Donnerstag, 9. Mai 2013

CD-Review: Phlebotomized



Der NOCTURNUS-Vergleich aus dem Waschzettel passt! Die Old-School Deather PHLEBOTOMIZED haben tatsächlich eine Menge von dem Space-Todesblei der Amis. "Devoted to God, Preach Etenal Gosples" ist eine Zusammenstellung der zweiten Demo "Devoted To God" und dem Mini-Album "Preach Eternal Gospels", was thematisch stak an die australischen Todeschristen MORTIFICATION erinnert.



Auch Songtitel wie 'Desecration of Alleged Christian History' oder 'Fate Of A Devotee & Devoted To God' passen da sehr gut ins Bild und stehen kurz vor der Selig-Sprechung durch Papst Franziskus (wobei sich keine Informationen finden lassen, dass es tatsächlich religiös gemeint ist).  Soundtechnisch aber geht es derbe zur Sache die Growls sind ebenso unsagbar tief wie auch die Riffs, die nur von den wilden Keyboard-Exzessen aufgelockert werden, die man so nur selten im Old-School Death hört. Wer zwischendurch mal eine ruhige akustische Verschnaufpause braucht sei an 'In Memory Of Our Departured Ones' verwiesen, das durch atmosphärische und reduzierte Instrumentalisierung zu überzeugen weiß.
Aber solche Ausflüge bleiben die Ausnahme, schon direkt im Anschluss schickt das an gaaaanz alte CREMATORY erinnerende 'Mustardgas' den Hörer auf eine akustische Reise durch das Synthesizer-Weltall.
Weitere Stilmittel wie ein sanfter Streicher erweitern den orientalisch anmutenden Track 'Preach Eternal Gospels', das aber auch durch ein technisch abgedrehte Gitarrenarbeit überzeugt. Mit seinen über zehn Minuten Spielzeit nimmt dieser Song eine Menge von dem vorweg, was später Technical und Brutal Death Bands gemacht haben, ohne sich dabei Monotonie und Einfallslosigkeit zu verlieren. Immer wieder gibt es neue Ideen, die sich aber wie bei anderen Avantgardisten der Todesblei-Szene (wie etwa TIAMAT und THERION in ihren Anfangsjahren) stets sinnvoll aneinanderfügen. Allein über diesen einen Song könnte man Seiten schreiben ohne sich zu wiederholen. Einfach virtuos!
Wer nach diesen acht starken Tracks immer noch Bock auf mehr hat kann sich mit den drei Live-Darbietungen 'Tragic', 'Subtle' und 'Desecration' die Lichter endgültig ausblasen. Der Sound ist auch hier natürlich bedingungslos Old-School und zeigt dass die Niederländer auch auf der Bühne eine starke Macht waren.

Insgesamt ist "Devoted to God, Preach Etenal Gosples" von den Niederländern PHLEBOTOMIZED  eine mehr als runde Sache. Ein knapp 70-Minuten-umfassendes Musik-Paket, das durchweg unterhaltsam, spannend und immer wieder überraschend ist, findet man auch nicht an jeder Ecke. Hier kann auch aufgrund des Alters (etwa 20 Jahre sind die Aufnahmen zum Teil alt) durchaus behaupten, dass die Holländer das Extreme-Metal-Rad erfunden haben und eine der ersten Combos war, die Synthesizer und Death Metal song-dienlich verbunden haben. Damit waren sie ihrer Zeit durchaus voraus und haben die Erfindung des (ursprünglichen!) Gothic Metals mit ermöglicht. Auch Fans jenseits von CREMATORY und NOCTURNUS sollten jedoch hier aufhorchen. Seit April ist dieses feine Stück Death-Metal-Zeitgeschichte bei Vic Records erhältlich.  

[Adrian]

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