Donnerstag, 17. Oktober 2013

Revisited-Reviews: Nocturnal Depression "Four Seasons To A Depression"

Heute mal ein altes Review von Kollege Sunny. Die 2006er Demo von NOCTURNAL DEPRESSION war eines der ersten Reviews von unserem Tape-Experten. Stilistisch ist es schon sehr ausgereift aber auch sehr pathetisch. In jedem Fall ist es aber lesenswert (wenn auch die Zeichenzahl locker für zwei Reviews gereicht hätte)!

So war das damals...
Wer NOCTURNAL DEPRESSION hört und ein Quantum an gesundem Menschenverstand besitzt, wird schon erahnen können dass man hier weder mit kreischenden Gitarrensoli, noch wummerndem Death Metal rechnen muss. Erwartungsgemäß düster und deprimierend schleicht sich der in simples schwarz mit kaum identifizierbarem Cover bestückte Tonträger in die Köpfe der Zuhörer. Wer durch die Tatsache das dass Tape mit nur vier Tracks bestückt ist auf eine geringe Laufzeit schließt mag eine Überraschung erleben; denn mit neuneinhalb Minuten durchschnittlich für jeden Song erreicht das Album doch noch eine angemessene Größe.
Die geringe Songanzahl ist dabei natürlich kein Zufall wie der Titel "Four Seasons To A Depression"  schon erahnen lässt. Im in der Kassettenhülle steckenden Booklet ist eine Tracklist enthalten die das nur noch klarer ausführt: 'Spring', 'Summer', ' Autumn' und 'Winter' ergeben zusammen NOCTURNAL DEPRESSIONs vierte Demo, ein Werk von monumentaler Monotonität und Melancholie.
Wie monoton und melancholisch zeigt sich sofort nach dem man die Kassette
in sein altes Tapedeck gesteckt und die Playtaste betätigt hat: 'Spring'  beginnt ohne viel Intro-Aufwand oder Einstimmung. Oder Text. Oder überhaupt etwas anderem als einem kleinen simplen Gitarrenriff und langsamen Drums die uns durch den ganzen Song variationsfrei begleiten. Die ersten krächzenden Laute sind erst nach einigen Minuten zu vernehmen und unterstützen die aufgebaute Traumstimmung. Denn wenn man eines über "Four Seasons To A Depression" sagen kann dann ist es das, dass es zum Träumen anregt. Schon nach einer Minute mit 'Spring' kann man förmlich dabei zusehen wie die eigenen Gedanken auf Wanderschaft gehen um nie zurückzukehren.  Die zehn Minuten die dieser Track für sich beansprucht fliegen fast vorbei und man wundert sich plötzlich wohin die Zeit verschwunden ist die man gerade noch verlebt hat.
Mit 'Summer'  machen die Franzosen keinen großen Sprung in eine andere Richtung. Wieder ein auf einem Riff basierender Song mit diesmal noch langsameren Drums. Nach einiger Zeit spielt eine zweite Gitarre ein über allem schwebendes Leadriff welches aber auch nur sporadisch auftritt. Der Gesang kratzt wie immer vereinzelt im Hintergrund und lässt Raum für gedankliche Abschweifungen. Immerhin variiert zum späteren Zeitpunkt das Schlagzeug Tempo und auch die Gitarren ändern sich leicht. Allerdings hat man nicht das Gefühl das dieser Song in sich selbst eine Assoziation mit 'Sommer'  hervorrufen könnte.
Dieser Track schleppt sich mehr dahin als der vorherige, da das Mainriff weniger ansprechend und nach mittlerweile fast 20 Minuten Laufzeit aus der Simplizität einfach die Spannung verflogen ist. Ein immer noch sehr ansprechendes Lied, allerdings nur im richtigen Geisteszustand. Auch 'Autumn' beginnt mit einem seichten Gitarrenriff, diesmal clean gespielt. Im Gegensatz zu 'Summer' kann man sich selbst hinter seinen Mittlerweile zweifellos geschlossenen Augen fast schon an einem Trostlosen Herbsttag durch Wälder gehen sehen.  'Autumn' ist ganz klar der Song der seinem Namen am gerechtesten wird. Nach einiger Zeit füllt eine zweite Gitarre die Lücken im ersten Riff und beides zusammen erzeugt so eine wahrhaft melancholische Stimmung wie aus dem schwarzweißen Bilderbuch.  Bald darauf gesellt sich das Schlagzeug mit einigen zaghaften Beckenschlägen dazu um schließlich immer mehr Einfluss auf den Song zu nehmen und ihm ab der Hälfte zusammen mit krächzenden Vocals in eine mehr treibende Stimmung zu versetzten.

Man kann die kaum noch unterdrückte Wut und Trauer die aus dem Song ab diesem Punkt sprechen beinahe körperlich mitfühlen.  Der Song verliert nach einiger zeit wieder eine seiner Gitarren und auch das Schlagzeug kommt irgendwann seinem unausweichlichen Ende zu. Schlussendlich stirbt der dritte Track mit dem Geflüster des Gesangs und dem ausklingenden Bass.
Umso härter trifft der Schlag den unvorbereiteten Hörer, den ihm 'Winter' versetzt! Denn im Gegensatz zu den langsamen traurigen prügelt dieser Track aus der Stille direkt mit lauten, verzerrten Gitarren und relativ schnellen Drums sofort los. Überraschend hart und aggressiv schreien sowohl Gitarren als auch Sänger aus der Anlage, ohne Rücksicht auf die vorherige Trauerstimmung. 'Winter' beschreibt mit seinem Sound recht anschaulich die Härte des Winters und zeigt  eine Seite von NOCTURNAL DEPRESSION die wir so auf dieser Demo noch nicht gehört haben. Kalt wäre eines der Worte mit denen sich dieser Track leicht beschreiben ließe, vor dem geistigen Auge erscheinen Bilder von erbarmungslosen Schneestürmen die zu dieser Melodie über öde Eiswüsten fegen. Gen Ende wird der Song wieder etwas langsamer, aber nicht zu sehr, gerade so als ob man noch das Heulen des schneidenden Windes im Hintergrund hören könnte, aber es nie wirklich vernimmt.
Trauernd endet 'Winter' und so mancher wird vielleicht das Gefühl verspüren sein Tape zurück zu spulen und dem 'Winter' sofort wieder den kaum mehr fröhlichen Frühling folgen zu lassen.
Alles in allem ist "Four Seasons To A Depression" eine Demo die sich ihre Zeit nimmt. Nichts um mal leicht die Stille zu überbrücken sondern mehr um in Erinnerungen und Phantasien zu schwelgen. Eine Absolute Stimmungsmusik der pure Frohgemüter wohl nichts abgewinnen können

7 von 10 Punkten

[Sunny]

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