Dienstag, 5. November 2013

Live-Review: Path Of Death II

Zum zweiten Mal wandelt man in Mainz auf den Pfaden des Todes und die Hell-Is-Open-Crew hat diesmal ein stattliches Paket geschnürt. Mit DECEMBER FLOWER, BODYFARM, ERASERHEAD und den alt eingesessenen PURGATORY bietet man einige Highlights auf, die fast vergessen lassen, dass der eigentliche Headliner POST MORTEM leider krankheitsbedingt absagen musste.
Den Anfang an diesem lauen Oktobertag machen die Rabauken von FLESH DIVINE. Die Trierer sind zwar laut eigener Aussage vorrangig hier um zu saufen, aber sie sind auch ein ganz coole Live-Band. Sichtlich gut gelaunt zocken die Jungs einen groovenden Death-Thrasher nach dem anderen herunter, was durchaus Anlass zur Bewegung bietet. Etwas irritiert sind viele Besucher nur von der engen pinken Hose des Bassisten Marco, der das modische Verbrechen noch durch eine Strumpfhose perfektioniert, die man durch das fehlende Schuhwerk gut erkennen kann. Aber von der musikalischen Darbietung zeigen sich am Ende die meisten Besucher zumindest nicht enttäuscht auch wenn man nicht vollends begeistert wird. Nichtsdestotrotz ist dieser Gig ein guter Opener für das weitere Schlachtfest.

Danach machen sich die Old-School-Jünger DECEMBER FLOWER bereit und es wird bereits merklich voller. Den einen oder anderen Besucher erinnert der klassische und gleichzeitig abwechslungsreiche Todesblei-Mix an die Genre-Kollegen von SULPHUR AEON. Und das ist kein Zufall. Denn Teile der Band bilden die (Live-)Besetzung der Shooting-Stars aus dem Hause FDA Rekotz. Zum Teil etwas verträumt bis melancholisch aber dabei auch stets aggressiv präsentiert sich der Sound der Dezemberblumen. Ihre Melodien packen den Hörer bei den Eiern und machen klar, dass diese Truppe das Potenzial für mehr hat. Mit einem so interessanten Klangmix kann für die Jungs, die sich 2007 erstmals zusammengefunden haben, die Reise nur weiter nach oben gehen.
Ihr Debüt "When All Life Ends..." sollte unbedingt angetestet werden.
Die Sandwich-Band des Abends bildet das Limburger Quintett ERASERHEAD. In ihrer Heimat sind sie inzwischen eine feste Größe aber auch in Mainz machen sie die Halle gut voll und sorgen sogar für richtig Alarm vor der Bühne. Die Songs der Demo, dem einzigen Release bisher, bereiten wie auch schon auf dem Nocte Mortis im Monat zuvor ordentlich Stimmung. 'Pogo The Clown', 'Eaten By The Fish' und vor allem 'Toxic Waste' sind bärenstarke Groove-Granaten, wozu man herrlich die Birne schütteln kann. Wie immer fügen sich auch die Verneigungen vor den CANNIBAL CORPSE ('Stripped, Raped and Strangled') und SEPULTURA ('Troops Of Doom' kommt sogar als Zugabe!) perfekt ins Set ein und bilden die Kirsche auf der Sahnehaube.
Durch den Ausfall von POST MORTEM steigen auch die Holländer BODYFARM in der Hierachie des Abends auf und sind plötzlich Co-Headliner. Dass die Jungs diesen Slot locker ausfüllen ist zwar schon vorher klar, aber wie souverän sie das machen, ist dann doch schon sehr erstaunlich. Unglaublich cool und abgebrührt werden hammer-starke Riffs zelebriert, die teilweise zwischen Death und Black Metal wandeln und keinen Zweifel am Talent der Bandmitglieder aufkommen lassen. Unheimlich cool sind auch die Ansangen des Frontmanns Thomas. "Mögt ihr SLAYER?", fragt der Glatzkopf ins Publikum, das natürlich heiß auf ein Cover wird. Allerdings beantwortet er den einsetzenden Jubel trocken mit dem Satz "Cool, wir auch. Der folgende Song ist aber von uns". Enttäuscht ist aber niemand. Denn wer braucht schon Coverversionen wenn er zwei bärenstarke Alben plus Demo im Rücken hat?
Lieder wie 'I Am War', 'Slaves Of War' oder der göttliche Rauswerfer 'Heart-Raped' sind einfach perfekt für einen todes-metallischen Abend wie heute und stehlen dem eigentlichen Headliner kräftig die Schau.
So haben es PURGATORY im Anschluss tatsächlich schwer noch Leute vor die Bühne zu ziehen und der Saal wirkt deutlich leerer als zuvor. Davon lassen sich die routinierten Urgesteine aber nicht schocken und ballern wie immer ein metallisches Sperrfeuer ab. Brutaler Old-School  Death Metal mit vielen Anleihen aus dem Black Metal schallt aus den Boxen während sich die Fegefeuer-Fanatiker auf der Bühne den Arsch abspielen. Ein paar mutige im Publikum versuchen sich währenddessen daran einen Moshpit zu starten und sich als Stagediver zu betätigen. Aber das bleibt eher die Ausnahme. Die meisten anderen lassen lieber dezent das Genick knacken. Dennoch kann man attestieren dass der Mehrheit der Zuschauer fast sechs Stunden Todesstahl-Party zu viel des Guten sind und sie über das Ende Gig kurz vor Mitternacht sogar ganz froh sind. An PURGATORY liegt die verbreitete Lustlosigkeit aber nicht. Spielfreude und Urgewalt haben wie immer gestimmt und wenn das so weiter geht schaffen sie ja vielleicht doch noch den verdienten Durchbruch.
Insgesamt darf sich an diesem Abend aber jede Band stolz fühlen. Denn kein Gig war ein Ausfall oder hat zur Flucht aus der Halle verleitet. Bei diesem Niveau kann man nur hoffen dass der Pfad des Todes auch noch weitere Male beschritten wird.


[Adrian]

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