Mittwoch, 17. Dezember 2014

Live-Review: One Night Day - Lorbass, Gelnhausen




Drei Bands für vier Euro? Passt! Das Gelnhausener Lorbass bot am vergangenen Wochenende die perfekte Kulisse für eine intime Konzertnacht, die mit drei harten Truppen aus dem Untergrund auftrumpfen konnte. Willkommen beim One Night Day!
Ich bin vorher noch nie im besagten Schuppen gewesen und freue mich umso
mehr als ich mich Innen umschaue. Ein großer Thekenbereich mit einigen Sitzmöglichkeiten und ein kuscheliger Konzertraum, wo man auch Rauchen kann. Da kann die erste Band ruhig kommen! Und die kommt ganz genau aus Speyer und nennt sich ENTORX. Die progressiven Death-Thrasher sind zwar nicht bekannt, aber haben einiges auf dem Kasten. Ihr Sound ist zwar etwas technischer als es vergleichsweise bei der Old-School-Death-Fraktion der Fall ist, aber dennoch geht ihr Sound richtig gut ins Ohr und bringt die ersten Besucher dazu sich zu bewegen. Vor allem zwei Zuschauer in der ersten Reihe haben viel Spaß und starten auch ohne weiteres einen Zwei-Mann-Circle-Pit. Lieder wie 'Black Dawn' oder 'Politics' sind verdammt gut und gehen runter wie Butter. Der umtriebige Fronter, der fast keine Sekunden still halten kann, tut da sein Übriges und überträgt seine Bewegungsfreude im Verlauf auf immer mehr Zuschauer.
Das schreit am Ende nach einer Zugabe, die dann mit 'Blood Venance auch umgehend folgt. Insgesamt ein toller Gig von einer Band, von der man hoffentlich noch einiges hören wird.
Nicht minder aktiv ist der Sänger von SCHARBOCK, der sich die Stimmbänder aus der Lunge growlt beziehungsweise screamt und wie ein Derwisch über die Bühne wirbelt. Musikalisch ist ihr Genre zwar eigentlich nicht meine Baustelle (Deathcore und Moderner Death Metal). Die Songs an sich sind allerdings weniger generisch und austauschbar wie man es von anderen Genre-Vertretern gewohnt ist. Auch wenn man eher ein traditionsbewusster Metaller ist, kann man es mit den Schwaben durchaus aushalten. Außerdem verdienen sie Respekt für die mannshohen Bandlogo-Aufsteller, die sie neben der Bühne platziert haben. Denn die meisten Bands verzichten in so einem kleinen Rahmen auf solche Extras eher. Alles in allem gefallen mir die Süddeutschen nicht ganz so gut wie ENTORX, aber sie sind aber in jedem Fall auch kein Ausfall oder ein Grund um aus dem Konzertsaal zu flüchten.
MEIN KOPF IST EIN BRUTALER ORT: diesen Namen kenne ich bisher nur aus
Frankfurter Szene-Locations, wo auf Toiletten oder Pfosten entsprechende Sticker hin geklebt wurde. Dass diese Art von Guerilla-Marketing zu funktionieren scheint, zeigt allein die Tatsache, dass ich hier und heute vor der Bühne stehe, während die Frankfurter sich bereit machen zu spielen. Die Jungs sind mir von Anfang sehr sympathisch, da sie ihr Merch fast verschenken. Ein T-Shirt für zehn Euro und fürs Doppelte bekommt man einen Hoodie. Da kann ich nicht nein sagen und besorg mir direkt Letztgenannten noch bevor der erste Song gezockt wird. "Wäre ja jetzt witzig, wenn du die Band scheiße finden würdest", meint meine Freundin mit einem Augenzwinkern und ich hoffe insgeheim auch, dass dieser Schritt nicht übereilt war. Im Netz klang die Band zwar sehr gut, aber das muss ja live nicht immer was heißen. Allerdings ist es im Falle der Hessen so, dass die Live-Performance noch mal drei Schippen im Vergleich zu Stream drauflegt. Schon das eingespielte Badesalz-Intro vor dem Gig verbreitet gute Laune und zeigt, dass sich die Kapelle nicht allzu ernst nimmt. Mit zwei Sängern am Mikro bietet der Lokalmatador einen interessanten Mix aus PANTERA, PRONG und den Limburgern Groove-Granaten BOILER. Zu den Letztgenannten können Parallelen gezogen werden, da auch MEIN KOPF… auf Deutsch singen und einen fetten Beat vorweisen können. Natürlich unterscheiden sich beide Bands durch den Härtegrad voneinander. Die Brutalos kratzen nämlich immer wieder an der Grenze zum Extreme Metal. Dieser Mix aus Urgewalt, Groove und Humor sorgt für gute Laune, auch wenn mir der cleane Gesang vereinzelt nicht so gut gefallen hat, sind Lieder wie 'Was Bleibt' und 'Schmerzensangelegenheit' immer noch richtig starke Wellenbrecher und so fordert das Publikum am Ende zu Recht eine Zugabe.

Die gibt es dann auch und das obwohl es an einstudiertem Material fehlt. Egal, gibt es eben einen Song zwei Mal, Hauptsache die Stimmung passt und das ist heute definitiv der Fall gewesen. Wenig Eintritt für viel gute Musik. So machen Underground-Konzerte Spaß und das Lorbass werde ich persönlich nicht das letzte Mal ausgesucht haben.

[Adrian]

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