Freitag, 5. März 2021

Reingehört: Last Days Of Humanity "Horrific Compositions of Decomposition"


Hach, es gibt nur wenige Bandnamen, die so gut zu der aktuellen globalen Krise passen wie LAST DAYS OF HUMANITY (kurz LDOH). "Horrific Compositions of Decomposition" ist nach 15 Jahren (!!) der erste neue Output der niederländischen Goregrinder und es wird wieder einmal schwierig werden den meisten Außenstehenden zu erklären, warum es sich hier um ein verdammtes Meisterwerk handelt. Ich weiß es ja selber nicht. Trotzdem versuche ich es einmal in Worte zu fassen.
Das ist mal echter Grindcore! 32 Songs (und ein FEAR OF GOD Cover) verteilen sich auf eine knappe Spielzeit von etwas weniger als 22 Minuten. Doublebass und Klospüler-Pitchshifter treffen

hier auf 
 viele Samples vornehmlich aus kauzigen Horrorfilmen, die teilweise länger sind als der folgende Track. Das ist eigentlich kein Grund, um aus dem Häuschen zu sein. Dieser Stil wurde über Jahre und Jahrzehnte im Goregrind kultiviert. Allerdings wirkt die Brutalität hier nur auf den ersten Blick wüst und chaotisch. Die wütenden Ausbrüche, das unverständliche Grunzen und energiegeladene Drumming werden gezielt eingesetzt und wissen, wie sie dosiert werden müssen, um ihr Potential maximal zu entfalten. Man kann hier das Old-School Hardcore-Fundament des Grinds von LDOH deutlich erkennen, nur dass alle Parameter wie Geschwindigkeit, Härte, Distortion und Extremismus auf 500% gedreht wurden. Wie gesagt, es ist wirklich schwer meine Begeisterung für diese Art von Musik zu beschreiben. Die wenigsten Menschen würden diese Urgewalt überhaupt als "Musik" bezeichnen. Aber was macht das schon? LDOH punkt, LDOH rollt und LDOH groovt - kurzum, wenn man sich hier einmal fallen lässt, kann man unheimlich viel Spaß haben.  


Oder anders gesagt, nicht viele Truppen schaffen es ihre ungestüme Energie so zu kanalisieren, dass man am liebsten sofort alle Körperteile unkoordiniert bewegen  und wild mit anderen im Kreis rennen möchte, obwohl man allein daheim ist und sich gerade nicht mit einem Haufen bekloppter Frühaufsteher auf dem Party.San Open Air befindet. LAST DAYS OF HUMANITY sind da Meister ihres Fachs. Machen wir es also kurz: eine Punktevergabe wäre hier ebenso so irreführend wie unzweckmäßig. Entweder liebt ihr Goregrind oder hasst ihn. Wenn ihr Letzteres nicht tut, dann werden euch die letzten Tagen der Menschheit auch dieses Mal begeistern. Natürlich ist es im Grunde mehr von demselben, was die Truppe um Gründer Erwin de Wit seit mehr als drei Dekaden tut. Allerdings ist es gerade diese Erfahrung, die man hier heraushört und die das Album so rund macht. Wie ein kompletter Abriss in Perfektion klingt, kann man hier beobachten. Dass es sich hier um das erste "echte" Album seit der zwischenzeitlichen Auflösung 2006 handelt, hört man dahingehend nicht raus, dass nichts verlernt wurde und die Spielfreude größer denn je zu sein scheint. Auf das nächste Album müssen wir dann hoffentlich nicht wieder so lange warten, denn LDOH machen hier Lust auf mehr.
Seit 01.03.2021 gibt es den Dreher bei Rotten Roll Rex käuflich zu erwerben.

[Adrian]      

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