Montag, 25. April 2016

CD-Review: Nekrarchon "Gehinnam"

"Gehinnam" war ein Tal, wo Menschen ihre Kinder opferten. Ein verfluchter Ort des Bösen. Ein See aus Feuer. Ein Engel entsagte seinem Meister und beging ein Massaker. Fiel dann bereuend und selbstmörderisch in den Schatten von "Gehinnam". Wegen der Präsenz eines Engels erwachte der Archon. Sie verschmolzen und durch ein Gebet an die Dunkelheit wurden sie NEKRARCHON. Der neue dunkle Herr taufte seine Jünger, erhob sie und ließ sie sein Zeichen tragen. Er betete die Chrisma von der vollkommenen Gottheit zu empfangen und vollzieht die Eucharistie mit geopferten Göttern. Schließlich befahl er seinen Königen zu gehorchen und zu marschieren, um die ewige Dunkelheit zu verbreiten. 
Das ist die (übersetzte) Beschreibung, die dem Debütalbum der griechischen Okkult-Black-Deather von NEKRARCHON beiliegt, die sehr nebulös umschreibt worum es bei ihrem ersten Dreher "Gehinnam" geht. Die Mixtur aus tiefschwarzem Gitarren, einer unheiligen Atmosphäre und drückenden Beats macht diesen Hassbatzen zu einem interessanten Leckerbissen. Die düsteren Shouts von Fronter Archon verleihen diesem Werk einen besonders bedrohlichen Charakter, der von donnernden Blast-Beats und Rasiermesser-Riffs exponentiell verstärkt wird. Die zehn Hymnen bilden dabei eine Einheit, die man nicht aufzubrechen braucht. Wie aus einem Guss wirkt dieser Opus und lässt sich am besten genießen, wenn man ihn komplett von Anfang bis Ende zelebriert. Es ist kein Album, bei dem man sagen kann, dass es irgendwelche "Hits" gibt. Der Star ist hier die Scheibe selbst. Das Konzept der eingangs zitierten Mythologie findet sich an allen Ecken und Enden wieder und Tracks wie 'Chrism', 'Baptism' oder 'Eucharist' machen das auch ziemlich unverblümt deutlich. 
Die finale Bewertung von "Gehinnam" hängt stark davon ab, worauf man als Extreme-Metal-Fan Wert legt und was für Präferenzen man sonst so hat. Wenn ihr zum Beispiel Fans von SONNE ADAM, VENENUM oder auch NECROS CHRISTOS seid, dann ist NEKRARCHON genau eure Band. Die okkulte Stimmung, die morbide und anti-kosmische Attitüde sowie die Vermischung von Black, Death und Doom Metal zu einem unheiligen Cocktail, dürften Anhänger der genannten Bands eine Menge Freude bereiten. Wenn ihr allerdings nichts mit dem gnostischen Thema anfangen könnt und es lieber groovy und treibend mögt, sind andere Todesstahl-Kapellen besser für euch geeignet. Bewertet man die Hellenen also vor dem Hintergrund des selbstgewählten Nische, dann geht das Konzept sinnig auf und man macht im Grunde alles richtig. Schon der einleitende Text dürfte bewiesen haben, wie ernst es den Herren mit ihrer Sache ist, die sich auf ihren Promo-Fotos in langen Kutten kleiden und mit Fackeln im Wald posieren. Persönlich bin ich eigentlich kein übertrieben großer Fan solcher pseudo-religiösen Inszenierungen, aber in diesem Fall muss ich sagen, dass die Athener wirklich wissen wie eine einnehmende Klangwelt errichtet wird, die den Hörer von den ersten Sekunden an in eine eigene Sphäre entführt.

8 von 10 Punkten

[Adrian] 

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