Freitag, 19. April 2013

CD-Review: Casket


Es gibt ausgefallene Bandnamen wie "PIG DESTROYER" oder "LAST DAYS OF HUMANITY" und es gibt völlig bekloppte Namen wie "ZWANGSVERSTEIGERTE DOPPELHAUSHÄLFTEN" oder "ABSTÜRZENDE BRIEFTAUBEN". Und dann gibt es noch die Art von Bandnamen, die man an jeder Ecke findet. Einer davon ist CASKET

Bei Metal-Archives gibt es allein 32 Einträge und bei Last.fm und Spotify kommen auch noch mal ein paar Gruppen aus anderen Genres dazu. Relativ schwer also sich als Band in diesem Wust abzuheben. Die Mannen aus Reutlingen allerdings haben einen klaren Vorteil, sie sind bereits seit 23 Jahren im Geschäft und gehören zu den Mitbegründern der deutschen Todesblei-Szene. Im Gegensatz zu MORGOTH oder FLESHCRAWL waren sie aber schon immer auf der sehr brutalen Schiene gefahren und können durchaus auch als Vorreiter der Brutal-Death-Bewegung gesehen werden. Nichtsdestotrotz sind sie auch noch nach über zwei Dekaden immer noch nicht satt und kommen derzeit mit einem neuen Longplayer names "Undead Soil" um die Ecke. 
Mit etwa 43 Minuten und zwölf Songs (Zwischenspiele inklusive) wurde hier ein amtliches Paket geschnürt, das Fans der Band in Verzückung versetzen wird. Eine gute Produktion trifft auf eine weitesgehend herrliche Riffarbeit, die von einem animierenden Beat begleitet wird (besonders schön in 'Casketball zu beobachten). Jede Menge Groove und ein ausgewogenes Verhältnis aus brutalen und rhythmischen Anteilen wird insbesondere Hörern von DISBELIEF oder auch HEXENHAMMER eine Menge Vergnügen bereiten. 
Allerdings braucht das Album auch mehr als einen Durchgang um zu zünden. Nach zwei bis drei Läufen, klang es immer noch zu eindimensional und zu monoton. Erst danach fielen (mir zumindest) Feinheiten, Details und Gitarren-Raffinessen richtig auf. Mag daran liegen, dass ich normalerweise eher Schweden-Death höre oder dass ich mit dem Wirken der Band bis dato nur wenig vertraut war. 

Dennoch kann ich inzwischen "Undead Soil" eine Menge mehr abgewinnen und bin vor allem von dem SYSTEM OF A DOWN-Cover 'Hirschtanz' (im Original 'Deer Dance') begeistert, das die Süddeutschen gut ins Todesstahlgewand gehüllt haben. 
Alles in allem ist "Undead Soil" von CASKET eine zwei-schneidige Angelegenheit. Denn hier muss man sich als Death-Metal-Fan positionieren. Brutalo-Deather werden mit Sicherheit von vielen Songs völlig begeistert sein, während Traditionalisten mit der Nase rümpfen werden. Objektiv gesehen kann man aber festhalten, dass die Fertigkeiten an den Instrumenten und die Produktion verdammt stark sind und auch das Song-Writing mit einigen Melodie-Ausflügen immer wieder  zu überraschen weiß (wie zum Beispiel in 'Masturbating In Psalms'), weswegen eine Wertung oberhalb des Durchschnitts klar gerechtfertigt ist.

7 von 10 Punkten

[Adrian]

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