Montag, 13. Juni 2016

Live-Review: Kalkwerk Festival 2016

Eines vorneweg: dieses Geschreibsel reicht eigentlich nicht für ein richtiges Live-Review, nichtsdestotrotz folgt mein subjektiver Erfahrungsbericht vom vergangenen Wochenende - weil es einfach mal Zeit wird dass wir uns über über ein ganz spezielles Open Air unterhalten. Zum nunmehr 36. Mal hat nämlich das Kalkwerk Festival auf der Landesgrenze von Hessen und Rheinland-Pfalz am äußersten Rand von Limburg seine Pforten geöffnet und drei Tage lang mit Musik, Kleinkunst und einem vielseitigen Rahmenprogramm die Besucher unterhalten. Auch für die Metaller im Publikum gab es wieder einige tolle Perlen im Billing, die mal wieder gezeigt haben, dass Limburg zwar Provinz ist, aber harte Musik auch hier ein Zuhause hat.

Die Running Order von Samstag
(Quelle: Kalkwerk Festival)
Nach dem von Varieté und Aufführungen dominierten Freitag, geht es am Samstag direkt mit dem ersten Act um 13 Uhr richtig zur Sache. Die Thrasher von BATTLE X eröffnen den zweiten Tag mit einer heftigen Metal-Attacke. Bei der vor allem Fans von EXODUS und OVERKILL große Ohren bekommen dürften. Wie auch schon auf dem Old-School Metal Meeting werden die Lokalmatadore von Freunden der regionalen Szene schwer abgefeiert, auch wenn es zu dieser Uhrzeit insgesamt noch einigermaßen leer auf dem Gelände ist. Das Amphitheater füllt sich im Anschluss bei den Metalcore-Veteranen von THEIR DECAY bereits etwas spürbarer und man kann sogar einige neue Varianzen im Sound von Carlo und Co entdecken. Inzwischen bauen die Modern-Rocker auch immer mehr wabernde und massive Klangteppiche in ihren Sound ein (#PostHardcore), was eine willkommene Abwechselung zum ansonsten sehr homogenen Core-Fundament darstellt. Danach folgt eine zünftige Portion Garagen Rock mit THE HALF HUMANS, die ich aber nur kurz anschaue. Denn in der Hauptsache ist man als Limburger auf diesem Festival um Leute zu treffen. Vor allem diejenigen, die man (außer auf diesem Event) das Jahr über nirgendwo anders sieht. 
Kalkwerk Festival 2016
(Quelle: R. Wiederstein)
Außerdem lädt das alte Kalkabbaugebiet dazu ein herum zu laufen und die offenen Proberäume zu erkunden, in denen sich Bands sowie deren Freunde tummeln und man schnell ins Gespräch kommt. Zu DANA PLAN bin ich aber wieder vor der Bühne. Instrumentaler Post-Rock mit einer Soundwand wie ich sie sonst nur von OMEGA MASSIF gewohnt bin. Die vier Herren sorgen auch ohne Vocals für ordentlich Stimmung, vor allem gerade bei den anwesenden Black-Metallern, die insbesondere von den opulenten Klangteppichen begeistert sind. Die meisten anderen Acts, die nun folgen ignoriere ich und falle weiter auf dem
Bei BUBONIX ist die Hütte voll
Gelände herum. Erst gegen Abend zieht es mich wieder zu der lokalen Legende BUBONIX vor die Bühne. Die HC-Punker existieren mit Unterbrechung seit 1994 und sind damit eine dienstältesten Truppen dieses Proberaumkomplexes. Nachdem es seit dem letzten Album-Release 2009 sehr still um die Hessen geworden ist, hat man sich im vergangenen Jahr wieder zusammengetan, um einige ausgewählte Gigs zu spielen, darunter der heutige auf der Open-Air-Bühne im alten Kalkwerk, der laut Aussage der Kapelle selbst der allerletzte Auftritt überhaupt sein soll - ich würde sagen: das letzte Wort ist da noch nicht gesprochen
. Denn es ist voll. Brechend voll! Mit alten wie neueren Liedern, sorgt man für wahnsinnig viel Bewegung, die für eine Person im Besonderen Folgen haben wird, aber dazu weiter unten mehr. Die Band ist super sympathisch und vor allem Sänger Thorsten arbeitet herrlich mit dem Publikum - unter anderem springt er in die Menge und wird wie in einer aufgepeitschten See herumgeschleudert. 

Die letzte Band verpasse ich leider - aber THE BLACK TARTAN CLAN soll mit punkigem Celtic Rock für mächtig Stimmung gesorgt und die anwesenden Zuschauer im wahrsten Sinne des Wortes auf die Bühne gezogen haben. Ein super Ende für diesen Festivaltag.

Der Sonntag beginnt mit Regen. Ziemlich starkem Regen. Weswegen ich auf die ersten Bands auch leider verzichten muss und mich erst in einer späteren Regenpause zum Festivalgelände aufmache. Konkret will ich mir den Auftritt von DECEIVER anschauen. Diese immer noch recht neue Band schafft es gerade stetig mehr und mehr Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Da verwundert es kaum, dass trotz des erneut einsetzenden Regens einige Zuschauer vor der Bühne  ausharren um den harten und gleichzeitig eingängigen Melodien der fünf Jungs zu lauschen. Frontmann Daniel bemüht sich im weiteren Verlauf selbst um Teilhabe am Wettergeschehen (das Publikum soll ja nicht alleine leiden) und rennt so zum Beispiel während eines Songs wie von der Tarantel gestochen über die fast leere Tribüne des Amphitheaters oder mischt sich selbst zu einem anderen Zeitpunkt unter die kleine Menge an Tapferen, die sich nicht untergestellt hat und vor der Stage im Regen tanzt. Ein starker Gig von einem Haufen cooler Typen. Da ist man immer wieder gerne mit dabei.
Die Running Order für Sonntag
(Quelle: La Cuneta Son Machin)
Pünktlich zu RECKLESS RODEO ist das Wetter wieder brav und die Sonne kommt raus. Wie immer hat man auch eine Plüschkuh dabei, die die Bühne ziert, und versprüht ganz nebenbei eine Mischung aus Deathcore und Brutalo-Beatdown. Das lockt besonders die Core-Kids vor die Bühne und es darf getanzt werden. Danach wird erstmal wieder uninteressanter für die anwesenden Metaller und es gilt die paar schönen Stunden zu genießen bis um kurz vor 19 Uhr erneut ein Schauer mit Starkregen die Stimmung trübt. Zu BRONSON A.D. hat der Regen aber erstmal wieder Pause und Gitarrist Hendrik schleppt sich mit Gips und Krücken auf die Bühne. Was war passiert? Am Vortag im Pit bei BUBONIX ist der Gitarrist wohl umgeknickt (so genau wusste er das auch nicht mehr) und muss deswegen heute im Sitzen spielen. Das schadet aber der Qualität seines Gitarrenspiels kein Stück und auch körperlich eingeschränkt schrubbt der Mittelhesse ein geiles Riff nach dem anderen herunter. Dazu noch die beinharten Shouts von Fronter Björn und die
Es wurde immer wieder nass
(Quelle: Reckless Rodeo)
Melange aus D.R.I., SEPULTURA (zu "Chaos A.D." Zeiten) und NAPALM DEATH (Mitte der 90er) ist perfekt. Zu einem Cover einer anderen Kalkwerk-Band (man verrät nicht welche) kommt BLOODSPOT-Saitenhexer Howdie auf die Bühne und teilt sich die Gesangsparts mit Björn. Ein super Duett! Auch hier gibt es nichts zu meckern. Bärenstarke Leistung der HC-Thrash-Grenzgänger.
Danach geht es rüber in die angrenzende Rockarena - denn das dort stattfindende Public-Viewing zum Deutschland - Ukraine Spiel steht an und ist der perfekte Füller zwischen BRONSON A.D. und BLOODSPOT, die das Finale des Festival-Wochenendes bilden. Wie immer sind die Death-Thrasher ein echter Kracher, der auch vom erneut einsetzenden Regen nicht kleinzukriegen ist. Im Gegenteil, man hat auch neue Songs im Angebot und geht damit in eine deutlich todesmetallischere Richtung, was die Zuschauer wunderbar aufnehmen. Außerdem beteiligt man sich am Motto, dass Kalkwerk-Bands sich gegenseitig covern sollen. BLOODSPOT sucht sich 'Exit' von DECEIVER aus und brutalisiert den Heavy-Rocker noch einmal um ein paar Stufen. Nach zwei Zugaben ist dann aber um etwa 24 Uhr wirklich Schluss und das 36. Kalkwerk Festival ist Geschichte. 

Und unterschiedlicher hätten gerade die beiden Tage am Wochenende nicht sein können. Samstag war dominiert von gutem Wetter sowie einer vollen Bude und steht einem einem fast durchweg verregnetem Sonntag mit akutem Besucherschwund gegenüber, auch wenn die geladenen Gäste von LA CUNETA SON MACHIN  den letzten Tag mit einigen Latino Rhythmen aufgehellt haben und ein besonderer Farbtupfer im Billing waren.
Dennoch war das Festival wie immer ein toller Erfolg, vor allem für das Kalkwerk selbst, dass mit (unter anderem) diesem Event die Finanzierung der Jugendarbeit auch für die Zukunft sichert. Eine Arbeit, die hoffentlich noch viele Jahre weitergeht.

[Adrian]

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