Mittwoch, 8. Juli 2015

CD-Review: Violentor "Maniacs"

Ich habe das Gefühl, dass ich mit Erscheinungen aus dem Süden Europas zurzeit überschüttet werde. Gefühlt wöchentlich erreichen mich Black, Death oder Thrash-Metal-Scheiben aus Portugal, Spanien, Griechenland oder Italien. Führen die schwere wirtschaftliche Lage und die damit verbundene Unzufriedenheit in der Bevölkerung in diesen Nationen zu einem Metal-Boom (ähnlich wie in England in den frühen Achtzigern)? Vielleicht ist dem so, vielleicht ist es auch nur ein Zufall. In jedem Fall steht uns aktuell mit VIOLENTOR und ihrem dritten Longplayer "Maniacs" ein weiterer Dreschflegel aus dem mediterranen Raum ins Haus.
Schon das Booklet verrät, dass die Italiener auf höfliche Umgangsformen
scheißen und sich ausdrücklich bei niemandem bedanken. Musikalisch knüpfen sie an diese Ansage an und feuern gleich nach dem kurzen Intro eine explosive Abrissbirne nach der anderen ab. Die Kombination aus ratternden Riffs, heftigem Geprügel und einem bellenden Frontmann erinnert an EXODUS mit Rob Dukes (sehr schön bei 'The Great Deceiver' zu hören). Allerdings steckt noch mehr hinter VIOLENTOR. Denn auch ein treibendes, schwarzes Element, das man sonst nur von Black-Thrashern wie DESTRÖYER 666 oder DESASTER kennt, bringen die Luccaner ebenso in ihren Old-School-Thrash ein (siehe Titeltrack), wie auch die gesanglichen Trademarks eines Lemmy Kilmister, die vor allem in der Szene-Hymne 'Italian Bastards' auftauchen. Anhänger von TOXIC HOLOCAUST kommen dabei auch nicht zu kurz. Diese kriegen mit 'Sign Of The Cult' ihren Fan-Service, auch wenn dieser stellenweise fast in einem Black-Metal-Gewitter gipfelt.
Insgesamt sind die 35 Minuten Spielzeit, die "Maniacs" zu bieten hat, kurzweilig und unterhaltsam gestaltet worden. Als traditionsbewusster Thrasher mit einigen monochromen Patches auf der Kutte bekommt man genau das, was man haben möchte. Allerdings auch nicht mehr. Old-School-Thrash mit einer Prise Schwarz: so lässt sich der dritte Wurf von VIOLENTOR kurz zusammenfassen. 
Wer genau dieses Futter braucht, ist hier richtig, wer mehr will, sollte weitergehen. Produktion, Aufnahme und musikalische Fähigkeiten der Band gehen derweil absolut in Ordnung und halten jedem Vergleich mit größeren Gruppen stand. Ein Antesten schadet hier in keinem Fall.
Ab morgen, dem 09.07.2015, gibt es dieses Teil bei dem passenden Label Go Fuck Yourself Productions auf CD und MC (sowie als Vinyl ab August) zu ergattern.

8 von 10 Punkten

[Adrian]

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