Freitag, 4. Dezember 2020

CD-Review: Wombbath "Tales Of Madness"

2020 treibt schon interessante Blüten. Viele Bands nutzen die Konzertfreie Zeit fürs Song-Writing und veröffentlichen neues Material. Die schwedischen Death-Metaller von WOMBBATH allerdings treiben es auf die Spitze der Produktivität und veröffentlichen kurz vor Jahresende ihr zweites Studioalbum innerhalb von neun Monaten. "Tales Of Madness" ist allerdings nicht komplett neu.

Denn diese Langrille ist im vor allem ein Jubiläumsalbum. Das Quartett aus Västmanland feiert ihren nunmehr 30. Ehrentag unter dem WOMBBATH-Banners mit einer Mischung aus neuem Material und Tracks aus den 90ern, die man neu aufgenommen hat. Abseits von Klampfer Håkan Stuvemark ist zwar kein Bandmitglied von damals noch mit dabei, aber bei einer fast 20 Jahre langen Pause zwischen 1995 und 2014, die die Band im Dornröschenschlaf verbracht hat, ist das auch kaum verwunderlich, dass sich das Line-Up stark verändert hat. Die ersten drei Tracks sind dann auch direkt Songs vom ersten Demo der Band "Brutal Mights" entlehnt, das man Anfang 1992 in Umlauf gebracht hatte. 'Tales From The Dark Side', 'Brutal Mights' und Unholy Madness' machen keine Gefangenen und brechen in bester HM2-Manier kompromisslos aus den Boxen. Damit gewinnt man zwar keinen technischen Schönheitswettbewerb, aber die brachiale Primitivität gefällt mir und überzeugt mich - besonders die voluminösen und tiefen Vocals von Jonny Pettersson. 'The Grave' ist dann im Anschluss etwas ganz besonderes, denn es ist der erste Titel, den WOMBBATH je geschrieben hatten.

Die 155 Sekunden kurze Gewaltorgie, passt perfekt zum Abriss-Auftakt und lässt die Frage offen, warum dieser Sturmtrupp nicht schon vor 28 Jahren durch die Decke gegangen ist. Witzigerweise ist das folgende 'Lavatory Suicide Remains', der erste richtige Bruch, obwohl es sich auch hier abermals um ein Re-Recording handelt. Ruhig und melodisch zu Anfang und insgesamt etwas rockiger und versierter als zuvor - man merkt allein an diesem Track wie schnell und deutlich sich der Death Metal in den 90ern entwickelte konnte, denn diese Komposition ist ursprünglich 1994 entstanden und war bis zur Reunion vor sechs Jahren, der letzte Release der Kapelle. 'Save Your Last Breath To Scream' stammt aus dem Jahre 1993 und gehört noch zur reinen Old-School-Phase der Truppe - meiner Recherche nach ist dieser Song bisher unveröffentlicht gewesen (und wenn ich schreibe "Recherche", dann meine ich, dass ich Metal Archives nachgeschaut habe). Hier spielen die Herren aus Sala zwar auch viel mehr mit Melodie, aber behalten sich dennoch ihre Durchschlagskraft bei - das erinnert mich ein wenig an Kolleggen wie ENTRAILS oder REVEL IN FLESH. Dieser Art von Swedish Old-School bleibt man dann auch weiterhin treu und prügelt sich im Titeltrack (der jetzt wirklich neu ist) in einer ähnlichen Manier durch die Botanik - woran man auch gut sehen kann, an welche Schaffensphase die Band seit ihrer Rückkehr anknüpft. Das ist natürlich nix, was mir in den letzten zehn Jahren selten begegnet wäre. Allerdings hört man es Bands oftmals an, wenn sie in den 90ern aktiv in der Szene waren, denn sie bringen die Songs stets auf den Punkts und wissen wo man Akzente setzen muss. Auch werden Rhythmen und Soli unverkrampfter dargereicht, als es so manche Newcomer können, die zu sehr versuchen sich an ihren eigenen Helden zu orientieren. 


Insgesamt ist "Tales Of Madness" ein bärenstarker Release geworden und das gerade weil, man hier neues und altes Material miteinander mischt. WOMBBATH kreiirt so eine endrucksvolle Symbiose aus traditionellem und "neuem" Schwedentod. Wer eine kleine Zeitreise durch die Diskographie dieser schwer-unterschätzten Band machen möchte, bekommt hier die perfekte Gelegenheit dazu.
Ab 18.12.2020 bringt Transcending Obscurity Records dieses verfrühte Weihnachtsgeschenk auf den Markt.


8,5 von 10 Punkten


[Adrian]   

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