Sonntag, 26. Juni 2016

CD-Review: Reactory "Heavy"

Yes! Endlich hat die verdammte Warterei ein Ende. Die Berliner Chaoten von REACTORY bringen mit "Heavy" ihr heiß erwartetes Zweitalbum heraus und haben sich dafür mit dem Underground-Label FDA Rekotz einen kompetenten und erfahrenen Partner ausgesucht. Zwei Jahre nach dem Release des Debüts "High On Radiation" präsentieren sich die Hauptstädtler gereift und gewachsen, was aber natürlich nicht heißen soll, dass der Vierer sich all zu ernst nehmen würde.
Bevor die CD in den Player wandert, fällt dem Kenner auf, dass REACTORY mit Doomsday Graphics einen exzellenten Künstler für die grafische Gestaltung herausgesucht haben. Ziemlich deutlich ist das aktuelle Artwork das Beste, was die Thrasher in ihrer Karriere bisher gehabt haben - ein gutes Vorzeichen für
den Druck auf die Play-Taste. Musikalisch bleibt man sich treu und spielt eine extreme und dynamische Old-School-Thrash-Kante. Mit den beiden Zwillingsliedern 'To Thanatos' und 'To Hypnos' beginnt das Werk sehr rasant und macht keine langen Schnörkel. Schnelle Riffs, stampfende Drums und kehlige Shouts bestimmen das Bild. Dass man Humor hat beweist man mit 'Deep Tranquility' - ein Song, in dem es eigentlich nur um einen Faulpelz geht, den man mit Begriffen wie 'Matress Attacker' oder 'Serial Chiller' sehr lautmalerisch umschreibt. Ob der Track 'Angstharsis' auch ein versteckter Witz sein soll (klingt ja schon wie 'Angsthase'), ist vielleicht zuweit gedacht, aber die starken Stakkato-Riffs sind dagegen kein Geheimnis. Freunde von Mid-Tempo-Rhythmen und versierten Gitarrensoli kommen bei 'Pleasure Seeker' auf ihre Kosten. Außerdem hört man hier am deutlichsten die teutonischen Einflüsse heraus. Vor allem die Inspiration durch DESTRUCTION sowie SODOM ist klar erkennbar. Während man im anschließenden 'Let Me Rage Before I Die' wiederum die Geschwindigkeit von Thrash-Kapellen des letzten Jahrzehnts wie MUNICIPAL WASTE und GAMA BOMB (um nur zwei Vertreter zu nennen) zelebriert. Das Finale des Drehers bildet ein Cover von MOTÖRHEADs 'Eat The Rich' (das wir zuletzt auch bei uns zum Song Of The Day gekürt haben und das Lemmy auf jeden Fall absegnen würde).

Insgesamt erfüllt "Heavy" die Erwartungen vollkommen, die sich in den letzten Monaten aufgebaut haben. REACTORY bietet acht variable Thrasher, die sowohl den 80ern als auch dem 21. Jahrhundert Tribut zollen. Wer auf seiner Kutte alte Helden wie SLAYER, TANKARD und D.R.I. sowie jüngere Jahrgänge á la LICH KING und VIOLATOR aufgenäht hat, sollte nach einer freien Stelle für REACTORY suchen. Denn diesem Abrisskommando gehört die Zukunft!
Am 1. Juli landet "Heavy" über FDA Rekotz in den Verkaufsregalen - vorbestellen kann man ein limitiertes Bundle aber bereits hier.

8,5 von 10 Punkten

[Adrian]

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