Montag, 17. Juni 2019

CD-Review: Document 6 "Grind (R)evolution"


Nachdem sich der werte Herr Goreminister schon mit dieser Platte auseinandergesetzt hat, wollen wir von Totgehört natürlich dem Ruhrpottkollegen in nichts nachstehen und uns ebenfalls mit "Grind (R)evolution" beschäftigen. Immerhin verfolgen wir das Schaffen der Crust-Grinder von DOCUMENT 6 bereits seit dem ersten Album.

18 Songs verteilt auf knapp 36 Minuten. Das ergibt im Durchschnitt zwei Minuten pro Titel, was im Grindcore recht viel Spielraum darstellt. Das ist hier aber auch recht sinnvoll. Denn der sehr sozial-kritische bis politische Ton der Aachener lässt sich natürlich nicht in wenige Sekunden pressen. Direkt der Opener "Bloed" begrüßt uns mit einem Sample aus einem Wehrmachtslied.

Es endet mit "Heute gehört uns Deutschland; Und morgen die ganze Welt" worauf der Grind einsetzt und die faschistischen Melodien übertönt. Schnell, hart und mit grollenden Shouts schreit man mittels punkigem D-Beat gegen Hetze und Hass an, bevor ein "Alerta, Alerta, Anti-Fascista" Sample den Track beendet, so dass auch der letzte merkt, wo die Bandmitglieder stehen. Im diese Stile geht es dann auch weiter und schnell hat man eine ganze Reihe von Menschen beleidigt, besonders jene, die Rassismus, Sexismus und Xenophobie nahe stehen. Obligatorisch dieser Tage darf da ein Anti-Trump-Song ('Trump-Jong-Un') nicht fehlen. Immer wieder gibt es dabei einleitende Samples (was ich sehr schätze), wie auch bei 'Faust', das man mit Gustav Gründgens Interpretation des vorstellenden Mephisto-Monologs aufmacht. Musikalisch ist das Album durchweg ein düsteres Geballer, das mal mehr auf Hardcore-Punk-Elemente setzt und in anderen Momenten (wie beispielsweise 'Duivel') in Richtung Old-School Grind tendiert. Die Produktion ist übrigens auch sehr traditionell. Das Schlagzeug klingt hier wie ein Schlagzeug und nicht wie ein Synthesizer. Alles andere wäre im Grindcore aber auch eine Todsünde.

Alles in allem ist DOCUMENT 6 mit seinem Zweitwerk ein stückweit vom Crust abgrückt und dafür näher an den (klassischen) Grindcore herangetreten. "Grind (R)Evolution" hat dadurch zwar etwas vom bisherigen Eigencharakter der Band eingebüßt, aber dürfte dafür inzwischen für die meisten Metal-Extremisten zugänglicher geworden sein. Wer also den Backkatalog von Earache Mitte der Achtziger Jahre seine Bibel nennt und sich täglich ehrfürchtig vor Mick Harris verneigt, der sollte diese Scheibe zügig sein eigen nennen.
Seit 1. Mai 2019 gibt es den Dreher unter anderem bei Bandcamp zu erwerben.


8 von 10 Punkten

[Adrian]

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen