Samstag, 7. Dezember 2019

Reingehört: Gnadenstoß "Könige der Nacht"

Nach sechs Jahren Bandhistorie erscheint diesen Monat mit "Könige der Nacht" das erste Album der mittelhessischen Deutsch-Metaller von GNADENSTOSS, die sich vor allem mit Auftritten in der Frankfurter Batschkapp und dem G.O.N.D. hervorgetan haben. Ob sie auch auf Platte überzeugen können, versuche ich in der Folge zu klären.

Kommen wir erst einmal zu den Rahmenbedingungen. Wir haben es hier mit 15 Liedern zutun, die sich auf 55 Minuten Spielzeit verteilen - so weit, so einfach. Die Stilistik der Band wiederum ist etwas schwerer zu erfassen. Der Fünfer aus Herborn gibt an "Hard Rock/Metal Made in Mittelhessen" zu machen. Im Waschzettel der Langrille ist dabei nirgendwo die Rede von Deutschrock. Allerdings fällt direkt nach dem Intro auf, dass wir hier eine Kapelle vor uns haben, die maßgeblich von den BÖHSEn ONKELZ beeinflusst wurde. Fronter
Daniel klingt wie Kevin Russell aus dem Stimmband geschnitten und die Rhythmik der Band ist den Deutschrock-Pionieren auch nicht ganz unähnlich. Allerdings sind die Riffs oftmals zu heavy-metallisch für Deutschrock und könnten mit anderen Vocals teilweise auch als Old-School oder Thrash Metal durchgehen (das gilt ganz besonders 'Bombenterror' und 'Es ist vorbei' - meine Lieblingssongs der Scheibe). Jedoch zerren die Mitsing-Passagen, die gradlinige Dramaturgie und vor allem die lyrischen Themen (über Zusammenhalt, Heuchler und Alkohol) das Gesamtwerk eindeutig in die Deutschrock-Richtung. Eine Richtung in der mich nun wirklich nicht zu Hause fühle, was mir eine würdige Bewertung des Longplayers deutlich erschwert. Persönlich gefallen mir viele Riffs richtig gut, die knackig und treibend die Spannung hochhalten. Auch die Produktion ist auf dem Punkt und das Song-Writing bleibt seiner Linie ohne Experimente durchgängig treu. Allerdings komme ich (und das ist meine ganz eigene Meinung) einfach nicht mit dem pathetischen Lyrik-Katalog klar, der wie alle Deutschrock-Kapellen die immer gleichen Härten des Lebens besingt und dabei stets mit bekannten Floskeln über falsche Freunde und das gemeinsame Anstoßen um sich wirft. Natürlich hat jedes Gerne seine Eigenheiten, aber besonders im Deutschrock wäre es wirklich wünschenswert, wenn man für die Song-Texte nicht immer die gleichen Bausteine benutzen würde.  

Alles in allem ist "Könige der Nacht" ein Longplayer, der innerhalb der Deutschrock-Szene mit großer Begeisterung aufgenommen werden wird. Denn auch wenn ich kein Fan dieses Genres bin, kann ich objektiv erkennen, dass die Hessen sehr gute Musiker sind, die genau das bedienen, was ihre Zielgruppe hören will. Ich persönlich mag die Gitarrenarbeit sehr gerne und habe daran nicht viel zu meckern. Ich war nie ein besonders großer ONKELZ-Fan, aber wenn das bei euch anders sein sollte, dann wird euch die Stimme von Daniel begeistern. GNADENSTOSS ist nicht für Hörer wie mich gemacht, weswegen ich auch auf eine Notenvergabe verzichte, aber wenn ihr Truppen wie KÄRBHOLZ und WILDE JUNGS feiert und das ganze mit besseren Metal-Gitarren versetzt sehen wollt, dann schnappt euch diese Langrille.
Am 21.12.2019 erscheint der Dreher bei allen bekannten Plattformen.

[Adrian]

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