Dienstag, 13. August 2013

Live-Review: Ragnarök Festival 2013 (Part IV)

Ich gebe es ja zu, der letzte Teil unserer Ragnarök-Berichterstattung hat viel zu lange auf sich warten lassen! Aber dafür kommt nun ein ausführlicher Bericht zu den Headlinern des zweiten Tages! Freut euch auf unter anderem MENHIR, NOCTE OBDUCTA, CARPATHIAN FOREST!

Einen ähnlichen Stand beim Publikum wie RIGER oder HELRUNAR haben die Urgesteine MENHIR. Bei dieser Band trennt sich die Met- saufende Humpaa-Streu vom ernsthaften Pagan-Weizen. Denn wer hier Partyhymnen à la KORPIKLAANI erwartet  wird maßlos enttäuscht werden. Denn die Thüringer sind ein epischer Monolith, der seines Gleichen sucht.  Da macht es auch nix, dass das letzte Album "Hildebrandslied" auch schon fast sechs Jahre zurückliegt.
Allerdings kommt in diesem Herbst mit "Varus" tatsächlich eine neue Scheibe und man darf gespannt sein was uns da erwartet. Live hingegen gibt es den gewohnt hoch-wertigen und intensiven heidnischen Hochgenuss, den  man von den Jungs gewohnt ist, obwohl man nicht ganz ohne Probleme durch das Set kommt. So ist der Sound  besonders vorne vor der Bühne nicht das Gelbe vom Ei und auch die beliebte Hymne 'Hildebrandslied' fehlt  heute leider. Auch das vorzeitige verlassen der Bühne sorgt bei vielen Fans für  Unmut. Dennoch gibt es mit 'Einherjer', ''Wotans Runenlied' und 'Das alte Lied des Windes' einige  Höhepunkte in der Setlist und die aufwendige Gewandung in Verbindung mit einem tollen Bühnenbild sorgen  immerhin für die richtige Stimmung. Unterm Strich geht der Auftritt aber in Ordnung.


Danach kommen NOCTE OBDUCTA auf die Bühne, die zum Teil ja schon auf dem Festival in Form von AGRYPNIE performt hatten. Ihre aktuelle Scheibe "Umbriel" hatte für sehr starke Kontroversen gesorgt und wurde von den Fans unterschiedlich aufgenommen. Allerdings wird dieses Album heute gar nicht dargeboten, womit diese Diskussion geschickt umschifft wird. Dafür erhält man einen tollen Mix aus älteren und neueren Songs, die sehr bei Publikum ankommen. Dass die Band sehr atmosphärisch daher kommt und es versteht eine intensive Stimmung zu erzeugen erklärt sich von selbst. Sympathisch sind übrigens auch die Ansagen der Bandmitglieder Torsten und Marcel, die der komplettgefüllten Halle zu imponieren wissen. Dass dieser Avantgarde-Black-Metal nicht allen gefällt beweist allerdings ein Vorfall Backstage. NARGAROTH-Fronter Ash alias Kanwulf gerät mit Marcel von Nocte aneinander. Es geht wohl darum, dass die Mainzer ihm Songtext- Diebstahl vorwerfen und er das nicht auf sich sitzen lassen will. Erst kommt es nur zur Aussprache, aber dann fliegen später noch die Fäuste und Ash verpasst Marcel eine ordentliche Abreibung.
Egal wie man zu dieser Sache steht, muss man festhalten, dass Gewalt gerade in solchen Fällen, die man auch friedlich aus der Welt schaffen kann, ziemlich daneben ist und nichts ist womit man auf der Bühne angeben sollte (sowie es Ash einige Woche später bei seinem Konzert in Oberhausen getan hat).

Weiter im Text! Interessant, dass die mir nicht ganz so geläufigen SOLEFALD einen so späten Slot ergattern konnten. Aber  im Avantgarde-Metal scheinen die Norweger eine ziemliche Untergrund-Legende zu sein, die seit 1999 die  Szene unsicher macht. Auf der Bühne sieht man sie dafür nicht ganz so oft, aber dafür sind die anwesenden  Fans umso heißer auf die Nordlichter. Die beiden Musiker, die die Band bilden, werden auf der Bühne durch  die Jungs von IN VAIN verstärkt und spielen dennoch sehr gut zusammen. Mit 'Jernlov' startet ein starkes  Set, das keine Wünsche offen lässt. Auch die Bühnenperfomance ist bewusst experimentell, aber was erwartet man auch sonst  von einer so verspielten Band? Songs wie 'Backpapa Baba' oder 'Sun I Call' sorgen  derweil für viele zufriedene Gesichter im Publikum (obwohl es auch viele gibt, die nicht so recht  wissen, was sie mit dem Konzept der Skandinavier anfangen sollen). Im Übrigen ist der gesamte Sound der  Kapelle eine nette Abwechslung zu dem was noch kommen soll, auch wenn es durchaus bessere Bands in diesem Sektor gibt.

Danach kommt die absolute Antithese zu SOLEFALD. Mit den Landsmännern CARPATHIAN FOREST kommen nämlich  keine Schöngeister, sondern viel mehr knallharte Schwarzmetall-Punks auf die Bühne, die eine Fuck-You-Attitüde versprühen, die kaum eine andere Band so authentisch verkörpert. Endlich sind die Rabauken um  Frontsau Nattefrost mal wieder im Lande und stellen einen mehr als würdigen Headliner dar. Und das obwohl der Sound eher nach Opener-Band klingt. Aber wenn kümmert's? Die Nordmänner müssen rumpeln und das nicht  zu knapp. Den Anfang macht 'The Suicide Song' und sofort startet die Party vor der Bühne! Die Fans feiern die Kapelle ordentlich ab und gefeiert wird auch auf der Bühne. Nattefrost säuft sich mit Whiskey mal wieder die Hucke voll und kriegt den eine  oder andere Ansage nicht mehr so ganz auf die Reihe, aber auch hier gilt: wenn kümmert's? Wer will  Nattefrost schon nüchtern sehen? Da wäre sicherlich der Untergang der Band. Außerdem überrascht der  exzentrische Frontmann die Stadthalle sogar mit einigen deutschen Ansagen und verhält sich ansonsten auch recht zivilisiert auf der Bühne. Übrigens ist es sehr interessant, dass außer den Karpatenmännern niemand  Corpsepaint trägt. Die Black Metal Szene scheint sich deutlich zu verändern. Eine solche Band, die für die Erneuerung der Szene steht ist nordische

Quartett VREID. Hier gibt es  nämlich keine Schminke und auch keine ultra-trven Songschemata beziehungsweise Texte. Stattdessen hat man  zuletzt mit "Welcome Farewell" ein starkes neues Album vorgelegt, das gänzlich auf Keyboards verzichtet  und viel mehr Rock'n'Roll enthält. 


Von diesem Werk werden zum Beispiel 'The Ramble' und 'The Reap' dargeboten, jedoch fehlen aber auch ältere Lieder wie 'Alarm', 'Songen Åt Fangen' oder 'Raped By Light'  nicht und machen die Setlist zu einer runden Sache. Schade, dass es WINDIR nicht mehr gibt, aber VREID (aus den Überresten gegründert) bildet mit ihrem Mix auf Black Metal, Rock'n'Roll und Heavy Metal einen würdigen Nachfolger.

Last but not least kommen die Rauswerfer SECRETS OF THE MOON auf die
Bühne und beglücken diejenigen, die  es auch weit nach Mitternacht noch vor der Bühne ausgehalten haben mit ihrem epischen Schwarzmetall.  Passend zur vorangeschrittenen Stunde werden Kerzen und Feuerschalen dem Bühnenbild hinzugefügt und die  deutschen Musiker schalten im Vergleich zu ihren Vorgänger ein paar Gänge zurück. Dennoch sind Lieder wie  'Lucifer Speaks', 'Nyx' oder 'Seraphim Is Dead' so stark, dass sie auch ohne bestialische Geschwindigkeit ordentlich Eindruck hinterlassen. Der Fokus des Sets liegt übrigens auf dem 2012er Release "Seven Bells",  der sicherlich keine schlechte Basis darstellt.
Hier regiert nämlich von Anfang bis Ende eine düstere okkulte und doomige Stimmung, die auch bis zur letzten Note anhält.
Unzufrieden kann mit dieser Show also kein Fan sein und auch generell stellt dieser Auftritt einen tollen  Abschluss für ein insgesamt hervorragendes Festival dar, dass sich im Vergleich zum letzten Jahr in allen  Bereichen gebessert hat.

[Sebastian und Adrian]

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