Dienstag, 3. Mai 2016

CD-Review: Chaedrist "Grandevality"

Da ich heute erst von meinem Irland-Urlaub zurückgekehrt bin, wird die Aufarbeitung des Trips noch ein wenig Zeit in Anspruch nehmen. Eine tolle Entdeckung dieser Reise ist die bayrische Black-Metal-Truppe CHAEDRIST. Diese Jungs haben zwar nicht live in Dublin gespielt, aber durch einen glücklichen Zufall habe ich ihren Sänger Steff in einem Pub getroffen und bin mit ihm ins Gespräch gekommen. Als ich erfahren habe, dass er eine Band hat, konnte ich natürlich nicht anders und musste mir die Kapelle genauer anschauen. Ihr Debüt-Album "Grandevality" erschien bereits im Januar 2015 in Eigenproduktion und beim Betrachten der bisherigen Rezensionen, konnte ich umso weniger verstehen wie dieser kraftvolle Schwarzmetall-Dreher an mir vorbei gehen konnte. Deswegen werfe ich nachträglich einen umso genaueren Blick auf diese mögliche Perle des süddeutschen Untergrunds.
Der Auftakt ist vielversprechend mit 'Jenseits aller Sonnen' geht das Feuerwerk los und die Herren aus dem Münchner Großraum schießen im weiteren Verlauf
vor allem bei Tracks wie 'Schöpferkraft und Weltenbrand' aus allen Rohren. Die Gitarren rattern mit einem herrlichen Vibrato und erzeugen auf einem Fundament aus rasanten Blasts ein massive Klangstruktur. Die immer wieder durch geradezu singende Riffs hymnisch aufgelöst wird. Stimmlich weiß Steff auch genau was er tut und kreischt so inbrünstig als hinge sein Leben davon ab. Insbesondere bei 'Alte Eiserne Brücke' brechen die Screams nur so aus ihm hervor, was wunderbar zur instrumentalen Basis aus AT-THE-GATES-Death-Metal und Auf-Die-Fresse-Black-Metal passt.  Mit 'Den verdens nye avguden' (zu Deutsch "Das neue Idol der Welt") gibt es auch einen Titel, der komplett in norwegisch gehalten ist. An der bewährten Rezeptur des Albums wird deswegen aber nicht gewerkelt oder auf TNBM ("True Norwegian Black Metal") umgeschaltet. Stilistisch bleibt man sich treu, drückt das Gaspedal immer wieder bis zum Anschlag durch, bindet erhabene Harmonien in die Arrangements ein und legt über das Schlagzeuggewitter ein Organ, das klingt als würde man einem Erzengel die Flügel ausreißen und ihn ins Höllenfeuer stürzen. Erwähnenswert ist auch der klare, geradezu epische Gesangspart in 'Im Widerschein der Wirklichkeit'. Hier werden Erinnerungen an MENHIR wach (machen die Thüringer eigentlich noch was?). 
Das Abschließende 'Grandeval Godess' fasst dann noch einmal alle Stärken der Schwarzheimer zusammen und bietet uns die eiskalte Brutalität des Black Metals veredelt mit Melo-Death-Akzenten der ursprünglichen Göteborg-Szene und ergänzt um symphonische Anteile, die zu keinem Zeitpunkt kitschig wirken und sich angenehm einfügen.
Das Fazit fällt deswegen ziemlich eindeutig aus: die Lorbeeren, die "Grandevality" bei anderen Zines gesammelt hat, hat es zurecht erhalten. CHAEDRIST haben es geschafft mit ihrem ersten Dreher einen schmackhaften Cocktail aus Härte, Geschwindigkeit und Melodie zu erschaffen. Jeder, der wie ich die CD bei Erscheinen verpasst hat, sollte hier nachträglich reinhören. Bei Bandcamp kann man sich das ganze Album im Stream geben und für knapp 10 Euro direkt als Download besorgen. Schon witzig, dass ich erst nach Irland reisen muss, um eine so hochwertige deutsche Band zu entdecken.

9 von 10 Punkten

[Adrian]

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