Montag, 26. Oktober 2015

Live-Review: Franconian Metal Party - Oktober 2015

Im Nürnberger Hirsch hat sich seit einiger Zeit ein schöne Underground-Konzertreihe etabliert, die unter dem Namen Franconian Metal Party bekannt ist. Vergangenen Samstag fand mit DEW-SCENTED als Headliner eine neue Auflage statt.
Gegen 20 Uhr startet die erste Band des Abends. Noch ist das Publikum
überschaubar und der Platz vor der Bühne bietet noch eine Menge Bewegungsfreiheit. Das stört die Franzosen von HEBOIDOPHRENIE aber nicht. Die ausländischen Gäste spielen sich den Arsch ab und geben 100 Prozent. Vor allem ihr Sänger Rémy liefert eine tolle Show und erinnert bei seinen Ansagen ein wenig an (einen jungen) Max Cavalera. Die Jungs sind auch abseits der Bühne super sympathisch und offenbaren in einem gemeinsamen Gespräch (das ihr im Video weiter unten in voller Länge sehen könnt), dass es ihr erste Tour durch Deutschland ist. 
Von Lampenfieber oder ähnlichem merkt man allerdings nichts. Man spielt das eigene Set, das viele gute Modern-Death-Metal-Nummern enthält souverän herunter. Ein toller Einstieg.
No Return (Foto: Adrian)
Bleiben wir in Frankreich. Denn die zweite Kapelle des Abends kommt ebenfalls von dort. Allerdings haben die Herren von NO RETURN bereits ein paar mehr Jahre auf dem Buckel und sind schon seit über 25 Jahren gemeinsam unterwegs. Die ausgewogene Mischung aus Melodic Death Metal und Thrash kommt gut an und es wird bereits etwas voller in der Halle. Das verwundert kaum, wenn man beobachtet wie sich allein Sänger Mick auf der Stage verausgabt, herumwirbelt und immer den Kontakt zum Publikum sucht. Und hier meine ich mehr als nur den üblichen Augenkontakt und "Hey, Hey"-Rufe. Mick klettert oft an die Absperrung und krallt sich Zuschauer, die er persönlich motiviert mit ihm abzugehen. Eine wirklich tolle Vorstellung, die ich so nicht erwartet hätte. 
Angelus Apatrida (Foto: Adrian)
Auch die dritte Band ist heute ein ausländischer Gast. Die Spanier von ANGELUS APATRIDA sind eine reinrassige Old-School-Thrash-Truppe, die den wahnsinnigen Gesang á la EXODUS mit der Kompromisslosigkeit sowie den scharfen Riffs SLAYERs verbindet. Das kommt vor allem bei den Kuttenträgern im Raum sehr gut an und es wird erneut deutlich voller im Konzertsaal. Ich persönlich kenne die Iberer nicht, aber sie existieren schon seit 15 Jahren und sind bei Century Media unter Vertrag, was zu den größten extremen Metal Labels in Europa gehört. Der Auftritt zeichnet sich durch einen mächtigen Druck aus, der auf die Zuschauer einprasselt und kaum Zeit zum verschnaufen lässt. Songs wie 'Give 'Em War' oder 'You Are Next' sind frei von modernen Einflüssen, aber zeichnen sich, wie es sich für eine Thrash-Kapelle der 2000er Welle gehört, durch eine sehr hohe Geschwindigekeit aus. Insgesamt handelt es sich hier nicht um die Art von Band, die sich durch Progressivität und Überraschungsreichtum punktet, aber bringt dennoch die meisten Genicke in Wallung und das ist das immer noch das Wichtigste.
Der Höhepunkt des Abends ist naturgemäß die letzte Band im Billing, der
Dew-Scented (Foto: Adrian)
Headliner, und hierbei haben wir es mit den tödlichen Thrashern von DEW-SCENTED zu tun.  Erstaunlicherweise haben wir hier die einzige deutsche Band des Abends (in einem solchen undergroundigen Rahmen ist das durchaus eine Erwähnung Wert). Denn die Stimmung lässt sich mit eloquenten Kommentaren und kurzen Anekdoten besser anheizen als mit wenigen englischen Schlagworten. Leif Jensen ist aber auch während der Songs ein klasse Fronter und shoutet mit seinem heftigen Organ alles in Grund und Boden. Die Saitenfraktion schafft es mit einem dicken Bass und toller Rhythmik ein fettes Brett abzuliefern, das diesen Auftritt sehr kurzweilig macht. Nach eigenen Angaben sind die Niedersachsen seit  15 Jahren nicht mehr in Nürnberg gewesen, vergessen hat man sie aber scheinbar nicht. Denn hier erreicht die Stimmung ihren Höhepunkt und es gibt sogar einen stattlichen Moshpit in den vorderen Reihen. 'Thrown To The Lions' und 'Acts Of Rage' sorgen gegen Ende Sets für viel Begeisterung, bevor Leif sich bei allen Bands sowie den Veranstaltern bedankt und die Leute animiert, die anschließende After-Show-Party nicht zu verpassen. Dazu fragt er, wer im Publikum bis 5 Uhr morgens durchhalten will. Einige melden sich und der gut gelaunte Fronter warnt flaxend, dass sie das auch durchziehen müssten, da er sich ihre Gesichter merken würde. Auch wenn das nur im Spaß  gesagt wurde, setzt nach dem Ende von DEW-SCENTED kein Massen-Exodus ein. Die meisten Besucher bleiben undtrinken bei einem hauseigenen Hirsch-Bier und einem guten DJ-Set in die durch die Zeitumstellung verlängerte Nacht hinein. 
Die Franconian Metal Party ist alles in allem eine großartige Event-Reihe in einer tollen Location mit einem super Konzept. Wer also in Franken wohnt oder mal in der Nähe  ist, sollte sich eine dieser metallischen Feste nicht entgehen lassen. 

[Adrian]

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