Sonntag, 10. Mai 2020

CD-Review: Gut "Disciples Of Smut"

Das sind sie wieder! Die Porngrinder von GUT haben eine ganze Weile keinen neuen Stoff veröffentlicht - ein Jahrzehnt dürfte der Release der letzten Split mittlerweile her sein. Wenn man nur nach Alben geht, dann ist "Disciples Of Smut" sogar der erste Release in 14 Jahren (!). Damals hatte ich die Band gerade erst kennengelernt und habe durch sie überhaupt meine ersten Berührungspunkte mit dem Genre "Grindcore" gehabt. Nachdem ich die Herren zuletzt auf dem Party.San Open Air 2017 live erlebt habe, bin ich gespannt, wie sich die Studioqualitäten der Südwestdeutschen entwickelt haben.
Optisch macht das Album auf den ersten Blick einen dezent schwarzmetallischen Eindruck. Frakturschrift, monochrome Farbgestaltung und eine Person im Priestergewand mit Corpsepaint wirken auf einem Grind-Dreher ungewohnt  - auch wenn die ersten beiden Merkmale im Hard- oder Crustcore nicht völlig
deplatziert wären. Sei's drum! Auch im Booklet wird die Black-Metal-Ästhetik weiterkultiviert. Die übliche Maskerade der Truppe wird um Patronengurte, Lederjacken, umgedrehte Kreuze und dunkle Schwarzweiss-Fotos ergänzt - hier gibt es aber schon Hinweise, dass man es nicht ganz so Ernst mit der okkulten Thematik nimmt, so trägt zum Beispiel Vokalist Oli auf einem der "trven" Promo-Bilder ein FOREIGNER-Shirt. Nun aber genug der grafischen Analyse, kommen wir zu Musik und zur Frage: Was man denn nun vom oberflächlichen Schwarzheimer-Image in die Musik hinüber gerettet hat. Erstaunlicherweise ist mehr Death und Black Metal hängen geblieben als ich es persönlich erwartet hätte. Das zeigt sich schon bei einem Blick auf die Tracklist. Kein Titel ist kürzer als 80 Sekunden und bei knapp 47 Minuten Laufzeit kommen wir auch "nur" auf eine Anzahl von gerade einmal 16 Songs. Das ist für dieses Quartett quasi eine Art Revolution! Es gibt mit 'Empire Of The Centipede Of Pigs And Hoes' sogar einen Titel, der die sechs (!) Minuten Marke sprengt (ist so etwas im Grindcore überhaupt legal?)- Spoiler: hier bekommt man übrigens ein paar kleine Sludge-Vibes geboten! Auch der Einsatz von Stilmitteln des okkulten Black und Death Metal (Kreissägen-Riffs samt gepressten Growls und aggressivem Keifen) wie zum Beispiel in  'Diabolical Degradation' oder 'Chants From The Sex Dungeon' zeigt, dass der erste optische Eindruck nicht ganz abwegig gewesen ist. Deswegen sollte man aber nicht den Fehler machen und glauben, dass GUT sich um 180° gedreht hätte. Nein, GUT ist und bleibt Grindcore.  Es gibt beispielsweise auch auf diesem Dreher wie gewohnt klassische (Horror)Film-Samples am Anfang vieler Songs - nur dass sie sich jetzt vornehmlich mit Satanismus und dunklen Mächten beschäftigen. Vor allem in der ersten Albumhälfte hört man auch noch einen Pitchshifter (aber nicht so exzessiv, dass es nerven würde) und generell gibt es auch noch mehr als genug rotzige Grind'n'Roller und anzüglichen Ufta-Ufta-Goregrind, um die Fans der ersten Stunde zufrieden zu stellen. Allerdings ist die Bandbreite der stilistischen Vielfalt unheimlich breit geworden. So kann vor allem am Rauswerfer 'Myth Of Perversion' sehen, dass sich Death Doom und Grindcore nicht ausschließen müssen.
Alles in allem ist "Disciples Of Smut" seine Wartezeit Wert gewesen. Denn selbst wenn GUT auch 2020 noch die typische Klaviatur an Grind-Klischees erfüllt und den Szene-Puristen damit einen Herzinfakt ersparen dürfte, gibt es auf dieser Platte immer wieder Ausreißer und Farbtupfer, die man so nicht erwartet hätte. Porn, Gore und Grind treffen hier auf Death, Doom und ein bisschen War Black Metal. Herauskommt dabei eine Mixtur, die sich wunderbar genießen lässt - solange man offene Ohren für all die verschiedenen Triebe der extremen Gitarrenmusik hat. Wenn man sich selbst andererseits viel zu Ernst nimmt, kann man die Scheibe auch getrost ignorieren, alle anderen Krachliebhaber sollten auf jeden Fall einmal reinhören.
Ab 15.05.2020 wird es die Scheibe bei Splatter Zombie Records zu ergattern geben.

8,5 von 10 Punkten

[Adrian]

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