:LL ist man in vielen Bereichen einfach zu langweilig. Auch der Rauswerfer 'March 28 1941, Drowning' plätschert eigentlich nur so vor sich hin und es passiert schlichtweg nicht wirklich viel in den knapp 10 Minuten Spielzeit. Ein netter Dark-Ambient-Song, aber mehr auch nicht.

Insgesamt macht GGU:LL zwar einen guten Eindruck, wenn es um die Errichtung dunkler und schwerer Klangwelten geht. Leider schaffen es die Tilburger aber nicht durchweg die Spannung zu halten und ruhen sich auf dem Motto "Das ist nicht eintönig - das ist Kunst" aus. Solche sperrigen Mammut-Kompositionen sind nicht für jedes Ohr geeignet und "Dwaling" macht es selbst ausgewiesenen Doom-Jüngern sehr schwer rein zu kommen. Wer aber düstere bis kranke Vocals verbunden mit Drone- und Funeral-Doom haben will, ist hier richtig.
Das Debüt der Niederländer erscheint am 24. Juni über die besagten Grenzgänger von Ván Records im schönen Digipak mit kunstvollen Auslassungen in der Frontklappe (optisch gibt es überhaupt nichts zu meckern).

[Adrian] 

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