Samstag, 27. Juni 2015

Interview: Zoheb Mahmud - Länderspezial Bangladesch (Part II)

Wer den ersten Teil unseres Spezials zu  Bangladesch noch nicht gelesen hat, kann dies hier tun. Für alle anderen geht es unten weiter mit unserem kleinen Zwiegespräch und Zoheb aus Dhaka, der uns im zweiten Teil mehr über sich selbst verraten wird und auf das generelle Leben als Metaller in Bangladesch eingeht.


Wie ist es so Metaller in Bangladesch zu sein? Ist das normal für die Menschen um dich herum oder hattest schon einmal Probleme weil du Metalhead bist? 

Zoheb: Metaller zu sein, ist kein großes Problem. Zumindest solange man keine
Metalheads in Bangladesch (Aftershowparty Banish The Posers Fest 2013)


anti-religiöse oder oppositionelle Einstellung an den Tag legt.Wenn du allerdings Metal-Musiker bist, hast du schon härter zu kämpfen. Immer wieder kommen Leute oder Familienmitglieder auf dich zu und erzählen dir, dass Metal eine schreckliche Musik ist. Ich glaube, dass man in jedem Land der Welt mit Menschen zu tun hat, die Metaller wegen ihrer Musik schief anschauen. Das ist ja nichts besonderes. Ich hatte mal ein paar kleinere Probleme wegen meiner persönlichen Überzeugungen und Ansichten, die eben sehr stark mit Metal und Punk zusammenhängen – aber das ist eigentlich nicht der Rede Wert.  


Hast du mal oder spielst du aktuell in einer Band? Und wenn ja, wie heißt deine Band?

Zoheb: Ha ha, Nein, ich habe nie in einer Band gespielt. Ich bin eine Person ohne künstlerisches Talent (lacht).

Du hast ja bereits gesagt, dass du Konzerte organisierst. Was ist deine Motivation dahinter? Und wie waren deine bisherigen Erfahrungen dabei? 

Zoheb: Ich bin seid Mitte 2012 bei Primitive Invocation (PI) aktiv, die etwa 2010 oder 2011 gestartet sind. Der Fokus hier liegt darauf regionale wie auch internationale Extreme-Metal-Acts (vor allem die Old-School-Bands) zu unterstützen. Bevor es Primitive Invocation gab, hatten Untergrundgruppen in Bangladesch eigentlich keine metallischen Support hinter sich. Das klingt für so Manchen jetzt etwas anmaßend, aber man kann schon sagen, dass  Primitive Invocation maßgeblich dafür verantwortlich ist, dass die nationale Extreme-Metal-Szene zusammengefunden hat beziehungsweise die Bewegung auf eine neue Ebene gehoben hat. Diese Bewegung konnte etwas erreichen, was niemand sich bisher vorstellen konnte. In der Vergangenheit hat Primitive Invocation einige herausragende Auftritte veranstaltet, wo Truppen wie ABIGAIL, INFERNAL CURSE, ORATOR und viele mehr dabei waren. Es wurde sogar schon ein Fanzine produziert. Das bis dato letzte Event war das diesjährige Metal Barbarism II, das die Japaner von DEFILED als Headliner angeführt haben. Aber die wichtigste Veranstaltung bleibt aber das Banish the Posers Fest, das ein jährliches Treffen von nationalen und internationalen Gruppen darstellt. Wie schon gesagt, FUNERUS wird der Headliner 2015 sein und andere Acts wie DRACONIS INFERNUM (aus Singapur) oder ETERNAL ARMAGEDDON und ENMACHINED (beide aus Bangladesch) sind auch mit von der Partie.

Insgesamt ist es eine  tolle Erfahrung hier mitzuwirken und als Mitglied erlebt man innerhalb der PI-Crew einen starken Zusammenhalt und viel Solidarität.
Iftekhar Faiaz Nafiz, der Chef bei Primitive Invocation, sowie alle Crew-Mitglieder geben 100%, dass jedes Vorhaben auch ein Erfolg wird. Es gibt allerdings auch immer ein paar Probleme mit denen wir uns auseinandersetzen müssen (wie das Fehlen von Sponsoren und finanzieller Untertstützung). Vor allem mit der Location ist das jedoch immer so eine Sache. Wir können nach 21 Uhr kaum mehr was machen, da uns die Hallenbesitzer meist zwingen die Konzerte bis dahin zu beenden. Alles in allem habe ich durch Primitive Invocation eine Menge tolle Leute kennengelernt und es hat mich einigen guten Menschen näher gebracht, die igendwann zu meinen besten Freunden geworden sind.

Aktuell versuchst Du über eine Online-Kampgane Geld zu sammeln, was kannst Du uns näheres darüber sagen? 

Zoheb: Um ehrlich zu sein, gehören die letzten Jahre zu den härtesten meines Lebens. Es fing alles damit an, dass ein Geschäftspartner meines Vaters Gelder

unterschlagen hat. Nach diesem Vorfall musste ich mein Studium auf Eis legen. Laura Giguere, eine sehr gute Freundin, hat daraufhin eine Gofundme-Kampagne gestartet, um Geld für mein Studium zu sammeln. Wie du vielleicht gesehen hast, haben sehr viele Leute diese Kampagne geteilt, aber bisher habe ich kaum Geld sammeln können.  Bis dato haben gerade einmal drei Menschen finanziell etwas via Paypal beigesteuert (Totgehört gehört auch dazu). Vielen Menschen ist es zu kompliziert Geld bei Gofundme zu spenden, da man eine Kreditkarte benötigt. Deswegen konnten viele Menchen ohne Paypal oder Kreditkarte auch nichts dazugeben, selbst wenn sie es wollten. Ich habe bisher nicht einmal  2% davon auftreiben können, was notwendig wäre, um das Studium wieder aufzunehmen. Wahrscheinlich haben die wenigsten Menschen etwas über, um es zu spenden, oder haben schlichtweg keine Lust mir zu helfen (lacht). 
Zoheb Mahmud


Das Geld, was ich im Moment verdiene, würde reichen um die Studiengebühren zu bezahlen, aber ich muss es benutzen, um meine Familie zu unterstützen. Man kann wahrscheinlich kein gutes Leben in Bangladesch führen, wenn man ohne ein großes Vermögen zu besitzen studieren will. 
Einige regionale wie auch internationale Freunde haben mir aber zumindest versprochen, dass sie mir bald helfen wollen. Meine Gofundme-Kampagne  findet ihr übrigens hier  und meine Paypal.Adresse lautet s.zoheb.m@gmail.com.
Generell sind Spenden über verschiedene Wege möglich (Paypal, Western Union, Moneygram, Überweisung oder was auch immer gewünscht ist), Ich wäre auch schon mit einem Privatkredit zufrieden.


Vielen Dank für das Interview! Die letzten Worte gehören Dir, was möchtest du noch loswerden und unseren Lesern sagen?

Zoheb: Vielen Dank für eure Unterstützung! Mir gefällt euer Webzine wirklich gut. Oft benutze ich Google Translate um die Artikel lesen zu können. 
Viele Menschen neigen dazu Künstler, Bands oder auch nur Personen danach beurteilen zu müssen, von wo sie stammen. Menschen sollten Künstler aufgrund ihres Schaffens und ihrer Fertigkeiten beurteilen und sie nicht gering schätzen, weil sie eine bestimmte Herkunft haben.  Ich weiß, dass viele westliche Hörer sich nicht die Mühe machen, sich Bands aus Ländern der Dritten Welt anzuhören, aber es gibt viele hervorragende Gruppen, die gerade aus dem Underground dieser Länder empor kommen.

[Adrian]

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